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Hannchen empfing mich sehr- freundlich und mar fast allein; denn nur der fünfjäh­rige Sahn ihrer Herrschaft, den sie beauf­sichtigte, leistete ihr Gesellschaft. Die Herr­sch«,t mar ins Theater ge,ahren, und so lange, bis diese zurückkehrte, mar Hannchen frei. Ich setzte mich zu ihr auf das Safa; der Knabe spielte im Zimmer still uml>er. Wir sprachen von den vergangenen Zeiten, von Bekannten und Verwandten, von sehr vielem, aber doch nicht von dem, womit ich mich in Gedanlen getragen hatte. lieberHaupt fand ich mich in ihrer Gegenwlart weil ru­higer, als ich mir gedacht hatte und als ich vorher geivefen war. Die Gegenwart setzte meiner Phantasie einen Dämpfer aus. Unser Gespräch mar freundlich, selbst herzlich, aber die ganze Welt hätte es hören können. Selten leistet die Wirklichkeit, was die Einbildung, veriprochen. Dennoch kam nach wenigen glücklichen Stunden die Zeit meines Auf­bruches rascher heran, als mir beide gedacht hatten. Ich verabredete mit ihr, sie am näch­sten Mittwoch, dem Bußtage, wo sie frei war, weil die Herrschalt dann nach Potsdam ging, nachmittags um 2 Uhr abzuholen, um ihr

den Tiergarten und Eharlottenburg zu zei­

gen, welche Orte sie zu sehen wünschte.

Ich war ruhiger geworden. Am Mittwoch holte ich sie ab. Das Wetter war trübe und kalt. Ich führte sie durch den Tiergarten, der noch ziemlich winterlich aussah; denn ivir waren im April, und die Bäume knosp­ten erst. Dann gingen wir nach Charlotten­burg und in den Schloßgarten. Wir ver­lebten die Stundet: in froher Herzlichkeit und Innigkeit. Als es dunkel zu werden anfing, fuhren wir nach Hause und gingen mitein­ander ins Theater, wo wirNathan der Weise^ sahen. Die Herrschaft wollte in der nächsten Woche abreisen, und bis dahin konnte Hannchen, lute sie mir sagte, keine Stunde über sich verfügen. Wir versprachen einander zu schreiben, und ich war genötigt, schon jetzt Abschied von ihr zu nehmen. Ich habe sie nicht tvieder gesehen.

Ich wurde jetzt von einigen Hausdieu- sten befreit, da der Oheim endlich dahinter gekommen war, daß er meine Kräfte vor­teilhafter benutzen könne, tvenn er mich am Werkbrette beschäftigte. Dennoch blieben für mich immer noch eine gute Anzahl solcher Dienste übrig. Die Bestellungen hiatten sich übrigens dermaßen vermehrt, daß außer dem vorher erwähnten zweiten Lehr burschen, des­sen Vater ich noch zuweilen besuchte, end­lich auch ein Geselle angenommen wurde. Einen großen Teil dieses günstigen Erfolges glaube ich mir und meiner Tätigkeit, wohl nicht mit Unrecht, zuschreiben zu dürfen; denn während der Oheim sonst nur allein ar­beitete. batten jetzt vier Menschen vollauf zu tun. Der neue Geselle aber klagte bitterlich über das schlechte Werkzeug und jene, die Ar­

beit sehr beengende Methode, alle Materia­lien grv sehen weise zu kaufen.

Wir wechselten zu Michaelis unsere Woh-- nung und zogen nach der Kurstraße, wo ich eine eigene Kammer zürn Schlafen erhielt. Unterdessen war mein Gemüt ruhiger gewor­den. Die Aeußerungen meiner Mutter über .Hannchen hatten viel gewirkt; schwerlich aber hätten ,ie das getan, wäre das schöne Kind am 1 Orte geivefen, und hätte ich sie öfter ge­sehen. Die Entfernung ist ein wirksames Ab­kuhlungsmittel. Wir schrieben uns noch von Zeit zu Zeit; aber sie lag nachher lange an einer schweren, schmerzhaften Krankheit dar­nieder und ich hörte nichts von ihr. Als ich dann endlich an sie schrieb und ihr Vorwürfe machte, daß sie, wie es schiene, kaltsinnig gegen mich geworden sei, schrieb sie einen recht herzlichen Brief, schilderte ihre Krank­heit und versicherte mich, daß sie noch immer gegen mich wie früher gesinnt sei. Damit aber hörte unser Briefwechsel auf, und ich habe nichts weiter von ihr vernommen, als daß sie einen Jüsttzbeamten in der Neumark geheiratet habe. Mochte ihr Wesen sein lvie es wollte, eine angenehme liebe Erschei­nung ist sie mir gewesen; stets habe ich mit Vergnügen an sie zurückgedacht, und so flüch­tig sie mir auch vorüberging: ans mein Leben ist sie dennoch von tiefem Einflüsse gewesen. Kein Mädchen hat jemals aus mich einen so überwältigenden Eindruck hervorgebracht, als sie bei ibrem ersten Besuche; allein die­sem Eindrücke fehlte die Nachhaltigkeit, ob durch meine oder ihre Schuld, das wage ich nicht zu entscheiden. Ilr Andenken aber wird mir immer teuer bleiben.

(Fortsetzung folgth

Airchliche Anzeigen.

Sonntag, den 9. Se p t e m b e r.

1 4. na ch Trinitatis.

Kollekte für den Pfarrhausbau in .Hammel­bach.

G o t t e s d i e n st.

3n der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier­ten aus der Morküsgemeinde. Pfarrer Schwabe. Vormittags 9* * Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr; Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr.

- Mittwoch, den 12. September: Kriegs­betstunde. Pfarrer Schwabe.

In der Ashannerkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich C leisten lehre für die Neukonfirmier­ten aus der Iohannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Vormittags 9 1 2 Uhr: Pfarr- assistent Lic. Reuning. Vormittags 11 Uhr; Kinderkirche für die Lukasgemeinde Pfarrassistent Lic. Reuning. Abends 8 Ulr: Bibelbesprechung im Iohannessaal.

orontroortlidi : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch-und Stein drucke,-<>

N. Lange. Gießen.

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