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in sinniger Weise zu begel>en. Tee Zug der mit grünem Laubwerte geschmückten Kinder ist gewiß eindrucksvoll gewesen. Der Herbst 1817 18 stand noch unter den Nachwehen des vorausgegangenen Hungerjahres 1816 17, aber man konnte doch jeden: Kinde aus Kosten der Stadt eine große Butterbretzel schenken, was uns in diesem Jahre nicht möglich i>t. Die Frage erhebt sich, ob wir nicht auch in diesem Jahre, einem schönen alten Brauch folgend, einen Lutherbaum pflanzen sollen, wie das 1817 allerwärts, so auch in Großen- Linden geschehen ist. Die hier erivahnte Gie- ßener Landwelw war 1814 nach preußischem Muster auch in Hessen begründet worden. Es handelte sich in Hessen jedoch nicht um eine Feldtruppe, sondern zunächst nur um eine Art Bürgerwehr. Wenige Jahre nach ihrer Begründung ist die hessische Landwehr wieder ausgelöst worden. Interessant ift der Ausblick Johann Heinrich Schasfstädts, der für seine Nachkommen schreibt, auf das Jalr 11)17 Daß damals allgemein die Union, die Vereinigung der Lutheraner und Reformierten zu einer Kirche, freudig begrüßt wurde, geht aus der Schlußbemerkung hervor. Diejenigen, die das Elend der religiösen Zersplitterung der Evangelischen gefühlt hatten, waren froh, als nach laugen Vorbereitungen das Einigungswerk gelungen war. _ _
Line späte Erkenntnis.
In seiner neuesten Schrift „Freie Religion", Vorschläge zur Weitersührung des Reformationsgedankens, kommt Artur Drews, der bekannte Karlsruher Professor, der nachzuweisen gesucht hat, daß Jesus nie gelebt habe ( !), zu der Erkenntnis, daß in den freireligiösen Gemeinden unhaltbare Zustände herrschen, ein Durcheinander der verschiedensten Anschauungen von der schwärmerischsten Mystik bis zur völligen Verneinung aller Religion. Tie „Freie Religion" ist nach seinen eigenen Worten bisher „ein ziemlich unklares' und verschwommenes Gemisch aller möglichen Ideen" gewesen. Jetzt dämmert auch bei Drews die Erkenntnis, daß „religiöse Gemeinschaften dauernd nur durch gemeinsame Ueberzeugungen und grrmdsätzliche Uebereinstimmung in den letzten Fragen, das heißt durch bestimmte Richtlinien ihres Glau *
bens, zusammengehalten werden".
„Nur eins kann helfen, das Bekenntnis zu bestimmten klaren und verläßlichen Richtlinien des Glaubens".
Wie lautet nun das endlich gefundene ,Dogma" der Freireligion? Wir setzen das '.Bekenntnis" vollständig hierher, weil es sich selbst am besten das Urteil spricht:
„Ich glaube an Gott, den Träger der Weltordnung und Begründer der- Weltzwecke, den unbedingten allwissenden und allmäch- tigen. in seinem Wesen über Raum und Zeit, in seinem Wirken über die Schranken des
Bewußtseins und der Persönlichkeit erhabenen absoluten Geist, das Wissende in allem Wissen, das Wirkende in allem Wirken, das als Wesen aller Wirklichkeit zugrunde liegt.
Ich glaube, daß die Well die Erscheinung Gottes ist, die in Raum und» Zeit hiuaus- strahlte, im Lichte des Bewußtseins offenbar werdende Fülle seiner Gedankeii und Kräfte, durch welche Gott im Menschen zum Bewußtsein seiner selbst gelangt, um vermittelst seiner seine Zwecke zu verwirklichen.
Ich glaube, daß der Mensch, als bewußtgeistige Persönlichkeit, die Kraft besitzt auf Grund seiner wesenlMften Einheit mit Gott, sich selbst von den Schranken der Endlichkeit, der Schuld und den: Uebel, zu erlösen, durch die hiermit vollzogene Willenseinheit mit Gott an der Verwirklichung der göttlichen Zwecke teilzuuehmen und dadurch zum Frieden zil gelangen, der als solcher Gottes Friede ist."
Dunkel ist der Rede Sinn, — so schreibt hierzu die „Evangelische Volkskorrespondenz" — wie ein lebloser Schatten aus der Stu- dierstube eines Philosophen, so mutet dieses Glaubensbekenntnis an. Denken wir nur einmal dagegen an das wuchtige, kraftvolle Glaubensbekenntnis unserer Kirche, das Leben atmet und Leben spendet, dann wird uns der Unterschied so recht klar zwischen einer auf Menschenlehre aufgebauten „Religion" lind der aus Gottes Kraft geborenen Religion des Lebens. _
Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.
(Fortsetzung.) ,
Wir wohnten noch nicht lange daselbU, so suchte einer der Leute des Pfefserküchler- meisters, besonders wenn ich des Abends wegging, mich anzusprechen und eine Unterhaltung anzuknüpfen. Ich hielt ihn anfangs für einen Gesellen, da er stark und voll aussah, und zwanzig und einige Jahre zählte; es ergab sich aber, daß er noch Lehrling war, der indessen bald ausgelernt hatte. Er hieß Friedrich) Kasimir uiid war aus dem Dorfe Rosengarten bei Frankfurt an der Oder gebürtig, wo sein Vater ein armer Landmann war. Er hatte die Bäckerprofession in Berlin gelernt, war Geselle geworden, hatte aber an der Bäckerei keinen Gefallen gefunden und sich deshalb entschlossen, Pfefserküchler zu werden, weshalb er als Lehrling bei Mühke eingetreten war. Er besaß sehr dürftige Schulkenntnisse, wie sie seine Dorfschule gewährt. Aber er hatte eine natürliche Beredsamkeit und einen gesunden Verstand, der freilich durch eine unendlich lebhafte Einbildungskraft weit überwogen wurde Dabei war er gutwillig, dienstfertig, oft bis zum Exzeß, lebhaft entbrannt für alles Edle, Schöne'und Gute, das er gar zu gern in der We't verwir'licht. wie das Schlecht- und Böse abgestellt gesehen hätte. Mit seiner über-


