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an denen eine Kompagnie Soldaten genug gehabt hätte. Dm Gästen, die von außerhalb kamen, wurde noch! eine ansehnliche Portion in ein Weißes Tuch! eingebunden und beim Abschied mitgegeben. Tempi passati! hat einst bei einer gewissen Gelegenheit ein italienischer Diplomat gesagt, das heißt auf deutsch: Zeiten, die vergangen sind!
Kam im November der erste Frost, so wurden im Dorfe die ersten Schweine geschlachtet. Frühmorgens drang der durchdringende Schrei der Tiere, die abgestochen wurden, über die Straßen. Jede .Hausschlachtung brachte reges Treiben in das Haus. Die Frauen sorgten für kochendes Wasser zum Abbrühen des Schweines, die Männer halfen im Hofe dem Metzger. Sehr .wspannt erwartete mau das Resultat des Wiegens. Wer das schwerste Schwein schlachtete, dessen Name wurde einen Winter hindurch mit Ehren, vielleicht auch mit Neid, genannt. Es war recht ärgerlich, wenn ein Schwein während der Mästung nicht mehr fressen wollte. Auch der Häfner, von dem ich schon berichtet habe, trachtete darnach, recht viel einzuschlachten, aber er selbst verstand nicht mit der Wage umzugebeu. Da halfen ihm die Nachbarn und, da sie Spaßvögel waren, gaben sie ihm ein bedeutend höheres Gewicht an, als es der Wirklichkeit entsprach. Stolz erhob der gefoppte Mann dann allemale das Hanpt. Um die Mittagszeit wurde das für die Wurst bestimmt,e Fleisch zerkleinert, die Handbeile hämmerten! auf dem Hackklötze, ein Duft von frisch« gekochtem Fleisch, von Pfeffer, Majoran und anderen Gewürzen zog durchs das Haus. Gegen abend kamen die ersten Würste aus dem Kessel, der Tag endete mit der Metzelsuppe. Auch wenn man dabei nicht Uhlands Metzelsuppenlied anstimmte, so war es doch! eine feierliche, oft recht ausgedehnte Mahlzeit, bei der alle Sorten der neu her gestellten Wurst mit Ausnahme des Schwartemagens auf den Tisch kamen und mit Sauerkraut und Salat verzehrt wurden. Bei diesen Vketzelsuppen ivurde übrigens recht viel Interessantes erzählt, namentlich dann, wenn das Essen vorüber war und die Männer die lange Pfeife angezündet hatten. Mit Spannung lauschte man, wenn der Metzger von seinen Erlebnissen tm Mainfeldzuge des Jahres 1866 erzählte.. Er hatte die Schlacht bei Laufach als hessischer Soldat mitgemacht, wo die Preußen durchs die Ueberlegenheit ihres Zündnadelgewehres rasch den Sieg davongetragen hatten. Man war bewegt, wenn man hörte, daß da ein verwundeter, aber später geheilter hessischer Soldat gerufen hatte: Ach, meine alte Mutter! Man sah dieses Gefecht als gewaltig an: denn der Erzähler berichtete, er habe jedesmal, wenn die Kugeln der Preußen über ihn dahinpfif- sen, den Gedanken gehabt: Jetzt nimmt es
dich mit! In diesem Weltkriege sind wir an anderes gewöhnt worden, so daß wir den Krieg vor 51 Jahren, der einen sehr raschen Verlauf nalM, mit dem Kriege dieser Jahre gar nicht vergleichen wollen. Der Erzähler, von dem kty hier wiederum erzähle, wurde dann im Gefechte gefangen. Bei dem Rückzüge der Hessen hatte er sich« in ein einzeln gelegenes Gehöft begeben, in dem eine Bierbrauerei betrieben wurde. Die Frau des .Hauses, geängstigt durch den in nächster Nähe sich labspielenden Kampf, bot ihm Kleider eines ihrer. Brauburschen an, wohl in der Meinung, die Preußen würden den hessischen Soldaten auf der Stelle erschießen. Dieser aber lehnte lab. Das Hoftor wurde verschlossen. %acö' einer Weile hörte man draußen Schritte, es wurde etwas unsanft gegen das Tor geklopft, und eine energische Stimme rief: „Sind Oesterreicher oder H essen-Darm- städter da?" Aengstlich zögerte die Frau mit der Antwort, da sagte der hessische Soldat: „Ja, einer ist ba /J und schob den Riegel zurück. Die Preußen — es waren Westfalen — traten ein und nahwen den Hessen gefangen, natürlich!, ohne ihm im geringsten, etwas zuleide zu tun.
(Fortsetzung folgt.)
kirchliche Anzeigen.
Sonntag den 18. November.
2 4. nach Tri nitatis.
Gottes di en st.
In der Ztadtkirche. Vormittags 9V-> Uhr: Pfarrer Schwabe. — Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. — Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die M!arkusgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Abends 8 Uhr: Pfarrer Mahr. — Abends 8 Uhr: Versammlung der Ortsgruppe des Evangelischen Bundes. Borttag von Pfarrer D. Waitz aus Darmstadt: „Luthers Fortleben im deutschen Volk". — Dienstag den 20. November, nachmittags 4 Uhr: Frauen- mrssronsverein. — Abends 8 Uhr: Vereini- >gung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. — Mittwoch den 21 November, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe.
In der Iohanneskirche. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes gem einde. Pfarrer Ausfeld. — Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsl/eimer. — Mends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal. — Abends V 28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. — Freitag den 23. November, abends V 26 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Jo Hannes gemeinde.
Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheirner. Druck und Verlag der Drühl'schen Universitäts-Duch-und Steindrucks <-
N. Lange. Gießen.


