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schen Religion zugetlian war, hat er sich doch vor seinem Ende mit Mund und Hertzen zu der reinen Eoangeliscki-en bekennet, auch da­rauf das h. Abendmahl begehret, das ihm ge­reicht worden, wonach er bald sanft und selig entschlafen, seines Alters 33 jahr."

Jedenfalls ist der Schmied, der die Ba­gage - das heißt aus deutsch : das Gepäck des Landgrafen nach Gießen brachte, krank hierher gekommen, und,man hat es alsdann mit ihm geinacht, wie es im Zeitalter der Gegenreformation, in dem man damals lebte, katholische Geistliche auch in vielen Fällen mit Evangelischen gemacht haben.

Ein Jahr daraus trug sich hier ein ähn­licher Fall zu. Das Kirchenbuch berichtet: Johann Adam Köhler, Buchtrucker Gesell von Würtzburg, welcher der Bäpstischen Re­ligion zugethan gewesen, hat sich aber zu unserer religion bekairnt und das h. Abend­mahl enipfangen, seines Alters 22 I." Auch dieser junge Mann hat aus dem Sterbebett seinen Glauben geändert.

Mit Vorliebe scheint man im 17. Jahr­hundert Juden getauft zu haben, und von einer jeden Judentaufe hat man in Gießen ein großes Aufheben gemacht. Im Tauf­buche der Burgkirche, das betitelt istDer Gießischen Guarnison oder Burgk-Kircheu- Gedcnk-Buch" hat man unter dem 9. Juli 1682 folgendes verzeichnet:Sonntag, den 4. nach Trinitatis ist ein Jud aus Pohlen, bey 58 Jahren, nahmens Löw Moyses Meier getauft worden, nachdem er vorher in unserer christlichen Religion unterrichtet worden und sein Glaubensbekenntnis in öffentlicher Ge­meind vor dem Tausstein gethan." Wie wich­tig man es mit diesen Taufen erwachsener Juden genommen hat, geht daraus hervor, daß der damals regierende Landgraf und einige adlige Herren die Taufpaten waren.

1686 vom 1. August wird gemeldet:Ist ein Jude aus Friedberg. Joel, getauft wor­den und Philipp Christian genannt. Gott sei Dank für seine Erleuchtung. Er lasse sie ihm kräftig und beständig sein zum ewi­gen Leben durch unseren Herrn Jesu'M Chri­stum. Amen."

Diese Taufen erwachsener Juden hat zu­meist der Superintendent und Professor Pe­ter Haberkorn, gestorben 1676 sein lebensgroßes Standbild ist in der alten Friedhofskapelle zu sehen vollzogen. Von seiner Hand findet sich in dem Kirchenbuche ans der schon mehrfach bezeichneten Zeit der Eintrag:Ludwig Christian aus dem Jüden- tbumb zum christlichen Glauben durch Gottes Gnade geführt ans Prag in Böhmen bürtig, eines Rabbi Solch."

Ihren Höhepunkt erreichten diese Tauf- bandlungen mit einer Feier, die im Jahre 1670 in der Stadtkirche statt'and. Auch der Eintrag über diese Amtshandlung rührt von Haberkorns Hand her, der sonst selten Taufen vollzog, sich die Judentaufen anscheinend aber nicht nehmen ließ. Haberkorn schreibt:

1670, 31. Juli sindt sieben Personen, welche Juden bisher gewesen, als Batter und Mut- ter mit vier Kindern, und noch eine ledige Adannsperson, nachdem sie vorher in dem christlichen Glauben fleißig unterrichtet wor­den, auch sich zu demselben öffentlich bekannt haben, getauft worden aus Jesum Christum in öffentlicher, sehr volkreicher Gemein und sehr großen Menge Volcks, Einheymischer und Frembder; dem Batter ward der christ­liche Name gegeben Ludwig Christian, der Mutter Sophie Christina, der ledigen Mannsperson Georg Christian, dem ältesten Solm der Eltern Friedrich Christian, der äl­testen Tochter Elisabeth Christina, der zwey- ten Tochter Dorothea Christina, der jüng­sten Tochter Juliane Christina. Gevattern: Landgraf Ludivig, seine Gemahlin Elisabeth Dorothea, die verwitwete Landgräfin Sophia Eleonora zu Darmstadt, Landgraf Georg zu Böhla und Gemahlin Alexandra Juliaua, die beiden Prinzen zu Darmstadt Landgraf Ludwig und Landgraf Friedrich, der Graf von Kirchberg, Präsident zu Darmstadt, die sämtlichen Corpora, geistliche und weltliche, die Universität, die Regierung zu Gießen, General Baumbach, die sämtlichen Ganerben im' Busecker Tal. Gott gebe gnädiglich, daß diese getauften Christen beständig bleiben und ewig selig werden in Christo Jesu. Amen."

Man sieht, daß man aus dieser Juden­taufe eine hochbedeutsame Staats- und Kir­chenaktion gemacht hat. Nicht in der Stille, etwa im Pfarrhause oder in der Sakristei der Kirche, wie man jetzt wohl Erwachsene tauft, hat man diese Taufen vollzogen, sondern feierlich am Sonntagmorgen vor der ganzen Gemeinde. Jedenfalls hat man diese Feier vorder gehörig bekannt gemacht, sonst hätte sich wohl nicht eine sovolkreiche" Gemeinde eingefunden. Gewiß feat die Neugier viele in das Gotteshaus geführt, man wollte die seltsamen Mm scheu sehen, die seither Juden gewesen waren und nun Christen werden wollten. Sicherlich hat Man in diesen Tagen in den Wirtsstuben, auf den Straßen, in den Häusern und in den Werkstätten viel von dieser Judentaufe geredet, und vielleicht haben noch die Großväter um das Jahr 1730 ihren Enkelkindern davon erzählt. In einem späteren Einträge, den wir gleich noch Mit­teilen werden, ist gesagt, es seien viele tau­send Menschen in der Kirche gewesen. Das kann nicht stimmen:,denn viel mehr als 1000 Menschen wird die alte, im Jahre 1809 niedergelegte Stadtkirche nicht gefaßt haben. Aber- tvelch ein Aufwand von vornehmen Pa­ten bei dieser Taufe! Die Höchstgestellten des Landes, die natürlich nicht alle zugegen waren, werden im Taufbuche genannt. Voran das hessische Fürstenpaar, Landgraf Ludwig und seine Gemäblin Elisabetha Dorothea, die verwitwete Landgräfin, alle Notabeln der Stadt Gießen und der in der Näbe wohnende hessische Adel. Man muß es in den Kreisen des Hofes und der Geistlichkeit damals als