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Sonntagsgruß
f Gemeindeblatt für die evangelische Rirchengeineinde Gießen
^lr. H Gießen, Sonntag, 22. nach Trinitatis, den ^-November I9J7 6 Iahrg.
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Lin gutes Gewiffen
Hebr. 13, 18. Unser Trost ist der, das; wir ein gut Geivissen haben.
Es ist etwas Großes um das Bewußtsein eines guten Gewissens: es ist wirklich ein Trost, und es gibt sittliche Kraft. Unser deutscher Trost und unsere deutsche Kraft ist es, daß ivir — im Blick auf die furchtbare Blutschuld des Weltkrieges — mit dem. leichten | Sturmgepäck eines guten Gewissens mar-! schieren dürfen, wie unser Kaiser einmal tref- ^ send gesagt hat, während unsere Feinde den schweren Tornister eines bösen Gewissens schleppen müssen. Wer ein gutes Gewissen lat, darf seilte Augen frei ausschlagen und aller Welt ruhig ins Gesicht sehen: er besteht im Gericht und fürchtet keinen Menschen. Was gab dein schlichten 'Augustiner luönch von Wittenberg die sichere Ruhe uno die starke Kraft und den kühnen Mut, dort in Worms allein vor Kaiser llud Reich zu stehen und keinen Fußbreit von der erkannten Wahrheit zu weichen? Sein gutes Gewissen! ließ ihn jene Antwort geben, die lveder Hör- ncr noch Zähne hatte: „Widerrufen kann ich > nichts und will ich nichts, weil lvider das Ge-! wissen zu handeln nicht sicher und nicht lauter | ist. Ich kann nicht anders, hier stehe ich, Gott helfe mir!" So spricht das Heldentum der Wahrhaftigkeit, das auch eine Welt voll Lüge und Unrecht, voll Bosheit und Feindschaft überwindet. Aber — wer hat ein gutes Gewissen? In feinem. Punkt täuschen sich Menschen so sehr über sich selbst, als in der Frage des Gewissens. Woher hatte es der deutsche Prophet, unser Luther? Sein Gewissen war gefangen in Gottes Wort und gebunden an Gottes Wahrheit. Es war ein init Gott durch Christt Blut versöhntes Gewissen. Rur unter- dem kdreuz voll Golgatha njrrb das gute Gewissen geboren, weil fyier die Schuld der Sünde stirbt. Und darum bleibt das Lutherwort das einzige unfehlbare göttliche Rezept für alle, die den heiligen Trost und die sittliche Kraft eines, wahrhaft guten Gewissens für Zeit und Ewigkeit finden und behalten, und bewähren wollen: „Wer da will ein fröhlich Gewissen haben, das sich nicht vor Sünde, Tod, Hölle noch vor dem Zorn: Gottes fürchte, der uU ß diesen Mittler Christentum nicht aus den: Wege stoßen; denn er ist ein Brunnen, der von (Gnaden überfließt, der das zeitliche und ewige Leben gibt. Tue nur das Herz aus und halte ihn dafür, so wirst du es alles haben:
ders, denn nur geben, fließen und quellen, wenn du e§ nur glauben kannst. Dann hast du beu rechten Namen, daß man dich einen Christen heiße!" Ein wirklicher Christ — das ist ein Mensch des wahrhaft guten. Gewissens — ein Held, Kämpfer und Sieger, von Gottes Gnaden und in Gottes Kraft und zu Gottes Ehre!
Todesleid in Alt-Giehen.
(Schluß.)
1664 wird ein Philipp Murarius ermähnt und als „Apotheker und Weinzäpfer" bezeichnet. Mermals kam in diesem Jahre eine Mordtat in der kleinen Stadt vor: denn, Johannes Jodoeus Breiteubach, Student aus Wollenbrügge in Westfalen, wurde von einen: anderen Studenten erstochen.^ Wdnn es im Kirchenbuche auch heißt, daß das „unvermutlicher We^se geschehen" sei, so geht doch aus allein hervor, daß' beit Studenten der Degen und den Soldaten der Dolch sehr locker in der Scheide gesessen hat.
Einen unvermuteten Tod erlitt ein Gie ßener Bürger, der am 10. Juli 1666 zu Grabe getragen wurde, es heißt da: „Hanß Georg Opffermann, Bürge:' und Schneider, welcher aus den: Felde bey seinen Kornschnittern, nachdem er einen Haufen gemacht, dar- nider gesunken und gestorben, 71 Jahre alt."
Das Jahr 1667 brachte gleich zwei Mordtaten. Am 27. Februar ist „Christoph Sie- bert, Profoß, seines Alters 34 fahr, in der Linder Marck von einem Großen-Linder Einwohner erschlagen worden." Die Linder Mark ist die heutige Klein-Lindener Gemarkung, die Ortsbezeichnung „Klein-Linden" stammt erst aus der neueren Zeit, früher hieß unser Nachbarort „Linnes" Diese Bezeichnung wird ja auch jetzt noch im Volks- muud gebraucht. Ju den: zweiten der beiden erwähnten Fälle ist der Täter, der vielleicht ein umherstreifender Soldat war, unentdeckt aebLeben. Es hieißt da vom 31. Auguste „Henrich Gundrum, gewesener Bürger und Gastbalter zu Braunfels, welcher den 29. Tag dieses, vls er in der Sommertags- Nacht auf dem Heichelheimer Steinweg erschossen und selbsten nicht gewußt, auch noch nicht allerdings kund ist, wer der Thiäter sey.
Aus dem Jalwe 1668 werden zwei Unfälle gemeldet. Vom 21. Januar heißt es: „Barbara Maraaretba, Johann Rudolph Verdrießens Tochter, so einen Eimer Wmser


