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Verbrecher, der Amerikaner war, hatte eine Explononsmasse mit einem in einer bestiiumten Frist ablanfenden Uhrwerk versehen, dessen Schlaggewicht sodann eine Züud fläche tieffcu und die Explosion Hervorrufen sollte. Der Mann hatte sein nach New Vor! laufgegebenes Reisegepäck hoch versichert und gedachte das Schiss aus hoher See zu vernichten, um die Versicherungssumme zu erhalten. Seine .Höllenmaschine hatte er in einer Remise in Bremen hergestellt. Das Uhrwerk war in Thüringen verfertigt.worden, der Uhrmacher, bei dem die Bestellung gemacht worden >var, hatte keine Ahnung, wozu seine Arbeit dienen sollte. Die teuflische Absicht ist nun doch nicht so verwirklicht worden, wie der Verbrecher es vorhatte. Augenscheinlich hatten die Arbeiter die Kiste etwas unsanft aufgestoßen, und sie explodierte im Hafen. Wir sind heute an andere Zerstörungen gewöhnt, damals aber ging ein Aufschrei des Schreckens durch ganz Deutschland hindurch. Durch diese Explosion waren 81 Menschen getötet, 20 schwer verwundet worden, viele "waren vermisch. 210 Menschen waren brotlos geworden. Die, welche dabei zu Schäden gekommen waren, waren zuweist Arbeiter und Handwerker, die nach Amerika auswandern wollten. In ganz Deutschland, auch in Gießen, sammelte man für die unglücklichen .Hinterbliebenen.
In diesen Jahren trugen sich in Deutschland viele verheerende Naturkatastrophen zu. In Eaub anr R Hein kam das dicht an das Städtchen herantretende Schiefergebirge ins Rutschen und deckte eine ganze Straße ein. Auch 'hierbei — das Unglück ereignete sich in der Nacht — kamdn Menschen um das Leben. Pioniere aus Coblenz eilten herber und gruben aus, was noch arrs den Trümmern zu retten war.
Zu Kirn an der Nahe richtete in der Nacht vom 4. zum 5. August 1875 eine UeberschwemMnNg große Verheerungen an. Bei Rhaunen im Hunsrück war in dieser Nacht ein Wolkenbrnch gefallen, der von dem Gebirge herniederfließende, ber Kirn in die Nahe einmündende Hahnenbach rauschte, zum Strom geworden, in das Nahetal hernieder. In wenigen Minuten reichte das Wasser in dem Städtchen Kirn bis an die Dächer. Es war nachts zwischen 10 rmd 1 Uhr, als sich das Unglück zutrug, älles lag im tiefen Schlafe, viele Bewohner wurden im Schlafe von den Fluten hinweggerissen, fast sämtliches Vieh wurde getötet. Bei Tagesanbruch hatten sich die Wasser, wie einst bei der Sintflut. wieder verlaufen, aber die mächtig an- geschirollene Nabe führte Leichen, mehrere Hundert Stück Vieh, Betten, Haus- und Feldgeräte in ihren gelben Fluten bis nach Kreuznach nnd Bingen fort. In dem Torfe Halnenbach ivar eine ganze, aus Vater, Mutter, Großmutter und zwei Kindern bestelende Familie in den Finten unter Jammergeschrei begraben worden.
Das Jahr 1876 brachte ^Naturkatastrophen auch für Hessen. Von dent Sturm, der am 12. März 1876 auch in Gießen so großen Schaden anrichtete, haben wir schon im vorigen Jahre, als genau 40 Jahre seit diesem Naturereignis verflossen waren, berichtet. Heute sei noch einiges darüber nachgetragen. Der Orkan scheint von der Nordsee gekommen zu sein und rheinaufwärts seinen Weg genommen zu haben. In Bonn stürzte der Turm der Münstertirche herab, Tücher, Ka inine und Fabrikschornsteine wurden am Rheine in großer Zahl zerstört. Zwischen Oppenheim und Nierstein wurde eine Allee von 214 Pappeln niedergelegt, zwischen Mainz und Mastel wurden 111 Bäume vernichtet. In der Mainzer Rheinallee wurden starte Stämnve, auf dem dortigen Friedhofe sogar eilt Baum, der einen Durchmesser von einem Meter hatte, umgeworfen. Die Bahnstrecke Alzey—Bingen war durch entwurzelte Bäume, die sich auf das Geleise gelegt hatten, unfahrbar geworden. Zu Sprenlingen in Rhein Hessen hatte der Orkan Dächer abge- deckt und unzählige Trümmer auf die Straßen geworfen. Die ältesten Leute hatten seit 1809 etwas Derartiges nicht Mehr gesehen. Aehnliches wird aus Alsfeld, Hanau und Kassel berichtet. In dem benachbarten Staufenberg waren alle Dächer beschädigt, Obst- büume und Waldungen waren zerstört. Eine Gesellschaft Gießener Herren, die, wie man früher auf gut deutsch sagte, mit der Chaise nach Staufenberg gefahren waren, hatten einen mühevollen Rückweg; denn die Straße war überall mit umgestürzten Bäumen verbarrikadiert. Mehrere Male müßten die In sassen auf dieser „Vergnügungsfahrt" aus- steigen und den Wagen über den Straßengraben heben. Von der Badenburg an nahm der Kutscher den Rückweg über Wieseck. Auch in unserer Stadt waren viele Dächer und Schornsteine beschädigt, das Türmchen auf dem Rathaus war eine Ruine geworden, von dem Dach an dem Hause des Lehrers Jung in der Löberstraße war die Hälfte herunter in die Wieseck geflogen. Groß waren die Verheerungen im Stadtwalde, die Nadelholzbestände längs der Straßen nach Rödgen, Grünberg nnb Lieh waren vernichtet, die Bäume lagen platt auf der Erde und die Wurzeln starrten in die Höhe. Der Orkan hatte mit Blitz und Donner begonnen und war von Westen nach Osten über unsere Stadr hin weg ge zogen. In Wetzlar siel das Steighaus der Feuerwehr um, in Marburg der Aussichtsturm auf der Spiegelslust, in Wiesbaden die Militärturnhalle. In Tarm- stadt -war die Stallung eines Zirkus zerstört worden, doch gelang es, die Pferde zu retten. Zwischen Friedberg uud Frankfurt war der Verkehr auf der Eisenbahn eingestellt worden.
Einige Wochen später wurde die Gegend zwischen Mainz und Bingen schwer heimgesucht. Am Abend des 2. April fiel bei Mainz ein Wolkenbruch, der die Bahn-


