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Wie alles in der Welt sich ctnma.1 über­lebt, iüic die Feier des Schlachttages von Leipzig im Laufe der Zeit in Bergessenl)ieit> geraten. ist, so ist auch das Sedanfest all­mählich abgekommen. In den 80er Jahren ist «es noch gefeiert worden, dann hat die Bevölkerung, die gerade in dieser Zeit be­deutende landwirtschaftliche Arbeiten zu ver­richten bat, sich au der Feier nicht mehr be­teiligt, nii.it aus mangelndem patriotischen Eifer, sondern melur aus Gleichgültigkeit, hoffentlich kommen wir bald in die Lage, das Sieges- und Friedensfest dieses noch walkenden Krieges zu feiern.

Wenn die Leute in den langen Winter- nächten zusammen waren, so erzählten die Alten, und zwar zumeist von dem, was sie von ihren Vorfahren gehört hatten. Ta hieß es: mein Großvater hat erzählt, oder: mein Vetter Georg hat gesagt. Unter dem Vetter verstand man durchweg den Onkel. In mei­ner Heimat gab es fast in jedem Hause einen Onkel, der ledig geblieben war und mit sei­nem Bruder und dessen Familienangehörigen friedlich zusammenlebte. In der ganzen Ge­gend, anscheinend seit alter Zeit, findet es sich, daß Brüder auf diese Weise zusammen­hausen. Vermutlich hat ursprünglich der Grund mitgewirkt und wirkt auch heute noch mit, daß man das Familiengut nicht allzu­sehr zerstückeln wollte. Ein lediger Onkel war rm Hause sehr angesehen, nicht allein des­halb, weil er Erbonkel war. Starb der Bru- frer schon vor ihm, so sorgte er nach besten Kräften für dessen Kinder und erzog sie, als ob sie die eigenen Kinder wären. Diese Le­digen waren vielfach die Träger der Fami­lientradition und wußten mancherlei aus alten Tagen zu berichten. Viel wurde an langen Winterabenden von dem Räuber Schinderhannes erzählt, der um das Jahr 1800 sein Wesen getrieben hatte. Man rühmte seinen Edelmut und berichtete, er habe nur den Reichen das (Held abgenommen, den Armen dagegen geholfen. In Wahrheit war der Johannes Bückler so hieß der gefährliche Räuber ein feiger und grau­samer Geselle. Er liebte es allerdings, zu­weilen den Edelmütigen zu spielen. Man erzählte, er sei mitunter in irgendeiner- Ver­kleidung in die Torswirtshäuser eingekehrt urid habe da gefragt, rvas man wohl vom Schinderl-annes halte und was er für neue Streiche geliefert hxlbe. Tie Lerite, die den Fragenden trotz seiner Verkleidung kannten, sagten dann, der Räuber sei gar nicht so schlimm, man könne ganz gut mit ilM zu­rechtkommen, was den Hannes freute. Ein­mal soll er in meinem Heimatdorfe an der Kirmes teilgenommen haben. Ein andermal raubte er einem Einwohner aus dem Torfe die Pferde: deren £mte hatte er, damit das Klappern nicht zum Verräter werden sollte, mit Lumpen umwickelt. Llber der Eigen­tümer wurde doch wach, sprang ans oem Bette und jagte mit dem geladenen Gewehre in der Hand dem Räuber seine Beute ab.

Ein vor einigen Jahren verstorbener Maun erzül^rc mir, sein Urgroßvater habe den Pfarrer des Ortes öfter Sonntags nach sei ner Filialgemeinde gefallen. Ta sei alle­male an einer ganz bestimmten Stelle der Schinderhannes am Wagenschlage erschienen, habe den in der 'Kutsche Sitzenden höflich gegrüßt und ihm die Schnupftabaksdose au geboten, die der Pfarrer, um den nicht hann­losen Spender nicht zu verdrießen, natürlich nicht ausschlug.. Für die, die das nicht wissen, sei bemerkt, daß der Räuber seinen Namen daher halte, daß er als Knabe bei einem Schinder so hieß mau danials die Wasen meister - in der Lehre war.

Geschichtliche Tatsachen haben die Torf bewohner im allgemeinen wenig in der Er inuerung behalten. Was sie erzählten, daL bezog sich meist auf Familienercignisse, Ver­äußerung von Häusern nird Äeckern, auf Auswanderung und Zuwanderung von Torf genossen. Einen breiten Raum nahmen hier die Gespenstergeschichten ein. Da gab es manchen Fleck im Torfe und vor dem Torfe, an dem es nicht geheuer war. Von Männern wurde erzählt, die ohne Kopf gehen, von Kni­stern, die auftaucheu und verschwinden, von Frauen, die hexen konnten. Einmal war in meiner Heimat, allerdings lange vor meiner Geburt, das Gerücht verbreitet, an einer be sttnwtten Stelle der Gemarkung sei eine Glocke vergraben. Ta zogen denn die jungen Burschen nach Feierabend mit Karst und Schippe hinaus üud gruben nach, ohne etwas zu finden. Vermutlich hat man in alter Zeit, vielleicht in der Zeit des TreißigjiMigen .Krieges, einmal eine Glocke vor plündernden Feinden retten wollen und sie vergraben. Ter Nachhall dieses Ereignisses ist dann aus die späten Enkel gekommen. An ganz alte Zeit erinnert eine Flurbezeichnung meiner Heimat. Eine Flur trägt nämlich den Na­menGutleuthäuschen". Tie Gutleuthäu- ser waren im Mittelalter die Spitäler, in denen Pestkranke und Aussätzige Aufnahme fcmden. Sie lagen naturgemäß weit draußen vor den menschlichen Ansiedlungen. Vernrnt- lich stand au dem Orte, der den erwähnten Namen trägt, ein Haus, das dem gedachten Zwecke diente. Tie Gutlentstraße in Franko furt a. M. verdau tt ihren Namen wohl eineni ähnlichen Umstande.

Alte Sitten und Gebräuche sind in mei­ner Heimat gerade nicht zahlreich zu finden. In meiner Kindheit herrschte der Brauch, wenn ein Einheimischer von außen her seine Braut zur Hochzeit holte, daß die Knaben vor dem Wagen ein Seil ausgespannt hiel­ten. Ta mußte der Bräutigam den Buben einige Geldniüuzen zuwerfen, worauf das SeU zurückgezogen wurde und die Fahrt fortgesetzt werden konnte. Wenn das Braut­paar zum Standesamt und dann zur Kirche ging, so schossen Freunde und Nachbarn, die sich auf dem Wege verteilt halten, mit Pisto­len und Gewehren, um das junge Paar zu ehren. Es war gut, daß es in dem Torfe