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scheinbar von uns, daß wir ihn suchen sollen. Dann verliert «auch das schwerste Unglück seine erdrückende Wucht. Gewiß, leicht wird es nicht werden, auch im Schwersten Gottes Vaterhand zu erkennen. Doch laßt uns Gott um Kraft bitten, die Last^auch zu tragen. Dann kommt himmlischer Friede ins Herz, und wir können bekennen:
Wenn ich auch gleich nichts fühle Von deiner Macht,
Du führst mich doch zum Ziele,
Auch durch die Nacht. R.
KeformationsjubUöum und Union.
Ein geschichtlicher Rückblick.
Von Hermann S t e u b i n g, Pfarrer zu Bromskirchen, früher Lazarett- geistlicher zu Gießen.
Das Reformationsjubiläum dieses Iah-, reö lenkt die Gedanken zurück auf alle die Entwicklungen geschichtlicher Art, die die von Luther zu neuem Leben erweckte protestantische Kirche seit den Tagen seines Auftretens bis heute durchgemacht hat. Es erscheint al-ö eine besondere Gnadengabe Gottes, daß er den unter Roms Macht seufzenden Völkern! des fünfzehnten und sechzehnten Jahr- Hunderts gleichzeitig zwei Männer sandte, ine > imstande waren, durch die Kraft ihres inneren Erlebens der Menschheit das Licht in , der Dunkelheit zu bringen: Luther, i>eu i 'Deutschen, und Zwingli, den Schweizer. , Beide, jeder in seiner Art, große Männer, in sich geschlossene, kraftvolle Persönlichkeiten, einer des anderen wert. Hätten sie sich« zu gemeinsamer Arbeit verbinden können, welche Aussichten für die Zukunstsentwicklung des Protestantismus hätten sich dann ergeben! Der dreißigjährige Krieg wäre unserem Vaterland «erspart geblieben, alle die mannigjachen inneren Streitigkeiten, die schließlich- auch nach außen hin sich geltend wachten und so eine Schwächung des Protestantismus herbeisühren mußten, wären nicht gekommen.
Freilich, schon sriih haben einsichtsvolle Männer aut beiden Seiten daraus hingearbeitet, Lutheraner und Reformierte miteinander zu verbinden. Und zwar war es Martin Bueer, der Reformator Straßburgs, der vor -chlem diese Einigungsversuche in die .Hand» nalm. Ihm zur Seite stand der Landgraf Philipp von Hessen. Tie Gründe allerdings, die diesen dazu bewegten, einen Zusammen- schl"ß der deutschen und schweizerischen E a m gelischen herbeizuführen, waren mehr politi scher denn religiöser Art. Der Abschied des zweiten Reichstages zu Speyer vom Frühjahr 1529 schien den günstigen Ausgang des ersten Speperer Reichstages vom Jahre 1526 wieder zunichte machen zu wollen. Mächtiger denn zuvor stand Kaiser Karl V. da, sein Vorsatz, gegen die Evangelischen energisch vorzugehen, sollte nun mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln durchgeführt
werden. Diesen, für die Zukunft der Eoau- gelischen so gefahrdrohenden Augenblick benutzte Philipp von Hessen, um die beiden Männer, die im Grunde dasselbe wollten und doch verschiedene Wege gingen, miteinander zu vereinigen: er lud sie für den Oktober 1529 ein zu einem Religionsgespräch nach Marburg. Beide nahmen die Einladung an und erschienen mit einem stattlichen Gefolge von bewächten Mitarbeitern: Luther mit Melanchthon, Justus Jonas, Mhconius, Osiander: Zwingli mit Oecolampad, Bucer, Hedio. Philipp hatte in Liebenswürdigkeit, herzlicher Bitte und diplomatischer List alles vorbereitet, und nach den Vorverhandlungen, schien es, «als ob «die Einigung gelingen sollte, bis Luther und Zwingli sich einander gegenübertraten. Da ließ Luthers „Dies ist mein Leib" die Einigung scheitern: sein Kreidestrich, den »er über den Tisch zog, besiegelte die Trennung. Seine Leche vom Abendmahl war so schroff, daß an diesem Punkt sich die Geister schieden. Luther hätte sich vielleicht noch zu einer Verständigung bereit finden lassen, aber Zwingli lehute ab.
Die Folgezeit hat diese Unterschiede noch erweitert und vertieft. Schließlich blieb die Lehre vom Abendmahl nicht wehr das einzige trennende Moment, es kamen auch noch Unterschiede von geringerer Bedeutung hinzu, und es schien, als ob beide, Lutheraner und Reformierte, für alle Beiten getrennte Weg: gehen sollten. Trotzdem hat es an Versuchen, eine Union der beiden Parteien herbeizuführen, nicht gefehlt. Aber sie waren alle mehr theoretischer Natur, beschränkten sich meistens nur auf einzelne Pelionen und kleinere Landesteile und konnten daher zu einem praktischen Ergebnis nicht führen.
In P r e u ß e n wurde die Regierung fast sämtlicher Herrscher seit den: Uebertritt des Kurfürsten Johann Sigismund zum reformierten Bekenntnis (1613) von dem Unionsgedanken beherrscht. Der Dreißigjährige Krieg mit seinen Folgeerscheinungen war allerdings derartigen Bestrebungen nicht günstig. Reformierte und Lutheraner setzten vielmehr die Anfeindungen und Bekämpfungen über einzelne strittige Punkte in Wort und Schrift fort und erreichten damit nur, daß der trennende Graben zwiscknnr beiden Parteien immer tiefer wurde. Im Zeitalter des Pietismus Und vor allen: in dem der Aufklärung mußte darum naturgemäß eine gewisse Erschlaffung eintreten. Besonders das letztere Zeitalter brachte ein fast vollkommenes Erlöschen des Interesses für reli- aiöse Streitfragen. Ja, in den Kreisen der Gebildeten fand sich geradezu Gleichgültigkeit, die an Stelle des alten Eifers getreten war. Da war es der Berliner Prediger Friedrich Ernst, Daniel Schleiermacher, der in seinen „Reden über die Religion, an die Gebildeten unter ihren Verächtern" mit machtvollen, hinreißenden Worten dem allem entgegentrat und das religiöse Leben und


