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jFonntagsgruß
( GemeindeblaN für die evangelische Rirchengemeinde Gießen
Hr. H Gießen, Sonntag, 1. Advent, den 2. Dezember 1917 6 Iahrg.
Tagesanbruch.
Brief des Apostels Paulas an die Römer 13, 12. Tie Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen: so lasset uns nun ablegen die Werke der Finsternis, und anlegen die Waffen des Lichtes.
Es ist, als ob das Hornsignal ertönte, das den Krieger zum Kampfe ruft. Laßt uns anlegen die Waffen des Lichts! Ter Soldat versteht den Klang und die Melodie. So will der Türmer der ersten Christenheit, Paulus, uns wecken und mahnen und Mut machen: „Tie Nacht ist vergangen!" Er sah, ivie über den ersten Christengemeinden im römischen Reiche Morgengrauen lag und der Himmel sichi rötlich färbte. Ta war es aus mit denr Nacht- und Traumleben des Heidentums, und die Chriftusgläubigcn harrten dein vollen Tag, der Wiederkunft ihres Herrn, entgegen. Als die Sonne des Evangeliums zum zweiten Male aufgehen wollte über der Menschheit im Beginn der deutschen Reformation, da sang Hans Sachs: „Wacht auf, | es nahet gen den Tag!" Mvent ist Morgendämmerung. Nun ist es der vierte Kriegsadvent geworden. Im Zwielicht des ersten Morgcnscheines kann man noch nicht klar ins Weite sehen. Mer soviel ist gewiß: es wird Tag: das Licht konunt: die Sonne geht auf! Biele in der Heimat «vollen mm* matt werden und verzagen bei dem Kampf, der un- ferm Volk verordnet ist. Biele im deutschen Vaterland wollen wieder versinken in die alten Laster der Selbstsucht, 0senußsucht, Unzucht, Parteisucht. Und doch ist der Aufgang des siegreichen Friedens so nal)e! Wie eine große, geheimnisvolle Verheißung geht der Mvent ans über unserm Volke. Advent heißt: Mobilmachung für das Kommen des Herrn, für den Sieg seines Reiches. Laßt uns „erweckte" Christenmenschen werden, die der Wirklichkeit und ihren neuen Aufgaben ins Mge schauen mit sicherem Gefühl für das, waS Kindern des Lichtes gebühret und geziemet! Laßt uns auch die Volksgenossen und Glaubensgenossen aufwecken, daß unser Volk nicht träume,_ wenn die großen Entscheidungen fallen für unser Volk, für un scre Kirche, für unsere Seele ! Laßt uns einander trösten, .stärken, aufrichten und hin- lveisen: „Aus, auf, ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern: seid fröhlich, ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern!
Bilder aus dem hessischen vorslcben
Zweite Folge.
Von A. L — un.
l Fortsetzung.
In ihrer Freude, daß alles so glimpflich abgegangen ivar, holte die Frau einen Imbiß und Bier herber und deckte im Hose den Tisch. Und nun saßen die drei Preußen und ihr „Feind", der Hesse, ruhig beieinander- an einem und demselben Tische, tauschten ihre Kriegserlebnisse aus und ließen sich — sie waren alle zienrlich ausgehungert und müde — die Vorgesetzten Speisen schmecken. Ter gefangene .Hesse kam dann nach Köln, um im September wieder in seine Heimat zu gelangen. In seinem späteren Leben hat er viel Jüteresse an der Politik und, ivie es natürlich ist, an der Kriegführung bekundet. Oft sagte er, daß der Feldzug des Jahres 1866 nur einen kleinen Umfang gehabt habe, aber er fügte hinzu: „Unsere Kinder werden einen größeren Kampf zu bestehen haben." Sein Wort hat sich erllillt, einer seiner Söhne ist iin letzten Frühjahr im Westen gefallen. Ter Vater selbst ist vor 20 Jalwen gestorben.
Kurz vor Weihnachten fanden die großen Treibjagden statt. Tie Jiagdpächter hatten ihre Freunde eingeladen, und vormittags so gegen 10 Uhr rückten diese in allen möglichen Jagdkostümen an. Ta sah man gelbe Leder- gamaschen, große Muffe, grüne Jägerhüte und Geivehre verschiedener Konstruktion. Gleichzeitig erschienen die Treiber. Das waren Männer und junge Burschen aus dem Torfe, die sich am Wintertage gern einige Pfennige verdienen wollten. Sie waren weniger glänzend ausgestattet als die Jäger, sie trugen Fausthandschuhe und hatten die Kappen tief in das Gesicht gezogen. Alle hatten die kurze Pfeife im Munde und einen wuchtigen Knotenstock in den Händen. Nun zog man Unaus, und die Aufstellnirg der Jäger und Treidler wurde vorgenommen. Tie Jäger hatten sich! zum Teil eingegraben, um von den herannahenden Hasen nicht vorzeitig gesehen zu werden. Die Treiber, bei denen sich auch einige Jäger befanden, rück ten von der anderen Seite langsam l)eran, riefen laut: ho-ho, schlugen mit den Knoten- ftöcken auf den Boden, und die armen, aufgescheuchten Häslein stoben vor ibnem her, direkt in die Schützenkette hinein. Sobald es knallte, überschlug sich der Hase und blieb ' liegen. Mitunter auch, wenn die Hafen da6


