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feit Früchte zu pflücken und in Pen großen Sack, den man umgehängt hatte, verschwinden zu lassen. Auf den angrenzenden Grundstücken waren Leute mit aller l-and Arbeiten beschäftigt, sie nahmen Kartoffeln oder Rüben aus, pflügten das Feld oder säeten Korn. Am Abend zog oft der Rauch der Kartoffelfeuer über das Land, und der Gänsehirte wandelte mit seiner Schar, die laut durcheinander gagackte, über die Stoppelfelder. Ich entsinne mich eines Gänsehirten, der m einem Steinbruch beim Sprengen einen Arm verloren hatte und zu sonstiger Arbeit nicht mehr zu brauchen war. Er schlief in einem alten. Halb zerfallenen Hause, das der Gemeinde gehörte, und hatte bei den Gansebesitzern den Wandertisch. Es ging ihm, wie es in alter Zeit allen glücklichen Inhabern, des Wandertisches ging, er hatte sich ntcht über die Mannigfaltigkeit der thni Vorgesetzten Speisen zu beklagen und bekam oft die ganze Woche hindurch dasselbe Gericht. Der Gänsehirte, den ich hier im Auge habe, behauptete, gequellte Kartoffeln nicht eifett zu können. Es mag ia sein, das; er mit tncfem Gerichte, das im vergangenen Mutter unendlich viele mit großer Freude begrüßt hätten, jeden Tag bedacht wurde. Ob ihn die Bauersleute aber nun mit Spargeln, eingemachten Früchten und Blumenkohl erfreut haben, kann ich nicht sagen. Sein Regiment war indessen bald zu Ende, vermutlich wegen seiner Feinschmeckerei, und eine einheimische Familie wurde mit dem Gänsehüten betraut. Der Vater dieser Familie war ein Lagelöhner, der lange Jahre als Knecht gedient und dann im Lagelohn gearbeitet hatte. Als er 20 Jahre alt war, so hat er nnr einst erzählt, wollte et heiraten und ging zum Bürgermeister, um sich die nötigen „Rapiere machen zu lassen". Tabakrauchend saß der Bürgermeister hinter seinem Tische. Als der heiratslustige junge Mann sein Anliegen vorbrachte, sah er ihn zunächst von der Seite an, ohne ein Wort zu sagen, dann Iprach er: „Was, du willst heiraten, und kannst dich nicht ernähren?" Damit griff er hinter den Spiegel, wo die Hundepeitsche fang. „Und da," so sagte mir der Gänsefarte, „l>ab ich gemacht, daß ich hinaus ge kommen bin/ Diese alten Dorfbürgermeister waren ja manchmal große Despoten und haben, wie der mitge- teilte Fall beweist, sich mitunter Rechte erlaubt, die ihnen gar nicht zustanden, aber sie haben doch durch ihre Grobheit manchem unerfahrenen und leichtsinnigen Gemetnde- gliede einen Dienst erwiesen. Erst viel 1 Pater, als er eine Familie wirklich versorgen konnte, ist der Gänsehirte in den Ehestand -getreten.
Wenn die Zwetschen gepflückt waren, so wurdeii sie zur Herstellung des „Honigs entkernt. Das geschah in meiner Hetmat m bet- Weise, daß die Nachbarn, Verwandten und Bekannten abends in das Haus kamen und bei der Arbeit halsen. Die gegenseitige Hilfeleistung bei derartigen Arbeiten geht aus
uralten Brauch zurück. Der aus der Pfalz stammende und in Rom verstorbene Dichter und Maler Müller (1749—1825) hat eine Idylle geschrieben, betitelt „Das Nußkernen", in der er den Hergang ähnlich so schildert, wie er sich heute beim Zwetschen- kernen abspielt. Im Kreise setzte man sich um die gefüllten Körbe, hantierte eifrig mtt dem Messer, noch eifriger ging der Mund. Wieviele Anekdoten, Gespenstergeschichten, Tatsachen aus alter Zeit wurden beim Zwet- schenkerneii erzählt! In vorgerückter Stunde gab es einen Imbiß, bestehend aus Brot und Käse. Die Männer tranken Birnenntost, die Frauen Kaffee, dann ging es mit neuem Eifer an die Arbeit. Oft verübte die Jugend nach Schluß der Arbeit in nachtschlafender Zeit aus den Dorfstraßeu noch allerlei Schabernack. In dem Dorfe wohnte ein sehr geiziger Bauer, der einen gutmütigen, aber leichtsinnigen Sohn hatte. Dieser liebte es, mit seinen Freunden am Sonntag nachmittag.ein Füßchen Bier zu kaufen, um es im Wälde oder in einer Gartenhütte zu trinken, sehr zum Aerger des Vaters, der den Sohn nicht anders titulierte als „der Wirtshausbub". Junge Leute, die vom Zwelschen- kernen kamen, klopften den griesgrämigen! Vater in der Nacht hieraus und riefen ihm, als er sich am offenen Fenster zeigte, zu: „Louis, komm, wir wollen ein Füßchen Bier trinken!" Dabei ahmten sie die Sprechweise des Sohnes nach. Groß war der Zorn des Vaters, um so größer, als, im Hintergründe ein Unbekannter in seiner, des Vaters, Sprechweise rief: „Schlechter Wirtshausbub!" Sehr viel hatte unter diesen Ju- gendstreichen auch ein alter, brummiger Hüfner zu leiden. Ich sehe ihn, noch, wie er vor seiner Drefacheibe saß, mit den Füßen, die nur mit Strümpfen bekleidet waren, die Scheibe bewegte und mit den Händen die Töpfe formte. Er wohnte mit seiner alten, überaus neugierigen Ehehälfte in einem baufälligen Häuschen, das er aber genau so hoch bewertete und in Ehren hielt, wie ein adliger Herr das Stammschloß seiner Väter. Wenn die ausgelassene Jugend mit einem schweren Gegenstände an die Balken der Hinterwand des Häuschens stieß, so erzitterte der ganze Bau, als ob er durch ein starkes Erdbeben erschüttert würde, und das Häfuerpaar fuhr aus dem Schlafe, sie laut jammernd, er voller Wut. Der Manu hatte es sich selbst zuzuschreiben, daß er so viel, geärgert wurde: denn er war ungemein geizig und egoistisch, regte sich über jeden kleineil Scherz aus und war nichts weniger als eine umgängliche Natur. Den Luxus der großen Welt kannte er nicht. Käsebrot und Zwetschen schnaps be- zeichnete er einst als die beste Speise. Wenn er geschlachtet hatte, so bewahrte er die Bratwürste so lange auf, bis sie knochenhart waren. Dann wurde Brattvurstsuppe gekocht, das war, wie der Hüfner äußerte, nach dem Käsebrot das beste Gericht. Merkwürdig war, wie der Mann zu andereil Leuten von seiner


