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Genamtter Vogt, ein guter, liebenswürdiger Mann, gebürtig aus Gernsbach in Baden, war ursprünglich als Student der Medizin in Straßburg durch die Wirren der Zeit aus seinem Lebensweg heraus gedrängt worden und wohl dadurch in unsere Gegend gelangt, weil das nahe Sprendlingen mit St. Johann seit 1707 bis zur staatlichen Umwälzung am Ende des 18. Jal^rhunderts unter dem Zepter des Markgrafen von Baden stand. Seine kriegerischen Taten ats Hauptmann der Zivilgarde zu Mainz besang -ein Jugenheimer Landsmann in einem Gedicht, das begann:
Marsch, vorwärts schrie der Bogt,
T-en Degen in der Hand,
So stolz, als trüge er.
Das große Ordensband.
Des weiteren wurde berichtet, wie er eines Tages die Hauptwache bezogen und, dort angekomMen, nur den Tambour hinter sich erblickt habe, iveil die anderen alle unterwegs ausgekniffen waren. Diese mußten durch die Polizei aus den Wirtshäusern und sonst woher wieder zu ihrer P flickst herangeholt werden.
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Auch des langjährigen Bürgermeisters Maul, der allgemein der Hirsch,virt genannt wurde, kann ich mich noch erinnern. Seine Tochter, die manch oral in unser Haus kam, hieß Hirschwirts Luwis. Maul war ein leidenschaftlicher Schnupfer, führte aber aus Sparsamkeit keine eigene Dose, sondern wußte, oft mit drolligen Praktiken, anderer Leute Tosen seiner Leidenschaft dienstbar zu machen. Wenn mein Vater wegen Bedarfs des Haushalts nach Mainz fuhr, pflegte er jedem von u'.'.s Kindern einen mürben Kren- zerweck mitzubringen, außerdem in einer grauen Tüte ein ivenig Schnupftabak, den er in eine alte Perlmutterdose auf seinem Schreibtisch ansleerte. Dann fühlte allemal am Tage nachher der Nachbar das dringende Bedürfnis, sich bei dem Pfarrer allerlei Be- lel^rung zu holen. Jü meines Vaters Studierstube auf- und abwandelnd, griff Maul immer wieder nach der Dose, und wenn in kurzem der Vorrat ausgeschnupft war, klaubte -er noch mit den Nägeln nach einzelnen Körnchen in den Winkeln, um sie seiner Nase zuzufübren. Ten alten Lehrer Seebrich, der den Riesenbedarf für seine Nase, mit allerlei Surrogaten angelängt, in dickbäuchigen Flaschen aufstapelte, klopfte er ans Fenster, um sich mit ihm über ein Langes und Breites zu unterhalten, während er fleißig in dessen Dose griff. +
Ter Name Maul spielt noch ein anderes Mal in die Geschichte meiner Familie. Als mein Vater als neuernannter Pfarrer 18.30 in der Kirche zu Jugenheim feierlich in sein Amt -eingeführt wurde (das geschah etwa zwei Monate, bevor ich zur Welt kam), da war meine Mutter allein zu Hause geblieben, um
das Festmahl für die zahlreichen Gäste zu bereiten. Ta brachte man i\yc die Schreckensnachricht, droben in der Mühle meines Onkels sei ifa Sohn, mein ältester Bruder, der ohne Aufsicht dort spielte, von der Scheuer gefallen, als er Futter für das Schäfchen l-olen wollte, und liege wie tot da. Alles liegen lassend, rannte sie dahin, um nach dem Unglückswurm zu sehen, der übrigens mit einer Beule am Kopfe davongekommen war. Bei ihrer Heimkehr harrte ihr aber nocb eine größere Ueberraschung, indem der Braten, das Hauptstück des Festessens, vom Herd verschwunden war. Erst viel später sickerte die Wahrheit durch, daß bei den offeil gebliebenen Türen der Jagdhund des Schult- l-eißen Maul, der ein ebenso eifriger Kirchenvorsteher wie Jäger war. die Gelegenheit zu einen! Einbruch benutzt hatte. Tie, welche ihm dann seine Beute abjagten, mögen wohl gedacht haben, daß diese sich zum Festbraten nicht mehr eigne._(Schluß folgt.)
Offener Brief an die im Zelde stehenden Glieder der tutargemeinde.
Diese Nummer unseres Gemeindeblattes geht mit der folgenden hinaus in das Kampfgebiet an Euch, die iin Felde stehenden Glieder der Lukasgemeinde, und so sei es mir, dem Pfarrer der Gemeinde, gestattet, an Euch im Namen der Gemeinde einige Worte zu richten. Eine kleine Gabe wird unserer Sendung beigefügt sein. An der Beschaffung dieser Liebesgabe haben verschiedene Gemeinde- oraane mitgewirkt. Kirchen vorst and und Gemeindevertretung taben bereitwilligst ihre Zusttmmung zu diesem Unternehmen gegeben. Der Franenverein Hit unter der Leitung feiner Vorsitzenden, der Frau Professor Zöppritz, die mit ihrer Umsicht, inehr noch mit il-rem .Herzen an der Sache beteiligt ist, die ganze Arbeit in die Hand genommen. Einige der Frauen haben, unterstützt von jungen Mädchen, bei den Gemeindegliedern das erforderliche Geld gesammelt, und die Konfirmanden, Knaben wie Mädchen, haben sich ohne Ausnahme daran beteiligt, die Adressen einzusammeln.
Es ist nicht das erstemal, daß ich mit Euch während dieses Krieges in Beziehung trete. Bin ich doch !mit den meisten von Euch eng verbunden. Sehr viele unter unseren jungen Kaieger habe ich konfirmiert. Diese, meine früheren Konfirmanden, haben mir oft aus dem Felde geschrieben. Nicht immer konnte ich jedem einzelnen antworten, da die Arbeit von Tag zu Tag so sehr drängt. Viele von Euch habe ich getraut. In vielen Fällen lmbe ich bei der Taufe von Kindern oder bei herben Verlusten an Freud und Leid derer, die jetzt für uns kämpfen, Anteil genommen.
Ich könnte an dieser Stelle Euch l)erz- lichen Dank dafür sagen, daß Ihr mit starker Hand seit Jahr und Tag das Vaterland verteidigt und uns beschützt habt, aber ich


