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Bon ihm. weiß ich eine rührende Geschichte, welche wohl verdient, nicht vergessen zu werden.

Im Jahre 1813 nach der Schlacht von Leipzig lag ein französischer Regimentsarzt Gießwein, gebürtig aus Brumath im Elsaß, längere Zeit mit seinem, (dem 12. Kürassier-) Regiment, zu Ober-Ingelheim in Kantonn-e- mentsguartier, und hat sich in der Zeit durch Eifer und Geschicklichkeit, mit ivelcher er sich der zahlreichen Opfer der Epidemie, die die geschlagene Armee auch der Zivilbevölkerung übertragen hatte, viel Tunk und Anerken­nung erworben. Bei dem späteren Rückzüge war er zu Bretzenheim an der Rahe von den > nachfolgenden alliierten Truppen gefangen und seines Pferdes und seiner ganzen Habe beraubt worden. Es blieb ihin nichts übrig, als dem Rat seiner Ober-Ingelheimer Freunde zu folgen und dorthin zurückzukehren, wohin ihn ohnedies Bande der Liebe zogen.

Er blieb dann dort als praktischer Arzt, später auch als staatlicher Kantonsarzt, bis zu seinem Ende, und erwarb sich durch seine Geschicklichkeit und seine unter rauher Schale verborgene Menschenfreundlichkeit die Ach­tung und Liebe weiter Kreise. Als man, allzufrüh, den landfremden Mann, der aber niemandem mehr fremd war, auf dem schau­rig-schönen Ober-Ingelheimer Friedhof zur Erde bestattete, da folgte ihm ein Geleit, als wäre ein Großer des Landes gestorben. Er war trotz anstrengenden Berufs eifrig und erfolgreich bemüht, mit der fortschreitenden Wissenschaft im gleichen zu bleiben, und er hat das Chinin gekannt und praktisch ange­wandt, zu einer Zeit, als man sonstwo noch keine Ahnung davon hatte.

Er war ein getreuer Anhänger seines an­gestammten helvetischen Bekenntnisses und mit meinem Vater bis zu seinem Tode innig befreundet von der Zeit an, da dieser zuerst als sehr junger Geistlicher zu Ober-Ingel­heim die Kanzel betrat. Leider lxatte er auf den wilden Kriegszügen sich das Trinken an- gewölint, was ihn aber nicht hinderte, bis zuletzt mit größter .Hingabe seinem Berufe zu leben. Bei seinen Touren im Bezirk, wo­bei er sich lange eines zäl-en, alten Kosaken- gäulchens bediente und erst ganz zuletzt in einem Wagen fuhr, pflegte er es meist so einzurichten, daß er zuletzt im gastlichen Ju- genheimer Pfarrhause Halt machte, wo er von uns Kindern in seinem Wesen und der etwas fremd klingenden Sprache wie eine Erscheinung aus fernen Landen bestaunt wurde. Erzählte man sich doch von ihm, er habe in der furchtbaren Schlacht bei Boro- dino einem französischen Stabsoffizier das zerschmetterte Bein aügenommen und erst nachlwr, beim Reinigen der Gesichtszüge, in ihn> seinen ^genen Bruder erkannt, den er seit dessen Knabenzeit nicht inehr gesehen und auch bei den beständigen Kriegsunruhen von ihm nichts mehr gehört hatte

Einmal nun geschah es, daß der besagte Metzger Freund in seiner Gegenwart er­zählte, wie er einst nach überstandenem russi­schen Feldzug als französischer Grenadier an einem Tor von Königsberg Wache stand, da sei so ein französischer Doktor auf einem Ko- sakengäulchen dabergesprengt gekommen,-und weil er die Kehre so kurz genommen, daß die Hufe auf dem vereisten Boden ansglitschten, sei er hin geschlagen und wie tot liegen ge­blieben. Ta habe er, Freund, ihn in die Wachstube getragen.Das bin ich gewe­sen," rief da Gießwein und umarmte freudig bewegt seinen wiedergefundencn Lebensretter. Von da an geschah es selten, daß er nicht noch, nachdem er sich von uns verabschiedet, bei seinem neugewonnenen Freunde Freund einkehrte, wo dann bei einem Schoppen Säuerling die beiden Kriegskameraden ihre Kriegserinnerungen miteinander tauschten. Wie verwunderlich sind doch die Wege, auf denen das Schicksal die Menschen ausein­ander- und ein andermal wieder zusamwen- führt.

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Mancherlei Mitteilungen über die alte Zeit haben mir zwei Taglöhner meines Va­ters, genannt Heuchert und der alte Baiser, gemacht. Ter erstere erzählte gern von seinen nicht allzu kriegerischen Taten in Spanien. Ter alte Balser, den mein Vater als intelli­genten Pfleger des Weinstocks schätzte, war selbst ein Stück Volksnaturgeschichte. Ur­sprünglich ein wohlhabender Bauer, war er ein eisenköpfiger Prozeßkrämer. Wegen einer angeblich ihm gehörigen Gans, die beim. Eintreiben in der Herde mit anderen sich zur Hofreite des Nachbars verlaufen fyiftert soll, führte er jahrelang Prozeß mit Ter­minen und Lokalbesichtigungen, der 2800 Gulden gekostet haben soll. Schließlich war er so weit gekommen, daß er in alten Tagen sein Brot als Taglöhner verdienen mußte.

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Iw Jahre 1868 wurden die Hinterge­bäude des Hauses zum Ochsen durch eine von spielenden Knaben angesachte Feuersbrunst zerstört. Das Feuer griff auch auf ein be­nachbartes Haus über. Bei diesem Brand ereignete es sich, daß man bei der übereilten Rettung des Hausrates einen Schrank in das Freie beförderte, den der Hausbesitzer seiner zeit bei der Auflösung des Haushaltes mei ner verstorbenen Großmutter zu Engelstadt um ein Billiges ersteigert hatte. Ta bei dem allzu gewaltsamen Transport sich einige Fu­gen gelöst hatten, entdeckte man eine seit­her unbekannte Geheimschublade und darin einen Schatz von dreißig harten Talern. Immerhin ein kleiner Trost für den M- gebrannten!

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lieber dem Hause zum Ochsen befand sich ein steinernes Geschäftsschild. Es ivar ein nicht übel modelliertes Reliesbild eines Rin- ' derkopses und darüber zwei Beile und an-