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kräftigen Phantasie vereinigt, trieben ihn diese an sich lobenswerten Eigenschaften gar- leicht bis zur DonguixoterW. Durch daS Lesen vieler guten Schriften hatte er sich treffliche Grundsätze angeeignet, hatte ein reines Gemüt, und die Lektüre eines guten Buches gewährte ihm einen Gen uh, den er jedem anderen vorzog. Vorzugsweise war es die schöne Literatur, die ihn fesselte; wissenschaftliche Bücher interessierten ihn nicht; von i den Sprachen wußte er nichts: und selbst das Deutsche richtig sprechen oder schreiben zu lernen, war ihn: mühsam, und grainma tikalische Begriffe wollten nicht in feinen Kopf. Tie Dichter aber galten ihm unendlich viel. Seine guten Eigenschaften führten mich ihm näher. Wir kamen oft zusammen und sprachen über vielerlei, am liebftcn aherüber Geistesprodukte unserer großen Poeten und Prosaisten, von welchen er bereits sehr viele kannte, und aus welchen er mit einem überaus treuen Gedächtnisse lange Abschnitte mit flammender Begeisterung deklamierte, stets mit richtiger Betonung und guter Mimik, da er viel Schauspieler-Talent besaß. Mit einen: Enthusiasmus sondergleichen hing er an dem auch von mir sehr hoch- geschätzten Propst Haustein. Jü jeder seiner Predigten nahm er ihm gleichsam das Wort von der Lippe, und wenn er nach .Hause kam, wußte er die ganze Predigt selbst mit den eigentümlichen Redewendungen und Ausdrücken wiederzugeben. Kasimir zeigte zugleich eine so reine Gesinnung, so treffliche sittliche Grundsätze, die er besonders aus dem Studium der Gellertschen Schriften geschöpft hatte, ihn widerte alles Gemeine und Un- z edle so sehr an, daß man ihn liebgewinnen j mußte und bedauerte, daß ein solcher Edel- I stein im Kehrichthaufen lag; denn seine ganze > Umgebung, mit welcher er den Tag über umgehen mußte, war die Gemeinheit selbst. Bei den Gesellen galt er deshalb für einen Narren, und von ihrem Standpunkte aus gesehen, hatten sie recht.
Als der Sommer gekommen war, gab es wenige Abende, wo wir nicht'in der Dämmerung' oder nach dem Feierabend auf dem Flure unter der Treppe saßen und uns unsere Ansichten und Lebenserfahrungen mitteilten oder das Werk irgendeines Heroen unserer Literatur zum Gegenstände unserer Betrachtungen machten. Wir redeten uns oft förmlich in die Begeisterung hinein und verlebten auf diese Weise viele erhebende und genußreiche Stunden. Des Sonntags machten wir gemeinschaftliche Spaziergänge, doch nicht gerade um Menschen zu sehen, und bald waren wir die innigsten Freunde, die jeden Genuß miteinander teilen mußten. So besaß ich denn, was ich lange gesucht hatte, einen Freund ? —
Wenn dadurch von der einen Seite ein heiterer Lichtblick in mein Leben schien, so
fiel von der anderen ein tief dunkler Schatten hinein. Meine arme Mutter ging sehr bösen Tagen entgegen: sie war an einem Krebsleiden erkrankt und mußte operiert werden.
In der zweiten Hälfte des September fand die Operation statt, der ich beiwohnte. Ich beschreibe sie nicht, denn noch immer tut mir das .Herz weh, wenn ich daran deüke. Nie in meinem Leben ist niir so furchtbar zu Mute gewesen. Es wurde mir schwarz« vor den Augen; das Zimmer drehte sich mit mir, und ich war im Begriffe umzusinken, als einer der jüngeren Assistenten, deren mehrere dabei waren, hinzusprang und mir ein Glas Wein einflößte.
(Fortsetzung folgt/'
Uleine Mitteilungen.
Unter den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges hatte auch das Städtchen Meisenheim am Glan, unweit der jetzigen rheinpreußischen und rheinbayerischen Grenze gelegen, zu leiden. Die Sitzungsprotokolle des dortigen Presbyteriums (Kirchenvorstandes) geben davon Kunde. Rührend und wie eine schmerzliche Klage lautet folgende Stelle aus dem Protokoll' vom 6. Februar 1642: „Ist auch von den Censoren (Kirchenvorstehern) vor gut angesehen mtb nach Beredung beschlossen worden, daß hinfüro in den gewöhnlichen Betstunden, sonderlich nach dem Gebet, jedesmal ein Gesetz (Vers) aus dem Gesongk: „„Gieb Fried zu unserer Zeit, o Hem!"" gesungen werde." Wie entspricht die Bitte „Gib Fried zu unserer Zeit, o Herr!" jetzt auch unserer Gemütsverfassung ! _
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 23. September.
16. nach Trinitatis.
G o t t e s d i e n st.
In der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr,. zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde Pfarrer Schwabe. — Vormittags 9y 2 Uhr: Pfarrer Mahr. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr.
In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- l ten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer i Ausfeld. — Vormittags 9y' 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde Pfarrer ! Bechtolsheimer. — Nachmittags 2 Uhr: Im ; K o n f i r m a n d e n s a a l (Liebigstraße 56) Taubstummengottesdienst. Pfarrer Bechtolsheim er — Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johann es aal. — Mittwoch, den 26. September, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde.
! Pfarrer Bechtolsheimer.
Der.'ntwortNch : <Marrer Bechtolsheimer Druck und Verlag der Drühl'schen Universitäts-Buch- nnd Steindruckerei
N. La?>ae. Giehen.


