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es schon manchem Reiseschriftsteller gegangen ist, er hat einen in vielen Punkten 'unge­nauen Bericht gegeben. So gibt es unseres Wissens in Marburg nwhl eine Straße, dieKetzerbach" heißt, aber keine Ketzerstraße". Daß der gelehrte Theologe das Marburger Religionsgespräch in das Jahr 1528 setzt, während es erst 1529 ge­halten wurde, ist einigermaßen verwunder­lich und bestätigt unsere Annahme, daß das Buch im Eiltenrpo ab gefaßt worden ist. In­teressant ist die Bemerkung, daß Gießen da­mals -einem alten Bilde in goldener Ein­fassung zu vergleichen war. 'Gewiß waren die Hintergasse, Zozelsgasse und Sandgasse damals auch keine glanzenden Straßenzüge, lieber Crome und seine undeutsche Gesin­nung haben wir in Nr. 44 des Jahrgangs 1913 unseres Gemeindeblattes ausführlich berichtet. Offenbar irrt sich Rhesa auch, wenn er von einem Gießener Pfarrer Wolf spricht. Einen solchen hat es 1814 hier nicht gegeben, vermutlich ist Pfarrer Buff, der da­mals neben Tieffenbach hier amtierte, ge­meint. H. B.

Line gefährliche Macht.

Das Kino ist in unserer- Zeit zu einer Riesenmacht angewachsen. Das beweisen fol­gende Angaben eines Fachmannes, Artur Nothnagel, genannt Mellini, diedie Re- formatton" wiedergibt. Danach gab es vor dem Kriege 2900 Kinotheater in Deutschland, auf jedes Theater werden täglich 480 Be­sucher gerechnet, so daß also täglich 1 392 000 Personen in Deutschland ein Kino besuchen. In Berlin allein, das zirka 350 Lichtspiel­theater zählt, wird ein Film, ein besonderer Schlager, von dem 85 Abzüge gemacht wer­den, die in 30 Programmen Aufnahme fin­den, von etiva 6 582 000 Menschen gesehen. Manche ganz besonderenSchlager des Jahrhunderts" haben es sogar auf 13 Mil­lionen Beschauer gebracht. Welch eine un­geheure Macht hat das Kino über die ganze Oeffentlichkeit, über unser deutsches Volk! Und wie gebrauchen die Lichtspieltheater diese Macht? Darüber gibt uns ein Aufsatz in der freireligiösen ZeitschriftDas freie Wort" gewiß ein unparteiisches Zeug­nis neues wertvolles Material. Ter Ver­fasser berichtet aus seiner eigener! Erfahrung:

Ich sahSittenschlager", die nichts an­deres waren, als eine lange Kette von unge­heuren Perversitäten. Ich habe in den Kinos Lektionen von Verbrecherkunststücken bekommen, so gründlich, daß ich nur nötig gehabt hätte, mir die vorgeführten Wierk- zeuge zu verschaffen, um ein glänzendes Era- men vor ausgemachten Gaunern zu beste­hen . . . Mit erwachendem Männerverstand wurde mir klar, welche Lawinen von Tor­heiten, von Mbernheiten ich über mich hatte ergehen lassen, rvieviel Milliarden von

Schmutzpartikelchen an meiner Seele in Reinkultur gewuchert hatten, und welchen Strömen von Giftlaugen ich glücklich ent­ronnen war."

Ich habe es nie begreifen können, daß in unserem kultivierten Lande ein Schmutz­film nach dem andern entsteht. Jahr um Jahr, ohne daß unser Volkswohl rapide dem Untergang enlgegenginge. Gut, daß wir so viel aushalten; aber: wie lange noch?"

Ja, wie lange noch wird unser Volk sich gegen das täglich in Strömen aus den Kinos in seine Seele strömende Gift wehren kön­nen? Diese Frage muß uns immer brennen­der werden und darf uns nicht mehr los­lassen. Jeder einzelne muß hier mithelfen. Durch behördliche Maßnahmen allein ist nichts getan. Das einzige Radikalmittel wäre ein allgemeiner Protest des Publikums gegen die Vorführung von derartigem Schmutz und Schund. Der Rat desFreien Wortes", mit dem wir hier einmal völlig zusammenstimmen, ist richtig:Nehmt euch vor, keinen einzigen Schmutzfilm entrollen zu lassen, ohne energischPfui!" undAuf- i hören!" zu rufen . . . Schuldig ist der, der nicht den Besen in die Hand nimmt und aus- kehrt, gründlich, schonungslos, wütend?"

Mrchliche Anzeigen.

Sonntagden 16. Dezember.

3. Advent.

In der Ztadtkirche. Vormittags d 1 /* Uhr: Professor D. Schian. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst (Feier des heiligen Abendmahls). Pfarrer Schwabe. Nach­mittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Mar­kusgemeinde: Pfarrer Schwabe. Abends 5 Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heili­ges Abendmahl für die Matthäus gemeinde, wozu besonders die konfirinierte Jugend ein- geladen wird. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.

In der Iohannerkirche. Vormittags 9 Hs Ulw: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes gemeinde. Pfarrer Ausfeld. Nachmittags 37 4 Ufr: Weihnachtsfeier der Kleinkinderbewahr­anstalt. Pfarrer Schwabe. Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukasgemeinde, wozu be­sonders die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldungen werden vorher bei den! Pfarrer der Gemeinde erbeten. Abends 8 Uhr: Missionslichtbilderoortrag in der Jo­hanneskirche. Abends V 2 8 Uhr: Vereini­gung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukas gemeinde. Freitag den 21. De­zember, abends Vs6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Jo- lxmnes gemeinde.

Derantworllich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Versag der Brühllchen UnlversltLt».Duch. und Steinfcrudicro

R. Lange. Dieben.