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jAonntagsgruß
/ Eenieindeblatt für die evangelische Birchengemeinde Gießen
Gießen, Gonncag, 18. nac1> Trinitatis,den 7. (Oktober 1917 H.Iahrg.
Die Burgruine.
Prediger Salomos 1, 4. Eirr Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt ewiglich.
Auf einem Bergvorsprnng liegen die Trümmer der einst stattlichen Bürg, seitwärts schließt sich das Dorf an mit bescheidenen Häusern, Scheuern und Stallungen und einer mehr als einfachen Kirche. Bewaldete Höhen schauen ringsumher hernieder auf Burg und Dorf, am Fuße des Burgberges rauscht ein- Bach, und eine Mühle läßt ihr Geklapper hören. Von der alten Ansiedlung ist nicht mehr viel erhalten, nichts ist mehr da als der gewaltige Bergfried, der stärkste Turm der ganzen Anlage, und etwas Mauerwerk. Sonst das Bild, das man überall auf Burghöfen findet: dicht verschlungene Hecken, die niemand wegschasfen null, und Bäume mit dichtem Laubwerk. Es ist am umwölkten Sommertage schon herbstlich kühl an dieser Stätte, und der Sturm fegt über den Burghof. Wie ich in den Bergfried ein trete, fliegen die Dohlen auf, die sich hier eingenistet haben.
Einst war diese nun verlassene und ver wilderte Trümmerstütte die Stätte eines regen und tüchtigen Lebens. Im Mittelalter wohnte hier ein Grafengefchlecht, das über den ganz-eiH)Gau gebot und Jahrhunderte hindurch geblüht hat. Spuren der Tätigkeit dieses Geschlechtes sind landauf, landab noch erhalten: kunstvoll gegliederte Kirchen, altertümliche Amtshäuser, in der benachbarten Stadt eine Brücke, die sich in hohen Bogen über den Fluß wölbt. Aber längst ist das hochberühmte Geschlecht ausgestorben. Als der letzte des Stammes zur Gruft seiner Väter gebracht ivnrde, hat man das Wappenschild der Familie zerbrochen, ein ergreifender Vorgang, ein deutliches Zeichen, daß es nun aus war mit Turnier und Fehde, mit Bauen und Regieren, mit Lust und Leid. Der Strom der deutschen Geschichte hat sich seither andere Wege gesucht. Früher mag die Burg im Mittelpunkte des Verkelns gelegen haben, in der nächsten Nachbarschaft anderer Burgen, heute jedoch lausen die Verkehrswege anders, und die Ruine liegt seitwärts m abgeschiedener Gegend, in wenig besuchter ländlicher Umgebung. In Kirchen Und längst zerfallenen Burgkapellen schlafen die Glieder der einst so hoch angesehenen Familie, andere Geschlechter, die im Mittelalter noch im Dunkel der Armut und Dürftigkeit ruhten, sind mittlerweile hochm kommen, haben Be
sitz und Einfluß erworben und werden mit Ehren genannt. Aber die Erde rings um di e Bürg per, iß sich seit Fahr Hun derte völlig gleich geblieben. Noch dunkeln dig Wälder herein, noch rauscht der Bach wie vorzeiten, das Tal ist noch genau so geformt wie damals, da die Pferde ungeduldig im Burghof scharrten und auf das Pflaster stampften, wenn eine glänzende Gesellschaft zur Jagd und Reiherbeize durch das Burgtor ausreiten wollte. Wenn man sich dieses dort an der Trümmerstätte vergegenwärtigt, so denkt man an das Wort der Schrift: „Ein Geschlecht vergeht und das andere kommt, aber die Erde bleibt ewiglich."
Das ist eine ernste Lehre für uns Menschen der Gegenwart. Es ist dem Geschlecht unserer Tage eigentümlich, sehr viel aüs sich zu machen. Sehr vielen ist dicke leidoolle Kriegszeit deshalb willkommen, weil sie ihnen dazu dient, die eigene Person in den Vordergrund zu schieben. Draußen kämpfen sie und wehren den Feind ab, daß er nicht verheerend in unser Land eindringe, und in der Heimat gewahrt man beinahe nichts als papierne Kundgebungen, leere und billige Proteste, Reden, Feste und Deklamationen. Hindenburg hat gewünscht, daß man seinen 70. Geburtstag nicht durch, große Veranstaltungen feiern soll, trotzdem gibt es deutsche Städte, in denen man diesem Wunsche nicht nachgekommen ist und große Versammlungen veranstaltet hat. Die Menschen feiern den großen Schlack tenlenken, nein, viele feiern sich selbst. Stilles, von Pflichttreue und Opfermut getragenes Wirken steht höher als alle Schaustellungen in der Oesfentlichkeit, zumal in einer so ernsten und tränenreichen Zeit wie in der gegenwärtigen. Auch; das Geschlecht unserer Tage vergeht, wie alle vorausgegangenen Geschlechter vergangen sind. Wohl bleibt die Erde ewiglich, aber über der Erde stelt der, der da war, ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, der Gott, der da ist von Givigkeit zu Ewigkeit, der unsere Zuflucht ist für und für. _ H, B.
Keformaftonqubiläum und Union.
Ein geschichtlicher Rückblick.
Bon. H e r m a n n S t e n b i n g , Pfarrer zu Bromskirchen, früher Lazarettgeistlicher zu Gießen, lFortsetzung statt Schluß.'
Etwas Gutes hatte aber diese Bewegung dir das innerkirchliche Leben in Preußen und
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