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rtad) dem Kriege von 1.866 in Stücke und wurde Preußen einverleibt; der letzte nassauische L>erzog Adolf verließ sein Hei- matland und bestieg den Thron des Groß­herzogtums Luxemburg. Aber der Segen der Union blieb. In den 100 Jahren der Ent­wickelung hat die nassauische Kirche einen gewaltigen Ausschwung genommen. Reges kirchliches Leben und Interesse hat sie wäh­rend dieser 100 Jahre in reichem Mgße be­tätigt; ein reiches Vereinswesen hat sich in ihr entwickelt. Aus ihrem Psarrerstand sind eine Reihe bedeutender Männer hervor­gegangen. Dabei kommt eine besondere Be­deutung dem Seminar in Herborn zu. Dieses war ursprünglich! nichts anderes als die übrig gebliebene theologische Fakultät der tm Jahre 1584 gegründeten und 1811 eili­ge gangen en Universität Herborn. Bedeu­tende Männer haben an der Spitze des Seminars gestanden. Ich nenne August Rebe (18261895), Robert Kübel (18381894), der bekannte Tübinger Theologe, Eugen Sachse (1839 -1915), Friedrich Zimmer, der noch lebende Organisator des Diakonie-Ver­eins, Adolf Teißmann, jetzt Professor der Theologie an der Universität Berlin. Zur­zeit leitet das Seminar Professor D. Ennl Knodt, ein geborener Rheinhesse.

An gelehrten Theologen innerhalb des nassauischen Pfarrerstandes hat es nie ge­fehlt. Besonders liebevoll gepflegt wurde von jeher das Gebiet der Kirchengeschichte.^Zu nennen sind da vor allem Dekan I). >zoh. Hermann Steubing in Diez, Dekan D Christian Daniel Vogel und Kirchenrat Ernst Keller. Als Schriftsteller sind heute besonders bekannt 'der Pfarrer Fritz Philippe m Wiesbaden und Pfarrer Erwin Gros in Esch.

So hatte denn die nassauische Kirche nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, den Gedenktag an die Gründung der Union auch im Krieg festlich zu begehen. Die Feier, am 9. August ds. Js. zu Idstein begangen, hielt sich, dem Ernst der Zeit entsprechend, m j durchaus kirchlichem Rahmen. Als Vertreter > des deutschen Kaisers war Prinz Friedrich Karl voii Hessen gekommen, außerdem waren erschienen das Großherzogspaar von Baden als Nachkommen des nassauischen Herzogs- Hauses und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Die benachbarten Konsistorien von Frankfurt a. M., Hessen, Kassel, Rhein­provinz und Westfalen hatten Vertreter ge­sandt Natürlich war der Konsistorralbezirk Wiesbaden fast vollzählig anwesend. Bei der kirchlichen Feier hielt Generalsuperintendent Ohlp, selbst aus einer altnassauischen Pfar­rerfamilie stammend, die Fest predigt über Epbeser 4, 35. Es folgte die Festrede des Präses der Bezirksspnode, Dekans Schmitt, Höchst a. M., der es verstand, die Teilnehmer vortrefflich in das Wesen der Union einzu- sÜhren Nach ihm teilte Konsistorral-Prap- dent Dr. Ernst niit, daß die Synode und,das Konsistorium beschlossen hätten, die Kirche

Idsteins als Gedächtniskirche der' Union nach Friedensschluß auszubauen. Zu diesem Zweck seien aus der Bezirkssynodalkasse, dem Zen- tralkirchenfonds und der Gemeinde Idstein je 10 000 Mk. bereitgestellt worden, ebenso haben lnerfür Se. Majestät der Kaiser und König ein Gnadengeschenk bis zum Betrag von 10 000 Mk. bewilligt. Prof. D. Knodt sprach für die theologische Fakultät der Uni­versität Marburg und überbrachte die Ver­leihung der theologischen Doktorwürde an den Konsistorialpräsidenten Dr. Ernst und De­kan Schmitt. Gleichzeitig teilte er mit, daß zurzeit 14 Kandidaten des Seminars im Felde stehen, daß 731 Theologen dasselbe bis heute besucht haben und 21 Dozenten an ihm tätig waren. Endlich sprachen noch Ver­treter der Zivil- und Kirchen gemeinde Id­stein und machten Mitteilnng von einer Reihe weiterer Stiftungen im Gesamtwert von 9830 Mk. Damit war die in ihrer Art einzig dastehende Feier beendet.

100 Jahre Union! Dieser Gedanke ist bewegeiid und erbebend zugleich im Hin­blick ans das Reformationsjubiläum dieses Jahres. Er sagt uns, daß die Union heraus­gewachsen ist aus der Gemeinschaft des Gei­stes, des Glaubens und der Liebe, daß die Union nichts anderes sein will und nichts anderes sein kann als eine Kircheneinheit im tiefsten Sinne des Wortes. Alle äußeren, nur rein formalen Verbindungen sind nicht imstande, etwas Bleibendes zu schaffen. Es bleibt wahr, was Luther einmal in einer Predigt zu Wittenberg gesagt hat;Das oanze christliche Leben und Wesen sei Glau­ben und Lieben. Der Glaube ist gerichtek gegen Gott, die Liebe aber gegen den Men­schen und Nächsten: so daß wir uns gegen den Menschen erzeigen in der Liebe mit Wohltun, mit Raten, mit Helfen, wie wir Wohltat und Hilfe von,Gott empfangen ha­ben ohne unser Verdienst und Werk, umsonst, aus lauter Gnade und Barmherzigkeit!"

Toderleid in Alt-Giehen.

Wiederholt haben wir in unserem Ge­meindeblatte einzelnes aus alten Gießener Kirchenbüchern, namentlich aus denen, die die Verstorbenen verzeichnen, mitgeteilt. Un­sere Leser werden gesunden haben, daß in diesen Aufzeichnungen viel enthalten ist, das kulturgeschichtlich interessant ist. Im nach­folgenden sollen einige Einträge aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege veröffent­licht werden. Diese Einträge spiegeln die alte Zeit mit ihrer Wildheit und Unsicherheit deutlich wieder, sic berichten von Todesleid in Alt-Gießen, über das der Strom des Ge­schehens längst hinweggerauscht ist.

Im Jahre 1650 starben zwei Kinder des Stadtwachtmeisters Johann Balthasar Ro daug. lieber ihr trauriges Ende berichtet das Kirchenbuch:Alß der Flachs in der Stuben angegangen, (sind sie^ von der Flamm er-