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wollen. Fachmänner >vie Tr. Röfe, Wolt- mann, auch Houston Steward Chamberlain, haben ihn endgültig widerlegt. Luthers Njame ist ebenfalls urdentsch. Er ist abzuleiten von „Lothar" (Chlotar), d. i. einer, der sich im .Heere anszeichnet. Und Luthers Familie stammt aus dem Herzen Deutschlands, Möhra, einem Dorf zwischen Sal-! zungen und Eisenach. Sein Großvater' Hein-! rich war dort Grundbauer, er nahni Mar-> garcte Lindemann zur Frau. Deren ältester Sohn war Hans, der Margarete Ziegler aus j Eisenach ehelichte. Von all diesen Namen. schon geht kerndeutscher Hauch aus. — Da- > mals war es des Landes Brauch, daß der Jüngste den väterlicher! Hof erbte. So mußte der Aelteste, Hans, neben seinem handfesten Bauernberus sich nach einen! andern als Lebensunterhalt umfehen. Schon früh hatte er auch in den Kupferschieferlagern seiner > Heimat gearbeitet. Da war seine Liebe zum Bergmann erwacht. Und als er nun hörte, I daß in der Grafschaft Mansfeld reiche Erz -! gruben erschlossen seien, ging er mit seinem jungen Weib, nach Eisleben. Dort wurde ihm ' am 10. November 1483, nachts zwischen 11 und 12 Uhr, ihr Aeltester beschert. Und die weil am andern Morgen der St. Martins-' tag und somit des Kleinen Taustag anbrach, erhielt er den Namen Martin. Bereits ein halbes Jahr später siedelte die Familie nach Mansfeld über. Hier hat des Bübleins Kindheit sich abgespielt.
Rosig ist sie nicht gewesen. .Hans Luther hat sich's schwere Arbeit leisten müssen, bis er es znm Pächter zweier gräflicher Schmelzöfen brachte, ein eigen Haus sich bauen konnte und durch!das Vertrauen seiner Mitbürger einer der „Viere von der- Gemeinde" inard, welche die Bürgerschaft neben dem Stadlrat zu vertreten hatten. Das war erst etwa, als Martin in Erfurt studierte. Anfangs aber folgten auf ihn noch bald drei Brüder und drei Schwestern, wenn nicht mehr. Und so können wir verstehen, wenn, von jenen ersten Jahren Luther später erzählte: „Mein Vater ist ein armer Hauer gewest, und meine Mutter hat all ihr Holz auf dem Rücken eingetragen, damit sie uns erziehen konnte: die Eltern haben sich's lassen blutsauer werden: jetzt würden's die Leute nicht mehr aushalten." Und hart wie das Leben, war auch, die Zucht der Kinder, so daß es auf Martins Gemüt wirkte und er fast scheu und schüchtern wurde. So wuchs er unter seinen „Härzlingern" heran, ein echtes Kind des Volkes, in dem damals noch manche Spuren altgermanischen .Heidentums vorhanden waren, so auch der Glaube an allerhand Hexan, Kobolde und den Teufel selbst, wie sie in den Schächten ihr Unwesen trieben. . .
Aber so verwachsen Luther mit den Lernen war, so kerndeutsch war er apch in seinem Wesen. Alfved Kurz hat im „Erfurter Lutherbuch 1917" eine prächtige Studie darüber geschrieben, die diese Tatsache in hellstes
Licht rückt, vollends, wenn wir nun auch den religiösen Reformator ins Auge fassen. Nichts vom Romanen: „Ter begnügt sich in der Religion leichter als der Deutsche mit Äußerlichkeiten und nimmt diese als Ersatz für das eigentliche religiöse Erleben." Nichts voni Angelsachsen: „Die angelsächsisch!'
Seele hat für einen Kamps, der um ein rein geistiges Gut geht, wenig Verständnis, denn sie ist praktisch durchaus materialistisch gerichtet." Nichts von einem Slawen, etwa une der Böhme Hus: „Die Böhmen führten heiße Kriege um.Dinge, die mehr kirchlich, kultisch und politisch als rein religiös waren." Luther aber hat „im Individuum die einzelnen Stufen religiöser Entwicklung durchlaufen, die das deutsche Volk als Ganzes allmählich emporgestiegen ist." Das Ringen in Luthers Seele war „im tiefsten Grunde ein Ringen der deutschen Seele mit der romanischen Seele seiner Kirche. In diesem Kampfe ist Luther Sieger geblieben. Luthers Tat war der größte und nachhaltigste Sieg des germanischen Geistes über den romanischen." •
Luther im Urteil großer Männer.
Ich meinerseits will diesen Luther einen großen Manu nennen; groß an Geistesgaben, an Tapferkeit, Gemüt und Ehrlichkeit: einen unserer liebenswertesten und köstlichsten Menschen. Groß, nicht wie ein behauener Obelisk, sondern ivie eine Alpe — so schlicht, rechtschaffen, offen, ohne irgendeinen Anspruch an Größe, für ganz andere Zwecke da, als groß zu sein! Ach ja, unbezwingbarer Granit, hoch und weit in den Himmel ragend, aber mit Quellen in seinen Spalten, init schönen grünen blumenreichen Tälern! Ein rechter geistlicher Held und Prophet! ivieder einmal ein Sohn der Natur und Wirklichkeit, für den diese Jahrhunderte und noch viele kommende dem Himmel danken werden. Th. Ecrrlyle.
Die Herrschaft der Deutschen im Reiche des Geistes ruht auf Luther.
Gustav Freytag.
Die Bibel ist bisher das beste deutsche Buch: gegen Luthers Bibel gehalten, ist fast alles nur Literatur.
\ - Friedrich Nietzsche.
Das köstlichste Vermächtnis, das Luther unserem Volte lpnterlassen hat, bleibt dock er selber und die lebendige Macht seines gottbegeisterten Gemüts. Keine andere der neuen Nationen hat je einen Mann gesehen, der so seinen Landsleuten jedes Wort von den Lippen genommen, der so in Art und Unart das innerste Wesen seines Volkes verkörpert hätte. Ein Ausländer mag wohl ratlos fragen: wie nur so wunderbare Gegensätze in einer Seele zusammenliegen mochten: diese Gewalt zermalmenden Zornes und diese Innigkeit frommen Glaubens, so hohe Weisheit und so kindliche Einfalt, soviel


