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Heformotionsjubiläum und Union.

(Fortsetzung statt Schluß.

Tie Bevölkerung des .Herzogtums bestand ^ aus Katholiken, Lutheranern und Reformier^ ten, wobei die erstereu in der Mehrzahl wa- ^ ren und so einen Zufannnenschluß der beiden! anderen Konfessionen von vornherein nahe-i legten. Es hat denn auch an mannigfachen| Versuchen hierzu nicht gefehlt, die aber an > der Ungunst der Zeitverhältnisse scheiterten. Da brachte das Jahr 1817 die praktische Ver­wirklichung all dieser Pläne, und zwar int Hinblick auf das Reformations-Jubellest. Es i erhob sich die Frage:Wie sollen wir diesen Tag ani würdigsten begehen?" Was lag- > her, als den alten Traum in die Wirklich­keit umzusetzen und die beiden bisher ge­trennten Konfessionen, die Gott zusammen- gefügt hatte und die Menschen geschieden hat­ten, nun wieder zu vereinigen. Der Boden war günstig: dem Landesherrn, Herzog Wil­helm, lag die Sache der Union sehr am Herzen, ebenso den beiden Generalsuperinten- denten Gieße und Müller. Beider Gedanken griff der einflußreichste Staatsmann Jbell auf, und diese drei Männer stellten in voller Einmütigkeit bei dem Herzog den Antrag,; eilte Generalsynode einzuberufen,um über die Vereinigung der beiden protestantischen ( Kirchen im Herzogtum il-r wohlerwogenes > Gutachten abzugeben". Aus Grund eines ein­gehenden Berichtes über ihre Absichten und! einer ihm vorgelegten Denkschrift7 Pro­positionen zur Vereinigung der beiden prote­stantischen Kirchen des Herzogtums Nasia.i' genehmigte der Herzog die Einberufung einer Generalsynode nach Idstein. Dieselbe sollte bestehen neben den Kommissaren der Landes­regierung aus allen Inspektoren und wenig­stens ebensovielen, höchstens doppelt ,o vielen Pfarrern, deren Auswahl für diesmal den Generalsuperintendenten anheim gegeben wurde. Es ergaben sich 21 lutherische, !, reformierte Mitglieder. Am 5. August 1817 wurde die erste Plenarsitzung der Synode eröffnet, und es ist noch beute ergreifend, die Verhandlungen zu lesen, wie dieselben io ganz und gar von dein Streben nach Einig feit geleitet wurden. Bereits die dritte Ple­narsitzung am 9. Ailgust konnte dte fertig- gestellten Beschlüsse genehmigten und dem Herzog zur Genehmigung und Veröffent­lichung vorlegen. Am 11. August Unterzeich­nete dieser das hochbedeutsame Schriftstück, das dann am 23. August im Verordnungs ­blatt mit sämtlichen amtlichen Akten ver­öffentlicht wurde. Die Hauptgedanken dieses Ediktes sind dem Wortlaut nach folgende:

§ i Es sind beide in Unserm Herzog­tum mit völlig gleichen versasstmgsmäßigen Rechten bisher rezipierte protestantische Lan­deskirchen zu einer einzigen vereinigt, welche den Namen der evangelisch-christlichen fuhrt.

§ 2. Die Pfarreien und geistlichen Jn- spektionSbezirke bleiben vorerst in ihrem bis­

herigen Umfang bestehen und werden künftig lediglich nach den Bedürfnissen der Bevölke­rung mit Rücksichten auf die Verhältnisse der Ortslage begrenzt.

8 4. Die verschiedenen geistlichen Gesamt­stiftungen iverden zu einem evangelisch-christ­lichen Haupt- und Gefamt-KirchenfondS ver­einigt. ,

§*5. Tie Oberaufsicht über sämtliche evangelisch-christliche Geistliche und Kirchen wird nach einer geographischen Abteilung zwischen den jetzt an der Spitze stehender« zwei Genevalsuperintendenten der Geistlich­keit beider Konfessionen geteilt mit der Be­stimmung, daß sie in der Person des Ueber- lebenden sich vereinigt.

§ 6. Das theologische Seminarium zu Herborn bleibt zur letzten Ausbildung der Kandidaten des evangelisch christlichen Pre­digerstandes bestehen.

§ 7. In lallen evangelisch-christlichen Kirchengemeinden, wo die vormals kurpfäl­zische Kirchenordnung nicht bereits eingeführt ist, wird dieselbe vom 31. Oktober an und in der Art angenommen, daß von ben Pfar­rern nur bei den heiligen Handlmigen der öffentlichen Taufe und der öffentlichen Aus­teilung des Abendmahles die darin enthal­teile Liturgie buchstäblich beizubehalten ist wohingegen alle übrigen in dieser Kirchen- 'ordnung enthaltenen Formularien zum be liebigeir-mnd freien Gebrauch ilmen empfol-- len sind.

| (Schluß folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

So war denn nun ivieder ein Lebens­abschnitt verflossen, bedeutungsvoll für nrein inneres Leben, während es äußerlich nur die i Bedeutung der Puppe für den Schmetter- ! ling hatte. Seiit Strom hatte mich nach einer ganz andern Richtung und in ganz andere Regionen getrieben, als ivohin die Neigungs­nadel meines Kompasses gewiesen und noch wies. Fast willenlos war ich diesem Strome gefolgt, und jetzt lag ich wie ein Fisch aus- geworfen am trockiten Strande und wußte kaum, was zu beginnen fei. Jedenfalls galt : es, den Kopf oben zu belmlten. Ein neues Leben mußte ich beginnen, ich mußte es, wenn irgend möglich, meiner Neigung ge­mäß gestalten, mehr als es bisher möglich ge­wesen war: denn nur zu deutlich fühlte ich, daß meine Lehrjahre für mein eigentliches Leben bei aller Plage und Quälerei eine verlorene Zeit gewesen seien. Aber unge­achtet dieses Gefühls stand ich dennoch ratlos da und wußte noch nicht, wie zu beginnen sei.

Berlin lag voller französischer Emauar- ! tierung und mußte für den Feind ungeheure Summen ausbringen. Tie Geschäfte stockten, und nur einzelne wußte die Zeit zu be­nutzen und sich durch Lieserungsgei chatte,