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EinwolMr, sie liegt in einem halben Kranze an einem steilen Berge, auf dessen Gipfel das Schloß oder die alte Residenz der Landgrafen majestätisch prangt. Tie Natur hat die umliegenden Berge mit imenoucher Anmut geschmückt: ein weites Thal ero.fnet sich nach Süden und Norden, durch, welches die Lahn sich malerisch schlängelt. Die Elifabeth- kirche mit den Gräbern fürstlicher Personen ist ein prachtvolles Wert der gothrschen Baukunst. Den silbernen Sarg der heiligen Elisabethhat der König Hiecommus nach Gaffet transportieren lassen, um sich der Edelsteine zu bemächtigen, mit welchen er ausgezieret war Tas Volk ist über diesen Krrchenraub bis zur Wuth aufgebracht. Tie Kirche ist em Simultaneum von protestantischen und m- tholischenl Gottesdienst. Ter durch seine Mbelübersetzung bekannte Pvo.essor van Eh predigt darin. Da die bekannte Eli>a Burger hier ein Declamatorium gab, fv wohnte ich eines Abends der Versammlung bei. Sie sprach nur da gut, wo sie sich selbst vergaß und von ihrer Ziererei nachUeß. Das Gedicht Seiten;e gelang ihr besonders gut. Sie -wußte so geschickt vom Stuhle zu fallen, daß sie nicht nur keinen Schaden nahm, sondern noch eine vorteilhafte Stelliing gewann. Schade nur, daß keiner der anwesenden Herren hinzusprang (was sie wohl beabsichtigt haben mochte) ihr aufzuhelfen, sondern ein Paar alte Matronen ihr diesen Dienst leisteten. Sie versprach pantomimische Darstellungen ä la Mad. Schütz für den anderen Tag zu geben, und erbat sich (welche Zart^it!) einen zahlreichen Besuch. Uebrigens ist Mar- burg durch das Gespräch zwischen Luther und Zwingli im Jahre 1528 berühmt uitb durch fn'tTiwt Ketzln'-Jn.'.-iisit Eonrad von Marburg, der eine' Stunde von hier erschlagen wurde. Eine Straße Marburgs heißt noch die Ketzerstraße, und em Wasser der
Ketzerbach-. ., . ^ f
Am 6ten Januar -war ich in Gießen, welches nur drei Meilen von Marburg entfernt ist Ter Weg an den Usern der Lahn ist sehr abwechselnd und unterhalten). L-ie Stadt liegt in einer flachen Ebene, entealt 10 bis 11 OOO Einwohner und einige schöne Wohnhäuser. Rings um die Stadt wo die Festungswälle -abgetragen sind, zielen sich anmuthige Spaziergänge und prachtvolle Häuser, im Innern der Stadt tst aber alles altmodisch, schief und krumm gebaut, gleichend einem olden Bilde mit goldener Einfassung. Tie Universität ist in vielen Stucken ein Antipode von Marburg. Tort war der Patriotismus Feuer und Flamme, Wer herrscht Lauigkeit und Kälte, wie denn überhaupt Hessen-Darmstadt durch Anhänglichkeit >an Frankreich sich ausgezeichnet bat. Em Professor, Namens Crome, hat sogar eine Schmähschrift auf die Verbündeten geschrie- ben, dagegen ist der patriotische Aufruf Wählers laus Marburg wie eine Prophetenstimme voll Geist und Leben. Dort begnügen sich die akademischen Lehrer mit dem bescheidenen
Titel Professor, lster aber prangen sie als Geheime Räthe, Ritter und Kommandeurs der Ritterorden. Abends war ich aus einem Stzmposio, wo die Professoren zu geistigen Gesprächen und zum Wein sich täglich versammeln. Die Gel-eimen Räthe Schmidt, Grolmann, die Professoren Tieffenbach, Künöl, Pfaunkuche, Buchhändler Hetzer, Pfarrer Wolf u. a. lernte ich hier keimen. Besonders.freute es mich sehr, einen Freund und wackeren Vertheidiger unseres ehrwürdigen Kant, hier anzutreffen, den Professor Snelt. Nach einer philosophischen Unterhaltung patte ich schon lange getrachtet, und ich genoß sie diesen Abend auf eine stärkende Weise in der Gesellschaft dieses schätzbaren Philosophen. . . ., , .
Am folgenden Morgen fuhr ich nach Wetzlar, lvo das Neichskammergericht seinen Sitz hatte, -als das heilige Römische Reich noch aus Füßen stand. Seit Auslobung dieses Schöppenstuhls sind gegen 600 Offizianten (Beamten) von hier fortgezogen, wodurch die Stadt viel verloren hat. Man sieht die ehemalige Wohlhabenheit an der Pracht der Häuser. Alles hat hier ein vornehmes Gesicht. Das Straßeupslaster sogar ist von Marmor. Bei der hüesigen Simultankirche iir es eme einzige Erscheinung, daß der katholische Dechant den lutherischen Pfarrer zu wählen und zu inlroduzieren lyat. Tie protestantischen Prediger sind zugleich Lehrer am Gtzmnasio, um welches der Consistorial-Rath und Pfarrer Follenius hieselbft große Verdienste hat. Ter Fürstprimas, zu de, sen Gebiete die Stadt Wetzlar gehörte, hat die Schulen neu organisieren lassen, aber nach französischem Zuschnitt. Ter Neligionsunterrrcht ist bei den Gymnasien gar nicht berücksichtigt sondern dagegen eine Moralstunde festgesetzt. Welche nachtheilige Folgen diese Verbannung der Religion aus den Schulen äußert, kann
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folgendes Beispiel beweisen. Ter Solsti des Pfarrers Textor aus Romrod, em zwolf- jäl-riger Knabe, kam von dem Fraiitsurter Gtzmnasio nach Hause. Ter Vater wollte natürlich wissen, was sein Solm gelernt hatte, und befragte ihn auch unter anderem über das Christentum. Hier wußte der sich weife dünkende Gymnasiast zu erzählen, daß Christus nicht wirklich gestorben sondern nur m Ohnmacht gefallen setz, daß die Auferstehung Erdichtung wäre n. der gl. Mit Erstaunen hörte der Vater diese Weisheit seines Sohnes an und fragte, wer ihn so etwas gelehrt habe. Unser Lehrer Röntgen, erwiderte er, hat uns das erzählt. Das heißt doch frühe den Samen des Zweifels in junge Seelen streuen und alle Stützen der Religion fürs ganze Leben untergraben. Sonst hätte der lunge Textor auch noch exerciren und Komodien- rollen -auswendig lernen müssen — ,
Soweit der Königsberger Geistliche. Seme Auszeichnungen tref.en nicht m allen Punkten das Nichtige. Augenscheinlich hat er seine Beobachtungen doch allzusehr im Fluge gemacht, und es ist ihm dabei gegangen, wie


