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Sicherlich ist das eine sehr unvollkom- mene Poesie, steife Verse, wenig Schwung der Auffassung. Dennoch wirkt dieser Nachruf ergreifend wegen des Gefühles, das sich in ihm ausspricht. Ans echt kameradsckiaft- licher Gesinnung heraus haben die überlebenden Krieger, von denen jetzt noch einige auf Erden weilen, dieses Denkmal der Treue dem toten Kameraden gesetzt.
(Fortsetzung folgt.)
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Noch einmal das Resormalionrseft der Jahres \ü\7.
In unserem Gemeindeblatte haben mir vor einigen Wochen die Aufzeichnungen veröffentlicht, die der Giestener Bürger Jiohcmn Heinrich Sclmfstädt über das hier gefeierte Reformationsfest des Jahres 1817 hinterlassen hat. Daraus ging hervor, daß man vor 100 Jalwen — Man lebte damals in friedlicher, glücklicher Zeit — sich alle Mühe gegeben hat, in unserer Stadt das Fest würdig und sinnreich Au feiern. Das) das auch -an anderen Orten geschehen ist, ist bekannt:. Daß «aber die Art, mre man damals feierte, im wesentlichen in Deutschland die gleiche war, geht aus Mitteilungen aus anderen Städten hervor. Ganz besonders weihevoll hat man das Fest in der Lutherstadt Eisenach gefeiert. Das bezeugt eine Aufzeichnung des I). theol. Johann August Rebe, weiland Generalsuperinteudent zu Eisenach (1775 bis 1854), die mir im nachstehenden wiedergeben. Rebe schreibt von der Feier des 31. Oktober:
Früh um sechs flhr kündigte das volle, harmonische Geläut aller Glocken den beginnenden ersten Tag der Jubelfeier an. Das ganze Singechor war auf dem Markt versammelt. Als das Geläut verhalletc, trug das Chor einige der herrlichsten Lob- und Kirchenlieder Luthers unter einstimmender Begleitung der Blaseinstrumente vor.
Um halb neun Uhr wurde, wie gewöhnlich, zum erstenmal zur Kirche geläutet. Die sämtlichen Kirchen der Stadt und des Landes waren festlich, besonders mit Laubgewindenj und Inschriften, auch oft mit Luthers Bild- niß oder Büste geziert. An vielen Orten hatte man Ehrenpforten und Laubgänge vor dem Eingänge der Kirchen aufgestellt. — 1 lieber dem Portal unsrer Haupt-Stadtkirche zu St. Georgen mar eine würdige und reiche Decoration von Gewinden aus Eichenlaub angebracht. Auch die Canzel sähe man rings umher mit Festons geschmückt. Bon der Höhe der Kirche Thingen bezeichnend über dem Altar volle und kräftige Eichengewinde herab. In deren .Mitte schwebte, von breiter hoch- rother Schleife gelialten, ein großer Kranz von Lebensbaum und Immergrün, der in sich den bedeutenden Namenszug M I^, ous Blumen gewunden, trug. — Da die Kirche ablong ist, so hatten Aller Augen diese schöne, nach dem Berhältniß des weiten Raums,
ivorauf sie würken sollte, kunstvoll angeordnete Festverzierung vor sich.
Ter Himmelwar bis dahin wolkig. Gegen neun Uhr trat die Sonne siegend hervor und beleuchtete mild und llar die sich jetzt reihende Proceßion zur Kirchenfeier. Durch vorhergegangene Conferenzen der Behörden war dazu alles vorbereitet.
Aus denen Straßen, die zum Markt führen, tönten die rührenden Gesänge der Jugend, sowohl des Gymnasiums als der ver schiedenM deutschen Schulen der Stadt, die von ihren Lehrern geführt. Alle mit Kränzen iir dem Haar oder am Arm, in Fest lleidung hergezogen. Es war kein Herz, welches nicht das Wort in sich getragen hätte: „ans dem Munde der Kinder hast du dir ein Lob zugerichtet." — Sämtliche Großherzogl. Diener der Eollegien und Behörden, di? Geistlichkeit, die Glieder des Sladtraths, die ganze Bürgerschaft mit ihren Jnnungs- falmen, der uniformierte Landsturm — Alles bildete nach und nach einen iveiten, stattlichen Kreis auf unserin großen Markt vordem Großherzogl. Schloß. In der Mitte umr in einem Halbkreis der Singechor anfgestellt, nebst deb Currende 'mit der vollen Stadtmusik. Alles hatte mit entblößtem Haupt sich an einander gereilit, als von dem Chor, dann von allen Stimmen freudig und volltönend begleitet, Luthers .Heldenlied begann: „Ein' feste Burg ist unser Gott usw." Mit dem zweiten Verse lößte der Kreis sich all- mälig auf und alle Versammelte zogen wohlgeordnet, langsam, unter doppelter Biegung, bei fortwährendem Gesänge, zum Portal der Kirche. In ihren Orten schloß sich die ge schmückte Schuljugend dem Zuge an.
In der Kirche zu St. Georg nahm jede Mtheilung die bestimmten Plätze ein. In dem Hintergründe des Altars jmixben die Fahnen gruppiert: der größte Theil der Schuljugend füllte das mittlere Schiff der Kirche. Der andere Theil wurde, weil der Raum nicht Kureichte, durch eine Seilenthür hinaus und zur Nicolai-Kirche geführt, um dort der Gottes Verehrung beizuwohnen. Für die drei unteren Classen des Gymnasium war in dem Schulgebäude eine angemessene reli giöse Feier veranstaltet. Gedrängt angefüllt, herrschte dennoch in der Kirche, heut, wie an allen Tagen, allgemeine Stille und andächtige Sammlung. Desto wirksamer auf die Genrüther war die ungeordnete Fest lithurgie. Die Theilnahine Vieler ans den höheren Ständen an dieser öffentlichen Abendmahls-Feier erhöhte den rührenden Eindruck. — Beim Beschluß des Gottesdienstes begab sich die Bürgerschaft < und die SckMljugend in geregeltem Zuge wieder aus der Kirche hinaus. An den Kirchthüren ward eine Colleete für das Waisenhaus gesammelt
Auch der Nachmitdagsgottesdienst wurde in den Kirchen der Stadt festlich gehalten und überall zahlreich besucht.


