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Gemeindeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen

V7r. M Gießen, Sonntag, Totensonntag, den 25 .November 1917 6 Iahrg.

Totenfest.

2. Brief des Apostels Paulus an die Ko-! rinther 6, 4 u. 9. In allen Tilgen beweisen wir uns als Diener Gottes, als die Sterbenden und siehe, wir leben.

Das vierte Totenfest im Weltkrieg zeigt uns eine große, unübersehbare Schar gefal­lener Helden. Ihre Leiber sind zumeist wohl geborgen. Aber andere ruhen in der Tiefe des Meeres; andere unbeeidigt in Feindes Gebiet: so viele vermißt, ob sie je wieder­kommen? Aber sie hüben alle noch mit ihrem Tode einen Beruf km uns zu erfüllen. Das Sterben unserer deutschen Helden ruft uns zu: Als die Sterbenden und siehe, wir le­ben! Es ist als ob von den ungezählten, ungenannten wie von den bekannten und ver­trauten, stillen .Heldengräbern immer miedet der Ruf dringe bis zN uns herein: Wir kämpfen noch mit. Wir helfen euch zum ehrenvollen Sieg und Frieden!

Ter Apostel hat einst als Triumph hineingerufen in eine Welt des Hasses und des Todes. Das war das unverwüstliche un­ausrottbare Leben in ihm und den Christus- gläubigen, das kein Tod töten konnte. Diese, große Sterbensfreudigkeit der Blutzeugen in den Verfolgungszeiten der alten und mittel­alterlichen Kirche bis hinein in die Tage der Gegenrevolution hat auf den Heldentod' unserer deutschen Brüder ihren GlanA ge­worfen. Zwar der Fortbestand ihres irdi­schen Vaterlandes allein vermag nicht die Kraft und Siegesfreude zu verleihen über die Schrecken des Todes. Da muß hinzukommen die Gewißheit eines künftigen Lebens, eines unvergänglichen Reiches, einer himmlischen Heimat. Eins ist gewiß: Solch ein Leben ist nur in seiner Nähe, in seiner Gemeinde und Gemeinschaft zu finden, Jesus Christus gestern und heute, und derselbe auch in Ewig­keit! Laßt uns zum Totenfest den Festge­sang lernen der Todbezwinlger und Lebens­zeugen, den Martin Luther aNgestimmt: Nehmen sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin, sie haben's kein Gewinn. Das Reich muß uns doch , bleiben.

Heldenklänge.

1. Ein Held.

Nun, wackrer Hornist, nun blas das^ Signal, Das die Feinde trifft wie Wetterstrahl

Und Funken entlockt der Muskete! i Hurr-ha! tra-ja! tra-la! hnrr-ja!

^ Tie Deutschen kommen! Die Deutschen

sind da!

So schäumt es aus der Trompete.

Ein Wesen sind Signalhorn und Mann.

So geht es im Sturm den Braven voran Mit Jubelsingen und Rasen.

Ta trifft die Stirn das tödliche Blei,

Bald geht es zu Ende; nun ist es vorbei Mit Stürmen und Drängen und Blasen.

Leb wohl, lieb Weib, leb wohl, lieb Kind! Im Himmel wir wieder beisam'men sind!"

So geht's noch durch die Sinnen. Mattfarbene Todesmelodien Wie Trauermarsch seinen Geist umziehn Und führen ihn eilend von hinnen.

2. Eine Heldin.

In dem trauten Gotteshause Ferne von dem Weltgebrause Sitzt ein Weib in seinem Schmerz.

In ein liebevoll Gedenken Möchte sie sich gern versenken,

Dock) wie Schwerter geht es ihr durchs Herz.

Ach, den nie sie konnte missen,

Bon der Seite ihr gerissen .H at der unb armherz'ge Tod. j Tiefes Weh umhüllt die Stunde,

Tief im Herzen brennt die Wunde,

Heftig klagt sie gegen ihren Gott.

Auf des Kummers wilden Wogen Feierlich daher gezogen Kommt ihr nun ein neuer Klang.

Durch des Schmerzes dichte Schleier Naht sich ihr als Tatbefreier Jetzt der Orgel lebensvoller Sang.

Und er spricht zu ihr die Worte:

Ferne bleibe diesem Orte Unversöhnter Klage Laut.

Dem du Treue einst geschworen.

Bleibt dir ewig un verloren.

Selig, wer auf Gottes Tröstung baut!

Gläubig fasse diesen Segen:

Auf des Leides dunkleu Wegen Dringt des Lebens Fülle ein !

Neu ein rüstig Tagwerk schaffen,

Greisen nach des Tages Waffen,

Soll forthin die ernste Losung sein.

K. G.