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jFonntagsgruß
/ GemeindeblaN für die evangelische Airchengemeinde Gießen
Vlr.52 Gießen, Sonntag nach IVeihnachcen, den Z0. Dezember 7 6-Jahrg.
Aus-er Grenzbrücke zweier Jahre.
Psalm 68, 20 u. 21. Gelobet sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last aus, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hißt und den. Herrn Herrn, der vorn Tode errettet.
„Ans der Bidassoabrücke brechen alte Wunden ans!" So schließt jenes ergreifende Lied des deutschen Lichters vorr denr spanischen Freiheitstämp> er, der, nach verlorener Schlacht aus der Heimat flüchtend, auf der Grenzbrücke :wch einmal in seilt geliebtes Vaterland hinein rückwärts schaut, und Erinnerung und Heinuveh werden so übermäch^- tig, daß die Narben auf seiner Brust von neuem zu bluten beginnen.
Auch auf der Silvesterbrücke bcecheir alte Wunden auf. Begrabene Liebe, eingcsargtes Glück, gestorbene Ho,snungen — zerrissene Herzen, weinende Augen, getragene Lasten, bittere Nöte, bange Sorgelt — Einzelgräber und Massengräber, in denen Hunderttausende deutscher Freü-eitshelre:: schlafen - - o wer mag Idie Narben alle nennen und zählen, von denen Millionen Menschenherzen auf deutscher Erde bedeckt sind? Und sie brechen immer wieder auf. Tie Zeit ist eine schlechte Heilkünstlerin. Sie hat keinen Wundertrauk des Bergessens. Wer, ob auch alte Wunden aufbrechen, wenn um die Wende zweier Jahre die Mitternachtsglocken im tobenden Wettersturm der Zeit wieder läuten — wir wollen und dürfen im Rückwärtsschauen uns nicht zu Tode bluten. Wir haben einen Gott, der da Hilst und der da heilt, der da tröstet und der da rettet! Und im Aufblick zu ihn:, dem „Alten vom Berge", schreiten wir festen Fußes über die Grenzbrücke zweier Jahre. Er gest mit! Und diese Gewißheit gibt uns die völlige „reale Garantie" für Kraft und Trost, für Licht und Leben, für Heil und Sieg. Nicht rückwärts nur — aufwärts und vorwärts muß unser Blick gehen! Mehr denn je gilt heute für uns und unser Volk das tiefe Silvester gebet der frommen deutschen Fürstin:
„Wird uns durch Grabeshügel Der klare Blick verbaut. «
Herr, gib der Seele Flügel,
Daß sie hinüberschaut!"
Schon steigt im Morgengrauen des vierten Kriegsneujahrs der Purpurschimmer endlichen Sieges und endlichen Friedens auf. Nicht u in sonst mar alles Bluten und Meiner:, alles Dulden und Tragen, das ganze
heilig harte Muß el>erner Pflicht in großer schwerer Zeit. Aus der blutroten und tränen-- schwarzen Völkerdämmerung hebt sich ein neuer deutscher Tag der Weltgeschichte heraus. Aus der Tränensaat fängt die Freudenernte an zu sprießen und zu keimen. Das Neue, das der heilige Gott im Wettersturm der Zeiten gepflügt, wächst auf! Daß wir nur groß genug, stark genug, reif genug, rein genug werden — -ein großes Geschlecht, wert und würdig einer große:: Zeit! Was sind gegenüber diesen: Großen und Gewal- ttgen an der neuen zukunstsschweren Wende der Weltgeschichte, die wir erleben dürfen, alle die vielen kleinen u:rd großen Nöte, Gtt- bel-rungen, Entsagungen, die wir tragen müsse::? Ter uns in die Nöte hineingetra- gen, wird uns durch die Nöte auch hindurch-- tragen — der große Gott, der nicht ein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebendigen ist. Das Eisen bricht die Not in seinem Name:: und in seiner Kraft.
Eins nur ist Not. Als Columbus einst seinen Fuß auf das neue Land setzte, das er gesunder, da war das erste, was er tat, daß er ein Kreuz in den Boden pflanzte. So wolle:: auch wir es machen. Auf dem unbekannten Land des neuen Jähres richten wir das Zeichen der gekreuzigte:: Gottesliebe auf. Wo das Kreuz steht, da wurzelt heilige Kraft, da siegt das Licht, da trium phiert das Leben. JU diesem Zeichen komme:: wir durch in unser::: kleine:: Einzel leben und in dem großen Volksleben. Im Schatten des Kreuzes bricht die Sonne durch — ob auch der Himmel noch so schwarz und schwer in Wetterwolken sich hüllte. So soll denn unsere Neujahrslosung lauten — Feld- geschrei und KanMParole „Hüttmrch!" In heiligem Schweigen rückwärts — in betendem Glaube:: auswärts — in segnender Liebe seitwärts, in siegender Hoffnung vorwärts! Wir kommen durch, wenn jene Inschrift an dem alten Kreuz im Schrnarzwald zur Leuchtschrift unsres Lebens wird:
„Ob auch die Welt in Trümmer geht.
Das Kreuz doch unerschüttert ste^t: /
Und ob mein' Seel' in Tod auch bricht — Herr Jesu Christ, dich laß ich nicht!"
„ f -S. S. ,
Erlnnerilnaei, eme$ a'ten Männer. Von Generalarzt a. T. Dr. Otto Pesser in Darm stabt.
(Schluß.)
Ter Besitzer der Metzgerei zun: Ochsen ivar in meiner Kindl-eit der Metzger Freund.


