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griffen und sehr übel beschädiget, daß der! Sohn 5 Stunden hernach, die Tochter aber! in der 24. Stunde mit gutem Verstände und untter dem gebett gestorben."

Die Nachwirkungen des verheerenden Krieges spürt man in einer Aufzeichnung vom 12. Februar 1653.Katharina Wöls- sin ivittib von Steinbach, so in der 3. Ehe gelebt undt mit einem Soldaten unter ihnen, mit welchem sie im Kriegswesen herumb ge legen, halt viel jar des Almosens alhier ge­nossen." Mit dieser Frau ist es genau so gegangen, wie das Gustav Freytag in seinen berühmtenBildern aus der deutschen Ver­gangenheit" geschildert hat, sie war dem Heere nachgelansen, hatte vermutlich den Soldaten gewaschen und gekocht, von ihnen ihren regelmäßigen Beuteanteil bekommen, bis ein Soldat sie zu seinem Eheweib machte. Später, als das Herumziehen im Lande nicht mehr einträglich war, hat sie in Gießen vom Almosen, gewiß mich vom Bettel, gelebt. Diese den Heeren nachziehenden Frauen wa reu damals neben den Troßbuben der Schrecken der Bevölkerung, sie waren un gemein diebisch, nichts war vor ihnen sicher. Untereinander lebten sie nicht in der besten Eintracht, wie das Freytag anschaulich ge­schildert hat.

Am 18. April des genannten Jahres wird I eingetragen:Der Ehrwürdige und Hoch-| gelarte Herr Magister Justus Geilfusius. > sehr wohl verdienter Seelsorger und Mit- prediger zu Gießen auf die 18 Jahr lang, mit Begleitung und hertzlichem Verklagen der gantzen Gemein, ehrlich und christlich zur Erden bestattet worden." Das WortVer­klagen" bedeutet hier so viel wieKlagen".!

Interessant sind auch folgende Einträge:

17. März 1654:Eatharina von Lon­dorfs uf der Rabenau, so sich anhero begeben, ihr brodt und arbeit zu suchen, ihres alters 70 Jahr." Wie es damals oft der Fall war, so kannte man von der Beerdigten nur den Vornamen, sie war einfachdie Kathrin von Londorf".

10. Oktober 1654:Philipp Guntrumb. Bürger und Bender (Weißbinder > seines al­ters 58 Jahr, ist des morgens bey die Löhn gangen, weiden zu schneiden und tobt ge fanden worden."

1655:Eines Soltaten Frau, so von ihrem Eygen Mann gestochen, daß sie daran sterben mußte."

13. Februar 1656:Der Wohlehrwürdige, Wohlachtbare und Hochgelarte £>err D. Ju­stus Feuerbornius, weitberümbter und umb die christliche Kirch hochverdienter Theolo- gus, Professor Primarius, Senior, Mitpredi­ger alliier und Superintendent im Ober- fürstenthumb Hessen, Marpurgischen Theils. Seines Alters in dem 69. Jahr."

1659 wird verzeichnet:Dietrich, ein Bürger und Bot (Bote) ans Zell (Celle) des

Fürstentums Lüneburg, welcher mit Akten hierher an die juristische Fakultät geschickt und hier gestorben rst. Sein Mter ist unbe- wust." Aus demselben Jahr stammen die beiden folgenden Einträge.Johann Georg Emmichmann, $>errn Caspar Emmichmann, Burgers und Kausfmanns zu Tortmündt Sohn, seines Handwerks ein Buchbänder, welcher den zwevten Tag, nachdem er hier­hergekommen, in das Wasser gegangen und ersoffen ist."Herr Jdst Peter Eckhard, Bürger, Fürstlicher Hof- und hiesiger Stadt Raths Benner (Weißbinder), auch im Rath der Sechzehuer, welcher den 24. Juli in der Nacht gantz unverschuldeter Weise von einem Soldaten tödlich verwundet woran er den 1. August gestorben, seines Alters 44 jahr 7 Monat 3 Wochen 4 Tage. Gott verhüte hinkünftig dergleichen." Diese beiden Ein­träge spiegeln uns ein Stück Zeit- und Kul­turgeschichte ivieder. Wenn es von dem einen Manne heißt, daß erersosseu" sei, so darf man das nicht als eine derbe Redewendung anselfen, es war das der landläufige Aus­druck fürertrinken". Auch Luther schreibt in seiner Bibelübersetzung Mark. 5, 13, daß dieSäue" im Meerersoffen" seien.

(Fortsetzung folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Schluß.)

Zu Ostern kam ich außer Arbeit und hatte nun Zeit genug, mich mit Kupserstechen und mit der Gitarre zu beschäftigen: allein ich verdiente auch nichts, als was ich für die­jenigen Graveurarbeiten erhielt, die ich für einige Handlungen ansertigte. Was ich bis­her erworben hatte, war genau so viel ge­wesen, als ich gewölfulich brauchte. Ich lebte sehr dürftig, des Mittags,in der Spree­gasse in einem Speisehause für zwei Gro­schen und des Abends zu Hause ein Butter­brot. Man konnte nicht kärglicher leben. In meinem Speisehause aßen nicht gar viele Personen, in der Regel waren nur vier mä­ßig große Tische besetzt. An meinem Tische fanden sich fast alle Tage zusammen: ein alter Uhrmacher, der zur französischen Ko­lonie gehörte, zwei Zimmergesellen, eine Mamsell, die in irgendeinem Weifpvaren- geschäste nähte, und ich. Der Uhrmacher war ein Original, eine wahre Theaterfigur. Er war ganz unmodisch geUeidet, trug eineu Frack nach altem Schnitt von pflaumen­blauer Farbe mit großen besponnenen me- tallnmränderten Knöpfen, Schuhe mit Schnallen, blau und weiß gezickzacktg Strümpfe und einen kleinen dreieckigen Hut: daß der Zopf nicht fehlte, versteht sich von selbst. Die Zimmergesellen waren einfache, ehrliche, gutmütige Leute gewöhnlichen Schlages. Tie Nähmamsell war nicht mehr