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getauft, und aus seinen Zeilen sprühen die Feuergarben einer Welt von Krieg und Tod und Tränen. _
Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.
(Fortsetzung.)
Diese Methode, lausend zu galoppieren, war eine ältere Angewöhnung von mir, und unbewußt begann ich ost ol)iue Zweck und Veranlassung fortzustürzen, bis irgend em Umstand mich zum Stehen brachte, ^zn Fallen, wie der eben erwähnte, hat mir das sausen aber doch auch gute Dienste geleistet, da ich nicht leicht vor einem Bttderladen oder einem Trödelplatze mit älteren Büchern vorübergehen konnte, ohne die Bilder zu betrachten oder aus bcu Büchern einen Gedanken aulzuhaschen, den ich während des Galopprererts verarbeitete. Es hat mir Mühe gekostet, nnch dieser (Gangart zu entwöhnen.
ES begann das Jahr 1804. Am 10. Januar hielt die Neuvermählte Prinzeß Wilhelm von Preußen aus Hessen-Homburg ihren Einzug in Berlin. Unser ganzes Haus war in Bewegung, und auch ich erhielt Erlaubnis, aus eigene Hand den Einzug anzu- sehen. Ich beschreibe ihn nicht; denn er Nt in der Zeitung nachzulesen. Aber ich befand mich mit auf der damaligen, jetzt nicht mehr vorhandenen Opernbrücke im furchtbarsten . Gedränge, als dort eine Anzahl von Menschen totgedrückt und totgetreten wurden. Ich bin aus der Brücke mit den Füßen nicht auf der Erde gewesen, sondern eingekeilt von Menschen wurde ich hinübergetragen, und mün hat mir. bei dieser Gelegenheit mein Taschentuch gestyhilen. Seit der Zeit habe ich mich gehütet, mich wieder in dichtes Volksgedränge zu wagen.
'Abends saß ich und trieb Mathematik. ^ch fing an, mir ein Heft der notwendigsten geometrischen Lehrsätze auszuarbeiten. Doch schritt ich langsam vorwärts, weil es viele Abende gab, an denen ich nicht für mich arbeiten konnte. Das Italienische konnte ich im Winter aus Mangel an Zeit und Licht nur wenig treiben und wußte es für den Sommer aufsparen. .
Bald nach Ostern erhielt ich einen Besuch: eine ehemalige Schulkameradin von mir, namens Johanna T.... Sie war die Tochter des herrschaftlichen Kochs in Fried- land, halte die Schule früher verlassen als ich, beschäftigte sich mit Näherei und anderen weiblichen Arbeiten für die dortigen Honoratioren und galt für ein geschicktes Mädchen. Ich batte sie nach ihrem Austritte aus der Schule selten gesehen und sic aus den Augen verloren. Jetzt war sic ftammerjung- fer auf einem adligen Gute in der Nähe von Friedland und batte ihre Herrschaft nach Berlin begleitet, die sich hier nur einige Wochen auihalten wollte, um dann mit ihr
weiterzureisen. Meine Mutter l)atte ihr ein Schreiben mitgegeben und empfahl sie mir darin. weil sie in Berlin ganz und gar keine Bekannten l-atte.
Mich überraschte der Besuch außerordentlich. Es war der erste, den ich je empfing. Das Mädchen war hübsch geworden, hatte sprechende Züge und schöne Farben, sah wie die Gesundheit selber aus, hatte etwas sehr Einnehmendes in ihrem ganzen Wesen, -var gut gekleidet und benahm sich fein und angenehm. Sic war gegen mich sehr freundlich und zutraulich, und mir tat es ivohl, ein- nml wieder ein aus früheren Zeiten b.kann- tes Gesicht zu sehen, das die Spielplätze meiner Jugend, das meine Eltern und ineine Schwester kannte. Ich konnte mit ihr von ihnen und ooii vergangenen Zeiten reden; aber wir sprachen in Gegenwart meines Obeims und meiner Tante und fühlten uns beide dadurch beengt. Sie wohnte mit ihrer Herrschaft int Hotel de Brandebourg aus dem Gensdarmenmarkte, war aber vor 5 Uhr nicht dienstfrei. Sie ging. Mir war seltsam zu Mute. Man denke sich die Abgeschieden- leit. in der ich lebte und gelebt hatte.. meine Sehnsucht nach einem befreundeten Herzen, das.mir jetzt wie ein holder Geist aus früheren lieben Tagen in Gestalt eines schönen blübeirden Mädchens entgegenrrat.
Es war Donnerstag gewesen. Bis zunr Sonntage, wo ich sie Wiedersehen sollte, war es noch lange, ach noch sehr lange! Mir schien es, als ob die Uhr niemals so langsam gegangen sei. Endlich brach der heiß- ersehnte Sonntag an, hatte aber einen langen Vormittag. Viel batte ich schon in Gedanken mit ihr gesprochen: es war nicht wenig, was ich ihr zu sagen, was ich sie zu fragen hoffte. Ich versuchte, die Zeit heran zu lesen: aber , wenn ich die Seite heruntergelesen hatte und umschlug, wußte ich nicht, was daraus gestanden, und wenn ich dieselbe ^eite nochmals las, ging es mir wieder so. Der Nachmittag war schon vorgerückt, ich nahm meinen Hut und ging; denn zu spät wollte tch nicht kommen. Als ich aus dem Gensdarmeu« markte ankam. schlug es aber erst vrer Uhr. Ich machte Halt und besann mich, ob ich wieder nach Hause gehen sollte. Das mochte ich nicht. Ich durchlief mehrere Straßen und wänderte endlich nach den Linden, wo rch an der Uhr der Akademie genau sehen konnte, was es an der Zeit sei: denn ich selber besaß keine Uhr. Viermal lief ich die Linden von einem Ende zum andern und zählte die Schritte, ohne zu wissen, wie viele es waren. Ich lief sehr eilig: denn nach meinem Gefühle kürzte ich die Sacke dadurch ab und ärgerte' mich, daß die Lindert nicht langer seien, weil bei einer Tour die darauf verwendete Zeit gar zu kurz war und ick io oft umkebren mußte. Endlich gang tch nach dem Hotel und fand aus Befragen das Zimmer eine Treppe bock.


