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I
tiefsinnige Mystik und soviel Lebenslust, so ungeschlachte Grobheit und so zarte Her- zensgüte, und wie derselbe Ungeheure Mensch, der eineu Brief.an Seine Fürstliche Ungnaden Herzog Georg von Sachsen kurz ab Unterzeichnete: „Von Gottes Gnaden. Martin Luther, Evangelist zu Wittenberg", dann wieder zerknirscht vor Gott in den Staub sinken konnte. Wir Deutschen finden in alle-. dem kein Rätsel, wir sagen einfach!: Das ist > Blut von unserem Blute!
Heinrich, von Treitschke.
Wohnungselend nach dem Uriege.
Das Baugewerbe liegt Nun schon seit! Jahr und Tag völlig darnieder, nur die! wichtigsten Neubauten hat .man zum Abschluß bringen können, zahllose angefangene; Bauten aber hat man !un voll endet stehen und liegen lassen müssen, wie sie kurz nach. Kriegsbeginn waren. Dieser Stillstand betrifft das ganze Deutsche Reich, ist aber m den Städten und Großstädten naturgemäß am auffälligsten und wird von ernsten^Fol- gen für die Zukunft begleitet sein. Schon jetzt macht sich vielerorts leine große Wöch nungsnot bemerkbar, alles ist ^besetzt und überfüllt, kleinere Wohnungen für neu in eine Stadt ziel-ende Familien sind kaum zu haben. Wenn schon jetzt diese Verhältnisse sich von Tag zu Tag verschlimmern, was soll daraus in Zukunft werden? Und nehmen wir dazu, wie unzählige Menschen sich andauernd mit ganz unwürdigen Wohnungen behelfen müssen, die der körperlichen wie der geistigen Gesundheft gleich, schädliche sind, so entsteht allerdings 'ein sehr trübes Bild. Wenn die Männer «erst wieder aus dem Felde heimkehren, dann wird die allgemeine Not noch größer werden. Man weiß, wie sehr sich jetzt die zurückgebliebenen Frauen mit ihrer Wohnung behelfen, wieviele zu ihren Eltern zurückkehrten, wieiviele mit anderen Kriegerfrauen zusammenzogen, um zu sparen. Zahlreiche Ausländsdeutsche werden wieder in ihre alte Heimat kommen und ein Heim für sich, beanspruchen. Darum heißt es Vorsorge treffen, .Häuser sollen gebaut werden, je mehr desto besser, aber nicht Mietskasernen, in denen die Menschen sich einpferchen wie die Tiere ini Stall, sondern kleine Häuser in freier Natur, umgeben von Gärten. So werden viele soziale Nöte ganz von selbst verschwinden und ein guter Teil der berechtigten Unzufriedenheit wird aufhören. Eine gesunde Und lebensfrohe Jugend wird heranreifen, die ihrem Schicksal einmal in jeder Weise gewachsen fein wird. Immer muß von neuem darauf Angewiesen werden, daß die Böden- und Wohnungsreform eines der wichtigsten Kapitel in der allgemeinen sozialen Fürsorge sein und bleiben wird. Denn das alte Heimat- und Familiengesühl hat bei nur allzuvielen leinen schweren Stoß
erlitten. Diese Enrpfindungen gilt es neu zu beleben und zu stärken, und gerade hier gilt es, mitten in der modernen, aufgeregten Welt der Gegenwart wieder zur guten alten Zeft und ihrer Beschaulichkeit zurückzukehren.
Uleine Mitteilungen.
Sonntag den 11., und Montag den 12. November feiert die .Hessische Missions-
könfcrenz zu Gießen ihr Jahresfest.
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Eine bemerkenswerte Erlaubnis zu einem theologischen Kriegsexamen hat das Fürstliche Konsistorium in Waldeck gegeben. Ein junger Waldeckscher Theologe, der in französische Kriegsgefangenschaft geraten und dann als Internierter nach, der Schweiz gekommen war, hatte in Bern seine theologischen Studien fortgesetzt. Es wurde ihm gestattet, daß er dort sein für Waldeck gültiges Schlußexamen vor der zuständigen Schweizerischen Prüfungskommission ablege. Ein erfreulicher Beweis, wie sich durch, den Krieg entstandene' Schwierigkeiten überwinden lassen.
kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 4. N o v e m b e r.
2 2. n a ch T r i n i 1 a t i s.
«Kollekte für den Gustav-Adolf-Verein.
Gottes dien st.
In der Stadtkirche. Vormittags 91/2 Uhr :
! Pfarrassistent Lic. Reuning. — Vormittags ! 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus ge- ! meinde. Pfarrer Mahr. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. — Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Anmeldungen werden vorher bei ! dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. —_ Die 1 Bereinigung der konfirmierten männlichen ! Jügend der Markusgemeinde ist mit dem Wartburgverein verbunden, siehe dessen wöchentliche Veranstaltungen. — Dienstag, den 0. November, nachmittags 4 Uhr: Frauen- missionsverein der Matthäusgemeinde. — Dienstag, den 6 . November, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde (Feier des Reformations-Jubiläums). — Mittwoch, den 7. November, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr.
In der Iohanneskirche. Vormittags 9v» Uhr: Pfarrer Ansfeld. — Vormittags 11 Uhr: Kin derkirche für die Lukas gemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heiliges Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrei' jeder Gemeinde erbeten. ;—
| Abends Vs8 Uhr: Bereinigung der konfir- ! mierten männlichen JUgend der Lukasge- meinde. — Freitag, den 9. November, abends I 1/26 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib- i lichen Jugend der Johannesgemeinde.
Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck undDrrlag der Brühl'lchen Universitäts-Unch- und Steindruckerei
R. Lange. Gieren


