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Ferne das Gebirge verdämmert, terrassen­förmig sind die Berge cmfgeschichtet, der Zug der Täler ist.deutlich zu erkennen. Auf un­zählige Tannenwipfü schaue ich herab, ein grünes, >auf «und nieder wogendes Meer; denn .der Bergjwind ist erwacht und weht so heftig, das; ich den Mantelkragen in die Höhe schlage. Wo der Blick in weite Entfernung geht, da ist das Meier ganz dunkel, es sind Inseln darin, hell von der Sonne bestrahlt, das sind die dazwischen liegenden Feldmar­ken, in denen Dörfer liegen, so zahlreich, das; ich sie ziffernmäßig nicht festhalten kann. Damit auch der Ernst der Zeit in die Welt der Berge hineinrage, hört man von Süd­westen her ein dumpfes Grollen und Rollen. Wie fernes Gewitter, wie eine Erschütterung tief nnten im Erdreich hört es sich an. Manchmal hört es auf, dann schwillt es wie­der an: es ist der Donnerton von der West­front.

Auf hochragendein Bergesgipfel, in: An­schauen der Wunderwerke der Schöpfung muß man.an den denken, der die Berge und die Erde und die Welt gemacht hat. Niemals habe ich das Psalmwort:Die .Höhen der Berge sind auch sein" so gut verstanden, wie auf jenem Aussichtsturn: am sonnenhellen Septembertage. Auf den Bergen versteht man auch, daß die Völker in der alten Zeit den lebendigen Gott vorzugsweise auf den Höhen gesucht habeil. Die Germanen suchten Odin auf den Bergesgipfeln des Odenwaldes und Thor oder Donar auf dem breiten Hö­henrücken des Donnersberges. Tie Sama­riter beteten auf dem Berge Garizim, die «Juden suchten Gott auf Zion und sangen, wenn sie, im Pilgerzuge einherschreitend, die Zinnen des Tempels erglänzen sahen:Ich hebe meine klugen auf zu den Bergen, voll welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe komwt von dem Herrn, der Himmel und Erde ge­macht hat." Den Christen hat ihr Herr und Meister gesagt:Es kommt die Zeit, daß'ihr weder auf diesen: Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anrufen. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." Das Trach­ten nach dem, das droben ist, das Aufheben der Augen zu den 'Bergen, von welchen uns Hilfe kommt das Ewige steht hier hoch­ragend hinter bildlicher Redeweise wird bis in alle Zeit Lebensäußerung wahren Christenlebens sein. H. B.

Lin Qttherfest in Gietzen vor 34 Jahren.

Eine große Lutherfeier fand in Gießen am 10. November 1883, einem Samstag, am 400. Geburtstag des Reformators statt. Da­mals in friedlicher, glücklicher^ Zeit konnte man leichter eine Feier im großen Stile ab­halten, als das uns bei dem 400. Refor­mationsjubiläum möglich war. Von dieser Feier sei heute nur erwähnt, daß man auf dem Ludwigsplatze eine Lutherlinde pflanzte.

Es wurde dabei ein Festzug veranstaltet, der sich auf Oswaldsgartcn aufstellte und sich dann nach dem Ludwigsplatze bewegte. Sän­ger, Turner, Krieger, Schützen und die Mit­glieder der Feuerwehr bildeten den Festzug, in dem auch viele Gemeindeglieder einhergin­gen. Die Feier war rein religiös geartet. Bevor sich der Festzug* auf Oswaldsgarten in Bewegung fetzte, sang die Versammlung das LiedAllein Gott in der Höh' sei Ehr". Auf dem Ludwigsplatze wurde zuerst das LutherliedEin feste Burg ist unser Gott" angestimmt, dann hielt Pfarrer Dr. Nau­mann die Festrede. Er erinnerte daran, daß die Väter im Jahre 1817 auf dem Trieb eine Luthereiche gepflanzt hätten, und pries die Linde als deutschen Baum, der mit der altgermanischen Götter- und Menschensage, mit der deutschen Kriegs- Und Friedens­geschichte auf das innigste verwachsen sei. Die Linde feider Baum, der, in gute Erde gesetzt, unter des Himmels Sonnenschein und . Regen für sich allein gedeiht und heute noch in so mancher Stadt und manchem Dorf hoch­ragend über Straße und Haus die Menschen in feinem Schatten zu Lust und Klage, zu ernsten: und heiterem Rat versammelt." Dann verglich der Redner das Wachsen einer Linde mit den: Werden und Wachsen Martin Luthers Und schloß mit den eindrucksvollen Worte:::Vor einigen Tagen wurde ich ge­fragt:Bilden Sie sich denn ein, daß die Lutherlinde hier in Gießen unverletzt stehen bleibt?" Ich antwortete und rufe es auch heute an dieser Stätte aus: Ja, das bilde ich mir ein: das glaube und hoffe ich fest! Denn es wäre eine Beleidigung gegen die ka­tholische Gemeinde unserer Stadt, zu denken, daß auch nur ein Glied derselben fähig wäre, die Hand frevelnd an diese Lutherlinde zu legen. Und es wäre eine Schande für uns Protestanten, wenn auch nur einer unter uns sich fände, der mit rohem Sinn wider diese Lutherlinde die Hand erhebt. Unsre Luther- linde steht hier unter Gottes freiem Himmel, der mit Sonnen-, Mond- und Sternmaugen schirmend und bewahrend aus sie nieder­blicken möge! Sie steht im Schutz der biede­ren Einwohnerschaft dieser Stadt und in der Obhut ihres hochachtbaren Stadtrats: ja, sic steht hier buchstäblich unter den Augen des erwählten Hauptes der Stadt, Unseres all­verehrten Bürgermeisters: auch das möge ihr ein guter Schutz und Schirm werden! Was aber auch im Lauf der Zeiten Sturm und Weiter oder Menschenhand an diesem Baum schädigen oder veroerben mögen: eines wissen und bekennen wir heute an Luthers 400. Ge­burtstag: Die. Lutherlinde kann zugrunde gehen, aber Luther und sein Werk, deß zum Gedächtnis wir die Linde pflanzten, wird dadurch nicht zu Grunde gehen. Gottes Wort und Luthers Lehre vergehen nun und nim­mermehr."

Hiernach! wurde die Linde in das Erdreich gesenkt, und die Versammlung sang das Lied Nun danket alle Gott".