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ziehen wolen und fampl dem Eimer ui:d Seil in den Brunnen gefallen und todt blieben, 14 Jahre alt." Die Familie Verdrieß mar im 17. Jahrhundert in Gießen stark verbreitet, ist aber jetzt, wie bekannt ist, längst ausgestorben. Daß Kinder und auch Erwachsene in den Ziehbrunnen gestürzt sind, ist bis in die neueste Zeit oft vorgekommen. Am 11. Mai wird in das Sterbeprotokoll eingetragen: „Johann Philipp Hering, so die Gänse gehütet, in einen Graben beym Siechhauß gefallen und hatt im Wasser sein Leben schließen müssen, 71/2 Jahr alt." 1669 wird notiert: „Georg von Franckenbach im AmpiL Königsberg, welcher in seines Wirths Schkuer vom Gerüst des Nachts gefallen und des Morgens im Tenn tod gefunden wurde, seines Alters ohngefähr 65 Jahr." Offenbar hatte der Mann sich die Scheuer zur Lagerstätte ausersehen. Interessant ist die Form „der Tenn" anstatt „die Tenne", die alte Form wird heute noch auf/dem Lande gebraucht.
In der üblichen Weise wird 1670 berichtet: „Kilian, ein Kölner aus Schaler! im , Linker Lande, welcher in die Lölm gegangen, sich zu baden und ersoffen."
1672 wird beerdigt „Kathrina, Johannes Zieglers von Grünberg hinterlassene Wittib, so von einem dürren Ast, den sie im Wald von -einem Baum ziehen wollte, dergestalt verletzt worden, daß sie am 4. (Tag) hat sterben müssen, alt 59 Jahr."
In demselben Jahre stirbt in Gießen ein junger Kaufmann aus Frankreich, von ihn: heißt es: „Franziskus Caere aus Burgund von Bissant, ein Kauf-Gesell, seines Alters 27 Jahr 3 Monate."
Am 7. März 1673 wird ein Mann zu Grabe getragen, der gewiß ein vergnügtes Leben hinter sich hatte. Es heißt da: „Reinhard Ebel, alter Studiosus, aetat. (alt! 79 Jahr 11 Monat." Dieser Greis, der der alten und angesehenen Weßener Familie Ebel entstammte, war, als er das Zeitliche segnete, wirklich das, was der Student ein „altes Haus" nennt: ungefähr 120 Semester scheint er ans der Landes Hochschule zugebracht zu haben, jedenfalls war er mit den nötigen Mitteln ausgestattet, um dieses Leben der „Wissenschaft" führen zu können. Er übertrifft noch bei weitem den alten Studenten Christian Busch: denn dieser, geboren am 16. Juli 1853, gestorben am 23. April 1904, bat es „nur" auf ungefähr 60 Semester gebracht.
1673 waren die Franzosen im Lande, davon berichtet ein Eintrag aus dem Sterbeprotokolle, der den Wortlaut hat: „Ein Schäfer aus Launshach, von französischen Reitern tötlich verwundet." Hinter einem! Eintrag aus demselben Jahre findet sich die Bemerkung: „Dabey ward getragen eines Trommelschlägers Söhnlein, welches nicht angemeldet, daß demnach sein Nahm und, Alter unbekannt."
Im 17. Jahrhundert gab es Berufe, die man heute nicht mehr kennt. So starb im Jahre 1674 der „Universitätsbarbier" Christoph Muth und im gleichen Jahre „Vitus Rauchmaul, Bürger, Bender (Weißbinder) und Kastenknecht." „Kastenknecht" bedeutete soviel als Diener bei der Stadtkasse.
Im darauffolgenden Jahre scheinen die Studenten wieder mit dem Degen gesuchtelt zu haben: denn es ward beerdigt „Georg Heinrich Jugard (Jnghard), 1$ Jahr alt, starb an den von einen: Studenten empfangenen Wunden." Zwei Jahre später richten Soldaten wieder Unheil an: es wird zu Grabe getragen „Anna, Johann Hartmanns aus Großbus eck Eheweib, auf dem Trieb von einem unbekannten Reuter erschossen."
D. Petrus Haberkorn, der Superintendent, von dessen Judentaufen wir neulich berichtet haben, wurde am 16. April 1676 beerdigt. Im gleichen Jahre stirbt hier der Träger eines berühmten Namens: „Berthold Cornelius von Lützow aus Danzig, welcher in den Deutschen Ritterorden zu treten, hierher kam, aber am 28. des vorige:: Monats gestorben, feines Alters 35 Ihr 11 Wochen." Bekanntlich hatte der Deutsche Orden auf den: Schiffenberg eine Ordenskommende, in: Jahre 1809 wurde der Orden aufgehoben.
Auch- folgende Einträge mögen noch für die Geschichte der Stadt Gießen Interesse haben. 1677 „Johannes Feurbach, Bürger, Metzger und des allhiesigen Stadt-Raths Wein-Schcnck, 51 Jahr." 1678 „Bernhard Christoph Ebel, Posthalter in: Engel" und „Schweno (Sven?) von Ramm, bürtig aus Schweden, Bürger, Buchbinder und Pofthal- ter ällier zum Schwan, 47 Jahr alt." 1679 „Johann Joseph Stahl, Bürger und Con- stabel allster, welcher am 12. Jüli durch einen Miß-Schuß aus einem Geschütz gequätscht und 2 Stunden Hernach- gestorben, seines Alters 41 Jahr."
Statt „Glaser" findet sich in den Kirchenbüchern des 17. Jahrhunderts die Bezeichnung „Glasner". _ _ H. V.
Martin Luther als deutscher Mann
Luther war der Deutschesten Einer, den je unser Vaterland besessen hat. Und es wäre wirklich an der Zeit, daß religiöse Spaltung vor dieser Tatsache .Halt machte und die Deutschen insgesamt in Luther Fleisch von ihrem Fleisch und Geist von ihren: Geist erkennten und begrüßten. Luther war noch mehr als kirchlicher Reformator, er war Ur- tvpus des deutschen Volkswesens überhaupt. « Deswegen war Luther auch nicht vor vier Jahrhunderten einmal, sondern er bleibt. Licht wie auch Schatten des deutschen Gesamtwesens werden wir für immerdar von dieser Eintzelpersönlichkeit ablesen können.
. Schon seiner Blut- und Stammesanlage nach war Luther urdeutsch. Der Anthropologe Henke hat aus seinem Schädel den ,, slawisch - german isch en Misch lin g " Herl ei ton


