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tur, Ku. einem neuen Aufstieg. Darin aber liegt uuu auch zugleich die große göttliche Lektion, die heute in einer Gegenwart, in der die Menschheitsgeschichte wiederum an einer neuen Wende steht, in der die Welt unter Blut und Tränen in gewaltigen Geburtswehen liegt, für unser Volk und für unsere Kirche zu lernen haben. Sie lautet eng und bündig: „Retornar al segno! Zurück zum Zeichen — dem Zeichen des Kreuzes!" An diesem einen ewigen Gotteszeichen müssen wir uns im kirchlichen und im völkischen Leben von neuem orientieren, soll eine „Reformation", eine „Lebenserneuerung", für die Zukunft geboren werden. Was hülfe es uns, wenn wir den Tag von Wittenberg noch so hoch feierten und das Grab des deutschen Propheten noch so herrlich schmückten, aber wir verleugneten seinen Geist und seine Kraft? Der Tag von Wittenberg ruft uns mit ehernem, hartem Klang ins Gewissen: „Tut Buße!" Und der Mann von Wittenberg greift mit seiner .Hand nach unserem Herzen: „Glaubet au das Evangelium!" Wer dieses beides tut, der hat das Jahrhundert, in dem er lebt, begriffen, nein, nicht nur eine Zeit, er hat die Ewigkeit erfaßt, der erwirbt neues Leben, mag er an hoher, verantwortungsvoller Stelle stehen oder nur einen schlichten Platz in der Welt haben, der ist ein wahrer Erbe der Reformation, der trägt seine Kirche und sein Volk durch Sturm und Drang einem neuen Tag entgegen — einem Tag der Tat. 5). Stuhrmann.
Erinnerungen einer allen Mannes.
Von Generalarzt a. D. Tr. Otto Kappesser in Darmstadt.
30. Der deutschen Glocken Krieg.
Weit, weit in ferner Zeit, aus grüner Jugend Wildnis / Grüßt mich in Lust und Leid manch wundersames Bildnis / Das winkt so lieb, das klingt so trüb von Zeiten, die vergangen. — R. Burns.
Kein anderer hat es uns so zum Bewußtsein gebracht, wie gerade im deutschen Ohr die Feierklänge unserer Kirchenglocken verwandte Saiten mitklingen lassen, wie es unser Schiller in- seinem unsterblichen Lied von der Glocke vermocht hat. Und so erklärt es sich auch, wie Hunger und Rot in dieser drangvollen Zeit unser Volk in tiefster Seele erfaßte, da unsere Kirchenglocken und Orgeln ihr Dasein zum Schutze des Vaterlandes gegen die bald nicht mehr zu zählenden Feinde zum Opfer bringen. ,
Meine Tochter, in einem badischen Städtchen wohnend, schrieb mir, wie sie kürzlich mit ihrem vierjährigen Sohn, meinem Enkel, aus daß er solches für sein Leben im Gedächtnis behalte, unter den trauernden Zuhörern stand, als dort die Glocken zum letztenmal und sich selbst zum Sterben geläutet, und dann fei die ganze Gemeinde
wie zu feierlichem Begräbnis hinter dem Wagen gefolgt, welche sie zur Bahn entführten. Auch in mir steigen traurige Erinnerungen auf bei dem Gedanken, daß jetzt auch die Glocken meines Heimatdorfes dieser schweren Zeit zum Opfer fallen sollten. Dort haben ihre wie der Orgel Klänge vor bald 88 Jahren den jungen Erdenbürger begrüßt, und sie schwebte über meinem Haupte, als ich vor 74 Jahren konfirmiert wurde. Ihr eigentümlicher Ton klingt heute noch in meinem Innern wider, und mehr als einmal geschah es mir in fernen Landen, daß ein Gleichklang mein Herz zu schnelleren Schlügen anregte. Ich habe dort noch von langher eine treue Freundin, die mich über das, was auf heimischer Scholle geschieht, gelegentlich auf dem laufenden erhält, und so berichtete sie mir kürzlich, daß an einem Montag die Orgelpfeifen und die zwei größten Glocken vom Turm herabgenomUien worden seien, leider ohne Sang und Klang, da der seitherige Pfarrer, der sich von dort weggemeldet hatte, am Dag vorher seine Mschieds- predigt gehalten und nicht mehr einen halben Tag verweilen konnte, um solchem wichtigen Vorgang die Weihe zu geben. Sie teilte mir auch die Inschrift mit, die auf der größten, der 11-Uhr-Glocke, stand und die ihr Töch- terchen sich zu' bleibender Erinnerung ausgeschrieben hatte: „Zur Andacht lad ich ein, zur Arbeit weck ich auf, zeig Feierabend an und melde der Stunden Lauf. Gott schütze Jugenheim, daß nie mein Ton erschalle bei Aufruhr, Fluten, Brand und anderem Unglücksfalle. — Gegossen zu Kaiserslautern den 7. Jünius 1822. Durch Peter Franz Maier." — Sie klagte dann auch bitter, daß die Glocken seitdem verlassen am Boden lägen. Ich suchte sie tunlichst zu trösten, indem ich! u. a. scherzweise und warnend darauf hinwies, wie ich kürzlich gelesen, daß in einem Dörfchen, ich glaube in der Rhön, die her ab gelassenen Glocken von Dieben weggeholt worden seien. Und das war wohl nicht umsonst geredet; denn bald nachher las ich in der Zeitung, daß in dem benachbarten) Engelstadt, dem Geburtsort meines Vaters und seit Jahrhunderten die Stammheimat meiner Vorfahren, da man auch die Glocken von dem uralten Kirchturm, einem 'der ältesten Rheinhessens (wie aus dem eigentümlichen Steinbild über dem Eingang hervorgeht, das oon Gelehrten als aus der Vor- karolinger Zeit stammend angesehen wurde), herabgenommen hatte, da wurde über Nacht auch die eine derselben, acht Zentner schwer, gestohlen, und auch ein zu Hilfe genommener Polizeihund konnte keine Spur von den Dieben entdecken.
Nun hatten gerade die dortigen Glocken ihre besondere Geschichte. Soweit meine Erinnerung reicht, war die eine derselben zersprungen. Weil es aber infolge der Kriege an den benötigten Mitteln fehlte, behalf mau sich weiter damit, und das gab manchmal Anlaß-zu Neckereien zwischen uns Jungen


