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und den dortigen Vettern, wenn wir stolz auf den Treiklang unseres Geläutes waren, während die drüben unter dem Gerassel wie von einer Gießkanne zur Kirche und zum Grabe geleitet würden.
Nun geschah es in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts, daß ein reicher Holländer und Plantagenbesitzer auf Java in Nieder-Jngelheim sich einen Landsitz ankaufte. Mein Vater, der noch von seiner Utrechter Universitätszeit etwas Hollmrdisch verstand, kam hierdurch in einige Beziehung zu ihm. Obgleich der alte Herr selbst sich schwerlich nach einem Hasen umgedreht hätte, pachtete er für gute Freunde die gerade damals freigewordene Engelstadter Feldjagd zu dem für damalige Zeit holien Preis von 100 Gulden >und gleich auf ein Dutzend Jiahre und hielt auch! darauf einen besonderen Jagdaufseher, der dann bei meiner Großmutter Wohnung und Kost erhielt.
Da machte sich nun mein Onkel und Pate Jörgchristian, der von seiner Wohnung in der Familie der Zwerggässer hieß, an den Krösus heran und legte es ihm ans .Herz, wie die Gemeinde schon lang aus Mangel an Mitteln sich mit dem jämmerlichen Geläute behelfen müßte, und daß sie jetzt, wenn die ganze Jagdpachtsumme zusammenkäme, wohl die Mittel für Neuguß einer Glocke zusammenbrächten. Das hat den guten Mynheer so gerührt, daß er die ganze Summe für die zwölf Jahre vorausbezahlte. Und so kamen die Engelstädter mit .Hilfe ihrer Hasen wieder zu einem richtigen Geläute — jetzt ist es aber auch wieder aus mit der Freud. _
Todesleid in Alt-Giehen.
(Fortsetzung.)
Die Ermordung des Natsweißbinders Eckhard wirft ein Licht auf die unsicheren Zeitverhältnisse nach! dem großen, greuelvollen Kriege. Sicherlich schweiften damals noch Marodeure Und Räuber durch das Land. Wenn man auch mit ihnen kurzen Prozeß gemacht, sofern man ihrer habhaft wurde, und sie aufgehängt hat, so dauerte es doch lange, bis sie ganz von der Bildfläche verschwunden waren.
Von einer Psarrerstochter, die 1660 zu Grabe getragen wird, wird lobend erwähnt, daß sie ihrem Vater in seinem Witwenstande lange Jahre hindurch „ausgewartet", d. h. ilm' gepflegt habe. Am 28. Dezember dieses Jahres wird zu Grabe getragen „Herr Rudolph Medicus, des Sechzehn der Raths, Kir- cheneltester und Stadtbalbirer, 38 Jahr, 4 Monat." Dieser Mann scheint recht angesehen gewesen zu sein; denn mit 38 Jahren war er schon Kirchenvorsteher und Mitglied des Stadtrates. In seinem bürgerlichen Berufe war er Stadtbalbirer und zugleich Medicus d. b. Arzt: die ärztliche Wissenschaft war damals in Deutschland noch wenig entwickelt.
1662 wird auf dem Gießener Friedhöfe bestattet „Albrecht von Essen, bürtig von Jever aus Ostfrießland, ein Lautenist." Vermutlich ist der Fremdling, der damals in Gießen starb, ein fahreirder Musikant gewesen.
Von Unglücksfällen melden aus demselben Jahre drei Einträge: „Anna Maria, Thomas Müllers, Soldaten allhier Hauß- srau, welche auf Marien-Heimsuchungs-Tag des Abends zwischen 6 und 7 Uhr in einer Scheuer alllßer oben vom Gerüst gefallen! und sobald tods verblichen, ihres Alters 40 Jahr weniger 6 Tage." — „Johann Koir- rad Löhr, welcher über nacht in der Georg- Schantze wachen sollen, des morgens im Schantzgraben todt fun-den Wardt, alt 24 Jahre." — „Antonius Rudorfs, welcher zu Bessingen ein Fäßlein mit Aepfelwein geladen, bey Lich aber ist ihm das Pferd in einen morastigen Graben gefallen, darin es stecken blieben und ist er sampt dem Pferde erfroren, 61 Jahr alt." Dieser letzte Eintrag wirst ein Licht auf die damalige Beschaffenheit der Straßen und Wege im heutigen Oberhessen: der Unglücksfall trug sich am 28. Dezember 1662 zu.
Ein Jahr darauf wurde Johann Konrad Blad zu Grabe getragen, „welcher in eine Melancholie geriet." Aus demselben Jahre wird gemeldet: „Eberhard Stroh, Fürstl. Stückhauptmann und Zeughausverwalter, 54 Jahre, Eckhard Friedrich Stroh, der mathematischen Kunst Beflissener und Stück- senrich, 25 Jahre, Johann Nikolaus Vetz- berger, Bürger, Bender (Weißbinder) undj Feuerwerker, 54 Jahr alt. Diese dreh haben dem .Herrn Grasen zu Weilburg auf seine Heimfülwung ein Feuerwerk gefertiget, welches durch etliche Schlag auf einen Sturmschuß angangen, wodurch sie jämmerlich versengt und verschlagen worden." Das war der traurige Ausgang einer Illumination beg der Hochzeit — das bedeutet der Ausdruck „Heimführung" — des Grafen von Weilburg.
Die Verwilderung, die durch den lange andauernden Krieg im deutschen Volke Platz gegriffen hatte, geht aus einem weiteren Eintrag hervor: Am 13. August 1663 wurde beerdigt „Friedrich- Plönies, Student der Rechtswissenschaft aus Lübeck, welcher in einem vermutlichen Streit nachts verwundet worden und zwei Tage darauf gestorben war." Mit Recht ist diesem Einträge der Wunsch hinzugesügt: „Gott behüte diese Stadt und Hohe Schule gnädichlich für dergleichen traurigen Fällen!"
(Schluß folgt.)
Nachtrag su ..Au; dem Leben eine; deutschen Manne;".
JU der letzten Nummer unseres Geweinde- blattes haben wir die Aufzeichnungen, die Karl Friedrich von Kloeden über sein Leben gemacht bat, beschlossen. Die Darstellung


