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Weg. Er weiß, daß Gott ihn führt und nie die Hand von ihm läßt: mit sanftem und stillem Geist begegnet er den Menschen und tut er sein Dagewerk. Der Gottesmensch die­ser Art sieht daraus, daß sein Aeußeres im­mer in Ordnung ist, er gestaltet sein Heini traulich und wohnlich, aber er richtet sich stets nach den Worten Terfteegens:

Schmückt euer Herz aufs beste,

Und mehr als Leib und Haus:

Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus.

Wir gehen ins Ewge ein:

Mit Gott muß unser Handel

Im .Himmel unser Wandel

Und Herz und alles sein. H. B.

Das Giehener Keformationsfeft des Jahres 1817

In Nr. 1b desSonntagsgrußes" vonc Jahre 1010 habe ich einen Artikel veröffent­lichtDas Resormationsfest zu Gießen in den Jahren 1617 und 1717." Am Schlüsse hatte ich auch einige Mitteilungen über das dreihundertjährige Resormationsfest vom Jahre 1817 gebracht, allerdings voraus­schicken müssen:Ueber das Resormations­fest des Jahres 1817 ist uns vvrläusig nichts Näheres bekannt, wir hoffen jedoch, darüber noch etwas in Erfahrung zu bringen." Dieser Wunsch, unseren Lesern gerade jetzt, da das vierhundertjährige Reformationsfest vor der Tür steht, etivas Näheres darüber Mitteilen zu können, ivie ihre Urgroßväter das Fest vor ländert Jahren gefeiert haben, ist unerwartet in Erfüllung gegangen. Herr K o m m e r z i e n r a t Schaffstädt hat nämlich die Güte gehabt, mir Auszeichnungen seines Urgroßvaters, Ioha n n Heinrich S cha f f st ä dt , über dieses Fest zur Verfü­gung zu stellen. Johann Heinrich Schaffstädt, geboren imJalre 1751, gestorben am l5. Fe­bruar 1823, war ein sehr intelligenter, vaterländisch gesinnter Mann, der das Le­ben seiner Zeit mit regem Interesse ver­folgt hat. Da seine Aufzeichnungen nur. für seine Nachkommen und ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, so sind sie stellenweise sehr kurz gehalten. Zum besse­ren Verständnisse für die Leser unseres Blat­tes labe icfi einige wenige Worte in den Text eingeschoben, diese Worte aber in Klam­mern gesetzt. Gleichfalls des besseren Ver­ständnisses halber habe ich die Rechtschrei­bung der Zeit vor hundert Jahren der heuti­gen angepaßt. Johann Heinrich (früher schrieb man immer Henrich! Schaffstädt schreibt:

1817, den 31. Oktober, ist allhier so wie in allen -evangelischen Landen das dreihun- dertjährige Reformationsfest drei Tage ge­feiert (worden! von wegen unserem Reli­gionsstifter Doktor Martin Luther, da der­selbe 1517, den 31. Oktober, aufgetreten ist, -er) hat das Helle Licht des Evangeliums

wieder auf den Leuchter der Wahrheit Gottes gesetzt. Hat also das Dunkel und die Jrr- tümer der Pfaffen und Priester, womit sie die Menschheit der damaligen Zeit verführt, (erlMllt). Hat der Mann Luther als Werk­zeug Gottes sein Glaubensbekenntnis in Worms öffentlich vor der ganzen Welt ab­gelegt und zu Gottes El>r bestanden. Dieses Fest, welches wir gefeiert, fiel also der 31. Oktober auf einen Freitag, wo Tags zuvor mit Lautung aller Glocken eine ganze Stunde von 5 bis 6 Uhr der feierliche Tag war angezeigt. Der erste Tag war ein heili­ger Tag jedem evangelischen Clwisten, auch wurde das heilige Abendmahl gehalten, der zweite Tag war ein festlicher Tag unserer Schulkinder beiderlei Geschlechtes. Tie Mägd­lein alle weiß gekleidet mit grünen Kränzen auf den Köpfen, die jungen Knaben alle Zweige auf den Hüten oder Kappen. Ter Zug der Schillkinder geschah von allhiesigem Rathaus mit ihren Lehrern. Darnach kam unsere Geistlichkeit mit Kirchen- und Schul­rat, nach denselben kamen unsere Rats­schöffen nebst Stadtovrstand, auch war unsere ganze Landwehr in Gala und begleitete den Zug mit Gewehr und Waffen. Oben auf dem Trieb mar ein Platz zurecht gemacht, allwo eine junge Eiche gesetzt wurde, welche von den Kindern begrüßt und von Herrn Doktor und Professor Diefenbach den Namen bekommen Luthers Eiche. Von mehreren Herren Geist­lichen schöne Reden gehalten dem großen Mann Luther (zu Ehren). Darnach geschah der Zug wieder zurück nach dem Rathaus. Da bekam ein jedes Kind eine große Butter­bretzel, waren über 500 Kinder. Des Nach­mittags um 3 Uhr war Katechismus lehre in der Kirche. Des Abends ivurde das Rathaus beleuchtet, welches mit schönem Eichenlaub­werk schon etliche TageVzuvor war geziert worden. Ter dritte Tag war Sonntag. Der­selbe wurde wie gewöhnlich gefeiert. Und da ich solches niederschreibe, stehe ich in meinem 66. Lebensjahr, um meine Kinder und deren Kinder und Nachkommenschaft von Luthers Fest zu belehren, wenn es in hundert Jahren wieder gefeiert wird, welches geschieht 1917, den 31. Oktober, wer solches erlebt. Noch muß ich meiner Nachkommenschaft melden, daß auf nämlichen Tag viel Gutes und.Hoch­löbliches in beiden Religio ns verwandten (heißt so viel als in beiden Religionsgemein­schaften) zugetragen. In den preußischen ganzen Lander: haben die Reformierten und Lutheraner zu einer Neligionspartei sich be­geben, welches in mehreren Ländern auch ge­schehen."

Wir haben hier die Beschreibung des Re­formationsfestes des Jahres 1817 von einem Gießener Bürger, der augenscheinlich mit in­nerer Anteilnahme und großem Verständ­nisse das Fest mitgefeiert hat. Ausführlich schildert Schaffstädt namentlich das Jugend- sest am! zweiten Festtage. Jedenfalls haben es die Vorfällen verstanden, das seltene Fest