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in vergangenen Xagen unb wohnen auch jetzt noch fromme, ernste Christenmenschen im Tale, Väter, die den Ihrigen mit gutem, Beispiele vorangingen, Rlütter, die in der! Treue wirkten, gehorsame, gottergebene Kim- der. Nicht leichten .Herzens sind sie von der Erde gegangen. Im Sterben mag ihnen un- | ter der Einwirkung des Abschiedsschmerzes die Empfindung durch die Seele gegangenj sein: Dich, mein stilles, stilles Tal, grüß' ich tausend-, tausendmal, nun schauen sie, was! sie einst geglaubt haben. Aber sicherlich ruhen unter dem grünen Rasen auch solche,, die nichts weniger als bewußte Christen wa-! reit. Neben tiefer Frömmigkeit zeigt sich in unseren Dörfern doch auch viel Hartherzigkeit und .Habsucht. Selch viele Männer wohnen in ihnen, deren ganzes Denken und Sinnen nicht nur aus das Erwerben, sondern auch aus das Erlisten und Erraffen gestellt I ist. Aus dem winddurchwehten Dorskirchhofe, neben dem massigen Turme schlafen auch solche, die ihr Lebenlang vom Geize beherrscht waren. Sie trachteten darnach, unerlaubt hohe Zinsen von ihren Schuldnern zu , bekommen, sie scheuten sich nicht, den armen Knecht, den besitzlosen Tagelöhner auszubeu- ten, sie verschmähten es auch nicht, gelegentlich über die Ackergrenze hinaus zu pflügen > und auf dem Grundstück des Nachbars die! Aepsel auszulesen. Sie, die sonst fest an der Scholle klebten, machten weite Reisen, um alte, absterbende Menschen dazu zu bewegen, ihnen ihre' Habe letztwillig zu vermachen!. Ja, sie scheuten sich nicht, bei Erbteilungen in der Familie die eigenen Geschwister zu üb er vorteilen. Und Frauen schlafen neben der Kirchhofsmauer, die ihr Lebenlang ohne Grund in der Familie Streit erregt und den Jihrigen das Leben zur Hölle gemacht haben. Und Söhne und Töchter sind dort bestattet, die nur nach ikches Herzens Gelüsten lebten und den Eltern viel Kummer machten.
Doch nun hat dies alles ein Ende, ^re Ernsten ruhen neben den Leichtsinnigen, der Christ, der da reich werden wollte in Gott, schläft neben dem Geizigen, das Kind des Friedens neben dem Streitsüchtigen, und Gott gibt allen nach ihren Werken., Vor seinem Richterstuhle müssen wir alle einmal offenbar werden, um zu empfangen, was unsere Taten wert gewesen sind. H. B.
ttarl Ernst ttnodt f.
Am 30. September d. I. ist zu Bensheim der bekannte Dichter Karl Ernst Knodt verschieden. Man kann Knodt wohl den einzigen, aus Hessen stammenden Dichter, der es tn der neueren Zeit in Deutschland zu großem Ansehen gebracht hat, nennen. Er war am 6. Juni 1856 zu Eppelsheim in Rheinhessen als der Sohn des im Fahre 1886 zu Nordheim verstorbenen Pfarrers Knodt geboren. Seine Jugendzeit verlebte er in Wonsheim im Kreise Alzey, wo sein Vater von 1861 bis 1877 Pfarrer war. Knodt
widmete sich dem Studium der Theologie und wurde nach kurzer dienstlicher Verwendung zu Gernsheim im Jahre 1882 Pfarrer zu Oberklingen im Odenwalde. Dort blieb er, bis er im Jalwe 1908 in den Ruhestand trat: ein Herzleiden hatte dieses frühe Zurücktreten vom Amte veranlaßt. Weil er den wichtigsten Teil seines Lebens im Odenwalde verbracht hat, so legte er sich den dichterisckien Namen „der Waldpfarrer" bei, unter diesem Namen ist er in ganz Deutschland bekannt. Man ist in unserer Zeit, in der so viele Menschen die deutsche Sprache beherrschen, leicht geneigt, einen dichtenden Pfarrer nicht gerade als einen bedeutenden Geistesheldeß anzusehen. Dieses Urteil mag in der ersten Zeit wohl auch aus Knodt angewendet worden sein, aber von Jahr zu Jahr wuchs der dichtende Odenwaldpfarrer in die Höhe, bis er in ganz Deutschland Geltung erlangt hatte. Man kann ihn den Dichter der Sehnsucht nennen, überall in seinen Versendrängt sich die Schwermut hervor, oft singt er vom Tode, überall ist der religiöse Unterton deutlich zu hören. Wunderbar schön uüd tief ist ein kurzes Gedicht, dessen Schlußvers nun an ihm zur Wahrheit geworden ist. Es lautet:
In ein Gewand aus Stille,
.Hab' ich mich, Herr, gehüllt. Gewärtig, daß dein Wille Ganz meine Seele füllt.
Ich will nichts mehr erstreben,
Als deinen Witten tun.
So werd ich heilig leben Und darnach selig ruhti.
Vor nicht allzu langer Zeit sandte uns ' der nun Heimgegangene Dichter zum M- > druck in 'unserem Gemeindeblatt zwei Ge- j dichte, die wir hier folgen lassen:
G r a d a u s!
Wann kommt der Tag, daß ich nicht mehr die Seele
in heißem Hunger aus die Menschen lege? daß ich nur noch die eine Sehnsucht pflege: wie meine Liebe ganz sich Gott vermähle.
Es gibt kein Ausgehn in der Gottesliebe, das nicht ein AusgehN aus den Menschen fodert.
Erst wenn die Flamme stracks zum HiMMel lodert,
ist ausgelöscht der slackerndste der Triebe. *
Lebe n shunge r.
Nach Leben, ew'gem Leben verlangt die Menschenbrust: nichts andres kann ihr geben befriedigende Lust.
Der Hoffnung Totenglocke, sie ist das grause Nichts; denn ob das Herz schon stocke: heim will's, ins Land des Lichts!


