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halte mich hierzu nicht für berufen. Nur der Kaiser und seine Truppensührer haben das Recht, zu unseren sieggewolmten Kriegern Worte der Llnerkennung zu sprechen, und wen verdrießt es nicht, wenn in Parlamenten oder in anderen Versammlungen ein Redner nach dem anderen, gewissermaßen von 'hoher Warte, Worte des Tankes an das Heer richtet, als sei es sein und nicht des Kaisers Heer? So viel nur sage ich: wir in der Heimat wissen, was Ihr geleistet habt und noch leistet, wir wissen, daß eine Stunde, die Ihr während des feindlichen Trommelfeuers im Unterstand znbringt, mehr wiegt als drei Jahre Kriegs,ürsorge. Wir denken an Euch zu jeder Zeit. Wir halten keinen Gottesdienst, ohne daß wir Euer in der Predigt gedenken und ohne daß wir beten, daß Gott der Herr Euch wieder gesund nach Hause zurückführe.
Von ganzem Herzen sehnen wir uns darnach, daß Ihr recht bald nach erlangtem Sieg und Frieden in die Heimat zurückkehrt und tatkräftig mithelft, unser Vaterland im Innern neuzugestalten. Ihr seid zu dieser Aufgabe in erster Linie berufen, einer Aufgabe, die unendlich schiver sein wird. Wir werden in Handel und Industrie, im Staatsdienst und in der sozialen Arbeit, in Kirche und Schule von neuem anfan^en müssen, und die besten werden uns dabei fehlen. Einst- iveilen sieht es bei aller .Hingabe unseres Volkes und bei aller Entschlossenheit, cms- zuhalten, nicht erfreulich bei uns aus. Es gibt Leute, die jetzt in wohlgeheizten Versammlungsräumen pathetische Reden über das Thema halten, wie man den Siegeswillen unseres Volkes stärke, zur selben Zeit, da Ihr die Engländer aus dem Vorgelände von Eambrai hinan sioer st, den Franzosen jeden Turckchruchsoersuch verleidet und dadurch wahrlich Euren Siegeswillen bekundet. Ein furchtbares Unheil ist der Kriegs- wucher. In Bayern muß man jetzt ein Gesetz machen, das es denen, die große Kriegsgewinne gemacht haben, verwehrt, allzu viel Boden anzukaufen, damit nicht der bodenständige, fromme, vaterländisch gesinnte Bauernstand beeinträchtigt wird. Neben tiefem Ernst zeigt sich auch viel empörender Leichtsinn. Es gibt noch deutsche Städte — Gießen zählt nicht mehr in ihre Reihe —, in denen man Vergnügungeil zum Besten der Kriegsbeschädigten veranstaltet. Auf Liebhaberbühnen macht man brave Schüler zu schlechten Schauspielern, übt mit Kindern Lieder und Tänze ein, während Ihr in der Winternacht scharfen Auges nach dem Feinde ausspäht !und so mancher Schwerverletzte, der einst auf Wanderungen über Berg und Tal die Füße regte, froh wäre, wenn er nur an seinen Krücken gelxn könnte. Wir können Gott nur bitten, daß er unserem Volke einen anderen Geist gebe. Bon Euch, so hoffen
wir, wird diese Neugeburt ihren Ausgang nehmen. Wir hoffen auch, daß durch Euch unser kirchliches Leben einen neuen Aufschwung nehme. Männer, die so oft dem Tode in das Auge gesehen haben. Jünglinge, die vor Verdun und in Flandern zu Männern herangereift sind, können niemals Gottesleugner werden.
Ich schreibe diesen Brief am Tage nach dem dritter! Adventssonntage. Gestern nachmittag wurde hier bekannt, daß unsere Heeresleitung mit den Russen einen vierwöchentlichen Walfenstillstand abgeschlossen hat. Dieser Waffenstillstand ist der Vorbote des Friedens. Gott gebe, daß wir bald Frieden auf allen Fronten bekommen und daß wir Euch, die Stteiter für Kaiser und Reich, für Vater land und Bolkstunl, in der Heimat als Sie- willkommen heißen können, wenn im hling die Schneedecke, die jetzt das Land bedeckt, geschmolzen ist, und die ersten grünen Spitzen an Baum und Sttauch hervorkom- lnen.
Mit herzlichem Grnße Heinrich Bechtolsheimer.
Pfarrer der Lukasgemeinde.
Meine Mitteilungen.
Wer die hiesige Stadtkirche besucht, hat auch schon das Lutherbild gesehen, das an der Längswand, vom Altäre aus gesehen, links hängt. Dieses Bild stammt aus dem Anfang der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts und ist ein Geschenk des Gesangvereins „Liederkranz". Dieser Verein veranstaltete am 5. Dezember 1841 im Klubsaale ein Konzert, dessen Erlös schon im voraus zur Anschaffung eines wertvollen Lutherbildes bestimmt war. Man ließ eine Subskriptionsliste in der Stadt herumgehen, um möglichst viele Besucher zu gewinnen. In der G. F. Heyerschen Universitätsbuchhandlung wurde die Eintrittskarte — das Billett, .oie man damals sagte — zu 30 kr., an der Kasse zu 36 kr. verkauft. Bei dem Konzerte gingen 340 fl. ein. Nach Abzug von 24 fl. 18 kr. Unkosten wurden 315 fl. 42 kr. bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegt, und der Vorstand des „Liederkranzes" tat unverweilt die notigen Schritte zur Anschaffung des Bildes.
Mrchliche Anzeigen.
4. Advent. 23. Dez. Stadtk. 9-: Pfr. Mahr. — Johannesk. 9 1 /*: Pfarrassistent Reuning.
1. Weihnachtstag. Stadtkirche. 9V 2 : Pfr. Schwabe. 5: Psarrass. Reuning. — Iohan- nesttrche. 9y 2 : Pfr. Ausfeld. 5: Pfr. Bech- tolsheimer.
2. Weihnachtstag. Stadtk. 9Vs: (Abendmahl) Pfr. Mahr. 5: Pfr. Schwabe. — Jo- hannesk. 9y 2 : (Abendmahl) Psr. Bechtols- heimer. 5: (Lit. Gottesdienst) Pfr. Ausfeld.
Verantwortlich : Plärrer vechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühllchen Untoersitäts-Duch- und Steindruckerei
R. Lange. Lieben.


