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Interesse einer Neuerweckung entgegenzusüh-| ren suchte. Er wies nach, daß Religion und, religiö>e tteberzeugung ein Gebiet von spezi-j fischer Eigenart sei und daß sie ihren Sitz habe einzig und allein im un mittel baren, Geiühl. ^Nächtiger jedoch als all das wirkte! die schwere Zeit, die durch Napoleens Siege j über Deutschland hereingebrochen war: du Beugung unter das Joch der Fremdherr­schaft, die Ausschaltung jedes eigenen Wil­lens, sie führten das Bolt unter der Leitung kraitvoller Männer zu einem tieferen und besseren Verständnis der Religion. Schleier­macher, Ernst Moritz Arndt, Max von Schenkendors, Fichte u. a. traten nun aus und zeigten dem Volk die Quellen, aus denen es in der Not schöpfen konnte. Die religiöse Erweckung und sittliche Erneuerung, die sich zunächst in Preußen, dann ober auch bei den übrigen deutschen Stämmen einstellte, ist ja hinreichend bekannt. Diese Bewegung trug einen allgemeinen Eharakter; für Sonder­fragen und kirchliche Uuterscheidungslehreu war in dem Vottsbewußtsein Werder Platz noch Verständnis, dagegen viel Sinn und Neigung für ein Zusammengehen aller reli­giös Ernstgesinuten. Das Zusammenwirken aller dieser Strömungen brachte dann ein eigenartiges Gebilde hervor: die heilige Al­lianz, die am 26. September 1815 dieMon archen von Preußen, Rußland und Oester­reich miteinander abschlossen. In ihr finden sich religiöse und politische, pietistische und romantische Motive zusammen. In brüder­licher Liebe schließen sich drei Nationen zusammen: der eigentliche Souverän der

einen christlichen Nation istGott, un­ser göttlicher Erlöser, Jesus Christus, das 'Wort des .Höchsten, das Wort des Lebens". Freilich, zu einem praktischen Ergebnis hat diese in edler Begeisterung ge­schlossene Verbindung nicht geführt: bereits der Wiener Kongreß zeigte ilwe offenbare Bedeutungslosigkeit in offeasichtlicher Weise. Seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahr­hunderts verlor die heilige Allianz immer mehr an Bedeutung und starb schließlich an ihrer eigenen Lebensunfähigkeit.

(Schluß folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Meine Mutter ertrug die Operation

mit bewundernswürdiger, wahrhaft helden­mütiger Standhaftigkeit. Sie stöhnte sehr, aber' sie schrie nicht, die wütendsten

Schmerzen ließen es zu keiner Olmmacht kommen. Endlich war sie verbunden

uiid ins Bert gebracht. Einer der jugend­lichen Assistenzärzte blieb drei Tage uiid

Nächte bei ihr, solange die Gefahr noch groß war. Mit der Zeit wurde die Wunde kleiner und die Kräfte nahmen zu: meine Mutter konnte endlich aufstehen, zu­

letzt auch ausgel)en, und nun mieteten wir ihr eine inzwiichen leer gewordene Dachstube in der Roßsttaße, in dem nämlichen Hause, in welchem mein Oheim und ich wohnten, und ich glaubte bereits mit Zuversicht d:r völligen Genesung unserer geliebten Mutter entgegenseheii zu dürfen.

Am 14. Oktober entschied die unglückliche Schlacht von Jena das Schicksal des preußi­schen Staats. Die Nachricht davon, welche der Minister Schulenburg gedruckt an den Ecken anschlagen ließ mit der berüchtigten Phrase:Ruhe ist die erste Bürgerpflicht", verbreitete eine ungeheure Bestürzung und erfüllte mich mit tiefer WelMut. Wer da konnte, entfloh über die Oder; die Behörden gingen größtenteils ab: man suchte noch eiiiiges von dem reichen Kriegsmaterial durch die Flucht zu retten, aber das meiste blieb zurück. Bang sah man der Ankunst der Franzosen entgegen.

Am 24. Oktober zogeii die ersten Fran­zosen: Kavallerie, etiva 200 Mann, in Ber­lin ein, und stellten sich in der Spandauer Straße vor dem Rathause aus, um mit dem Magistrate zu verhandeln. Am folgenden Tage, als ich die Schloßwache bezog, rückte das ganze Davoustsche Korps schon vom Vor­mittage an durch die Stadt, über den Schloß- Platz am Schlosse vorüber durch die Königs­straße. Es machte einen grandiosen Effekt. Vor jedem Regimente der Tambour Major, stets ein großer Mann, mit seinem umfloch­tenen und mit einem dicken silberuen Knopfe versehenen Stabe, der dann und wann senk- recht in die Luft geschleudert und gewandt ausgefangen wurde; dahinter ein zahlreiches Trommlerkorps mit hellklingenden, laut- sckmllenden Trommeln, dann ein zahlreiches Musik-Korps, um die weißbeschurzfellten bärtigen Sappeure mit hohen Bärenmützen, die hellgeschliffenen Beile auf den Schultern, dann die Soldaten in weißen Gamaschen in tänzelnden, kurzgehaltenen Schritten takt- mäßig auftretend, viele noch von der Schlacht her mit verbundenen Köpfen, Armen oder Beinen, viele mit dem Kreuze der Elwen- legion geschmückt; so folgte Regiment auf Regiment, die goldenen Adler dazwischen, bis zur sogenannten Löfselgarde, die wegen ihrer Löffel am Hut, und des ihr vorausgehenden Rufes als der ärgsten Plünderer und Maro­deure der Arnree mit Besorgnis betrachtet wurden.

Am 27. Oktober- zog der Kaiser Napoleon durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Ich war nicht zugegen; denn ich konnte es nicht über das Herz bringen, den Triumph des gel'aßten Feindes meines edlen Vater­landes mit anzusehen. Ich hatte unterdessen einen 0iang nach der Wilhelmsstraße zu macheu. An der Ecke der Koch- und Wil- helmsstraße stieß ich auf einen schlecht ge­kleideten ältlichen betruukenen Mann, der auf eiuen dort zusammengefalweneu Kot- 1 haufeii zugegangen und nicht darüber hiuauck