Ausgabe 
30.12.1917
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frere @mblemie des MetzFergewerbes. Nun 'hat man es ohne Grund beseitigt, und das zeigt wieder, wie wenig man zu schätzen weiß, was uns von den Vätern überkommen ist. Früher ist ja die Obrigkeit selbst mit üblem Beispiel vorangegangen. Ich erinnere mir an den gerade kindischen Eigensinn, mit dem einst der Erbauer der Landstraße Sprend­lingen Kreuznach trotz allseitigen Protestes diese durchaus über die Stelle führte, wo die Tanksäule stand, welche einst Graf Jo­hann von Sponheim dort hatte aufrichiteir lassen, wo einst Michel Mort, der tapfere Führer der Kreuznacher Metzgerznnst, in der blutigen Schlacht bei Sprendlingen sein Le den geopfert hatte, um seinen Kriegsherm von Tod und Gefangenschaft zu erretten. Ferner auch an die leichtfertige Art, mit der man allen mündlichen und gedruckten Ein­wendungen zum Trotz die Straße Wöll­stein-Wörrstadt durchaus nur unter Zer­störung der wunderbaren Ulmengruppe, der uralten Gerichtsstätte und Zeugen längstver­gangener Zeit, an letzteren Ort in die Pa­riser Straße hat einführen wollen. Hat doch einst selbst der Kaiser Napoleon eingewilligt, daß man seine Heerstraße von Paris nach Mainz in weiten Bogen um den l)errlichen Kirchl-eimbolander Schloßpark herumführte, der dann später doch moderner Spekulation

zum Opfer gefallen ist.

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Anfangs der 30er Jahre hat die hessi­sche Regierung tatkräftig das rheinhessische Straßennetz ausgebaut. Vorl)er war der Transport der nach Mainz verkauften Weine auf schlechten, zum Teil steilen Feldwegen sehr beschwerlich und wurde meist von einer Art zünftiger Fuhrleute besorgt. Mein Va­ter erzählte mir, wie er als junger Student einmal sich wegen Transport seines Reise­gepäckes einer solchen Fuhre angeschlossen habe. Unterwegs machten die Fuhrleute halt. Mit allerhcurd Werkzeugen schlugen sie einen Faßreifen zurück, bolwten mit einenr Nagelbohrer das Faß an und schafften sich so einen frisckmr Trunk, wozu sie auch ihren jungen Begleiter einluden, der natürlich die Teilnahme ablelmte. Mit einem spitzen Hölz- chen wurde dann das Bohrlöchlein wieder ge­schlossen und durch Vortreiben des Reifes die Spuren der Freveltat verwischt. In Mainz pflegten die Fuhrleute dann den Wagen so zu fahren, daß die Räder auf einer Seite etwas tiefer zu stehen kamen, dann zeigte sich das Faß beim Oeffnen noch als gefüllt. In der fröhlichen Zeit der hessischen Lud-- wigsbahn soll dieses Kunststückchen auch noch manchmal geübt worden sein.

vom Reisen in früherer Zeit.

In diesem vierten Kriegswinter gehört das Reisen nickst zu den Annehmlichkeiten des Lebens, auch ist die Reisemoglichkeit gegen früher sehr eingesckrränkt, vor 75 Jah-

rat aber, als Gießen uoch nickst von einer Eisenbahn berührt wurde, mußte inan schon eifrig nach einer Reisegelegenheit suchen, wenn man die Stadt verlassen wollte. 2lnßer dem von der preußischen und l-essisck>en Post­verwaltung eingerichteten Verkehr mit den. Reisetwstwagen gab es Privatunternehmer, die das reisende Publikum hin und l>er beför derteu. Eine dieser Unternehmen ließ zur Zeit der Frankfurter Oslermeise sogenannteFa- miliennmgen" zweimal in der Woche nach Frankfurt gel-en imb berechnete für den Platz 1 fl. 30 kr. FuhrunternelMrer Wagner machte es billiger, er berechnete nur 1 fl. 24 kr., Ab­fahrtstation ivar für ihn das Gasthaus zum Einhorn, und in Frankfurt hielt er an der- Reichs kröne. Sehr rührig scheint der Fuhr­unternehmer Appel gewesen zu sein, der re­gelmäßige Fahrten zwischen Gießen und Friedberg veranstaltete. Als An und Ah fahrtsorte nannte er Gießen im Rappen, Langgöns bei Herrn Fresenius, Butzbach im Hessischm Hof, Friedberg iu den drei Schwer tern. Nach Butzbach kostete die Fahrt 26 kr., nach Friedberg 45 kr. Appel scheint, was wohl kaum von allen Fuhrleuten gilt, poetisch veranlagt gewesen zu sein, denn einer: täg­lich nach Friedberg gebenden Wage: nannte er das silberne Roß". Trotzdem gab es Men­schen, die diesen Mann ärgerten: deun 1840 gibt er imAnzeigeblatt der Stadt Gießeu" bekannt:Zu den an meinem Wagen ver übten groben Gemeinlieiten gehört auch das Gerücht, daß die mit meinen Wagen seitlrer nach Friedberg gefahrenen Personen wegen des Weitertransportes von da in Verlegen­heit gekommen seien. Tiefes ist nichts als eine von einem Müßiggänger erfundene Lüge." F'.rhr imternehmer Hesse aus Mar­burg beförderte Passagiere für 45 Kr. nach Gießen. Nachts 12 Uhr fuhr er in Marburg ab und um 4 Uhr hier an. In umgekehrter Richtung fubr er abends von 8 bis 11 Uhr. Wilhelm Mühl fuhr jeden .Morgen 6 Uhr von hier nach Friedberg für 40 Kr., jeder Reisende batte 60 Pfrmd Gepäck frei, und in schmutziger Witterung holte Rühl Reisende mit einer Ehaise nnentUltlich an ihrer Woh­nung ab, sein Wagen giirg am Einhorn ab Es scheint unter diesen Unternehmern ziem- liche Konkurrenz bestanden zu haben. An Pfingsten aingell besondere Wagen nach Ossenheim, Bad Salzhausen und der Baden­burg. Tie Gießener Gasthäuser, in denen die Fremdm abstiegen, warm Einhorn, Rap­pen, Prinz Karl, Russischer Hof, Adler, Tarmstädter Haus und Stern.

3u», Jahreswechsel.

Behalte mich in deiner Pflege,

An deiner .Hand,

Und führ' mich deine Wunderwege

Ins Vaterland.

Ich l?abe dir nichts vor zu schreiben.

Ich halte still: