'nsßwixq
■Jlltiuiu J101 V3lj lU g v:l r>3tf. UV X3 11U3CU I ‘Cp U V1<J ' 113qo Uvß Itv 3{pTtXXtJJ3qjQ^ 3 jj v
q pnaq^TVjd ihn? ipnv $v<q qutt iuq / iriquafpQxoa uii qmj UPll^VU&äQfjqja
°JJv jipiu
- 881 —
- 183 -
Erwähnt sei noch, daß am 14. November 1883 durch den Gießener Konzertverein in der Stadlkirche nachmittags um 4 Uhr das Oratorium „Luther in Worms" (Dichtung von W. Roßmann, Musik von Ludwig Mei- nardus) aufgeführt wurde. Tie Leitung hatte der damalige Universitäts-Musikdirektor Ad. Felchner. Äußer dem Akademischen Gesangverein wirkten hiesige Männervereine sowie Schüler der höheren Lehranstalten mit. Mehrere Solisten hatte man hierzu von auswärts berufen. _
Bilder öu$ dem hessischen Dorsleben
Zweite Folge.
Von A. L — n n.
(Fortsetzung.)
In meiner Kindheit haben die Leute im Dorfe ihr Brot selbst gebacken. Ob das jetzt noch so ist, weiß ich nicht, ich glaube aber, das; 'man mehr und wehr zum Tauschhandel übergegangen ist. Man gibt dem Bäcker Korn und empfängt dafür von ihin ein gewisses Quantum Brot. Früher wurde in jedem Bauernhause von der &,au3frau der Teig bereitet. Dicht neben dem Ofen stand die große Mulde. Am spätenNachmittag wurde der Teig geknetet, es wurde Sauerteig zugesetzt, und nun ließ man den Teig in der Nacht „gehen". Am frühen Morgen wurde er in Backkörben zum Bäcker getragen, nachdem man schon Tags zuvor das erforderliche Brennholz dorthin gebracht hatte. Ein Gemeindebackhaus gab es in der Gegend, die ich hier im Auge habe, nicht. Der Bäcker hatte vorn eine große Backstube Mit Mulden und Tischen, dahinter lag, ein paar Stufen tiefer, der Raum, in dem gebacken wurde. Dieser Raum besaß in der Regel kein Fenster, er empfing sein Licht von der Backstube, war mithin in Dämmerung oder gar in Dunkel gehüllt. Aber er wurde durchs das Licht, das aus dem Backofen drang, erleuchtet. Gern stand man, namentlich wenn es draußen kalt war oder regnete, in diesein Raume, sah nach der Glut, die im Ofen brannte, beobachtete, wie der Bäcker die glühende Asche aus dem Ofen kratzte und dann die Laibe „hineinschoß". Wenn sie gebacken waren, so wurden sie mit dem „Schießer" herausgeholt, vermittelst einer Bürste mit Wasser überstrrchen und auf ein Brett gelegt, wo sie alsdann abkühlten. Im Backofen oder in seiner Nähe hatten Grillen ihre Unterkunft gefunden. Henke ich an einen Backofen — ich habe nach langer Zeit im vorigen Sommer wieder einmal einen solchen gesehen — , so höre ich im Geiste sofort das Gezirp der Grille, dem ich als Kind manchmal in der Dämmerung gelauscht habe. Es war dies ein anheimelnder Ton, namentlich am Llbeiid, wenn ringsumher das Arbeitsgeräusch verstummt war und um neun Uhr die Turniglocke anzeigte, daß es Zeit sei, zu Bett zu gehen. Charles Dickens, der gemütvolle, uns Deutschen so sympathische englische Schriftsteller (gestorben 1870), hat
in seiner Erzählung „Das Heimchen am Herde" wundersam das Grillengezirp mit dem Frieden am häuslichen Herde verwoben.
Wenn Brotz gebacken 'wurde, so wurde allemale auch ein Kuchen aus Brotteig gebacken. Das war ein flacher, dünner Kuchen mit harter, brauner Kruste. Ich denke, daß die Kuchen, die man im alten Israel bereitete, von derselben oder ähnlicher Art waren. Wenigstens deutet das die Stelle 1. Mose 18, 6 an, wo Mraham zu Sara sagt: Eile und menge drei Maß Semmelmehl, knete und backe Kuchen. Dieser Kuchen aus Brotteig wurde „Flammkuchen" geirannt. Man aß ihn zumeist, wenn er noch warm war und die Butter, die man darüber gestrichen hatte, zerschmolz. Eine alte Sitte im Dorfe war, daß der KausVater in eigener Person den Flammkuchen vom Bäcker nach Hause trug. Ich sehe noch, wie alte Männer im gestrickten Wams, auf dem Kopfe das Stulpkäppchen, am Morgen würdiglich über die Straße wandelten und auf der rechten Handfläche den Kuchen balanzierten. Hätterr wir in dieser Zeit des Krieges nrorgens Flammkuchen zum Kaffee, wir brauchten uns nicht über un- schmackhafte, unznreichende Nahrung zu beschweren.
Natürlich konnte man nicht in jeder Woche backen, höchstens alle sechs Wochen geschah das. Somit war das Brot, das man aß, sehr oft altbacken. Es wurde, Uin es nicht allzusehr austrocknen zu lassen, im Keller aufbewahrt, aber die Folge war, daß es schimmelte und man die Kruste nicht essen konnte. Als Lohn für das Backen bekam der Bäcker kein Geld, sondern von einer gewissen Anzahl Laibe — ich glaube, von 10 oder 20 — wurde ihm ein Laib gegeben.
Aber es wurde nicht üur Brot gebacken. Was für Unsummen Kuchen wurden jeden Samstag gebacken! Ging man an diesem Tage durch! das Dorf, so zog der süße Kuchenduft durch alle Gassen. An gewöhnliche Samstagen backte man Zimtkuchen und sogenannte „dicke Kuchen", das waren Kuchen aus Weizenmehl ohne Zusatz von Zucker. Im Winter kamen Griebenkuchen hinzu: die ausgelassenen Grieben, oft mit Apfelstückchen untermischt, wurden auf den Teig gelegt. Au Festtagen schwoll die Kuchenmenge gewaltig an. Napf- oder Bundkuchen wurden da außerdem noch gebacken, und wenn es die Jahreszeit erlaubte, Obstkuchen allerlei Art. Samstags oder an den Tagen vor einem Feste war der Bäcker gewöhnlich nervös. Er wurde aber !auch schwer bedrängt. Jeder wollte seinen Kuchen möglichst rasch in den Backofen befördert haben, ohne die Reihe innezuhalten, mitunter brachten die Leute kein Reisig mit, und der Bäcker wetterte in allen Tonarten. Lagen die Kuchen zum Auskühlen im Hausflur, so kam es wohl außerdem noch vor, daß Kinder darauf traten, oft so, daß man den Eindruck der Schuhnägel wahrnahm. War Kirchweihe im Dorf, so sammelte manche Familie Kuchenberge an.


