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zu dieser Sitzung Besucher befördere. Ei» I andermal hietz es: „Wegen Steile der Tram j Bahn mutz der Weg per Futz oder Schub-, karren gemacht werden." Man scheint am i Fastirachtsdienstag sogar einen Karnevalszug veranstaltet zu haben.
Theatervorstellungen wurden in Wenzels Garten, später im Cafe Leib veranstaltet, es war ein sogenanntes Vaudeville-Theater, der Direktor hietz Leopold Puschel. Zumeist führte man harmlose Lustspiele auf, „Das Versprechen hinter dem Herde" und wie diese Stücke Hetzen. Auch die Sachen von Rode- rich Benedix bevorzugte man. Heute sind dle deutschen Bülmenwerke nicht mehr so harmlos. r _
Eifrig lvurde die Musil gepflegt. Ter „Gietzener Konzertverein" besteht wohl schou seit 'Anfang des 19. Jalwhuuderts. Daneben waren Konzerte in den Nestaurationen Lahn- stein und Taunus und im Cafe Leib.
Getanzt wurde an vielen Orten, so im Promenadenhaus. Am Silvesterabend 1876 war „Bäckerball" im Leibschen Saale.^ Ein Bürger klub veranstaltete ebenfalls Tanzbelustigungen.
Auch die Magie übte Anziehungskraft aus. Jim November 187b veranstaltete der „Professor" F. I. Basch zwei grotze Vorstellungen, mrd zwar als vielseitiger Mann, „in der Magie, Physik, Optik, Musik und in geisterhaften Erscheinungen". Ter Anzeige in der Zeitung war ein Bild beigegeben, bei dejsen Anblick wohl manchem eine Gänsehaut überlief. Da stand-der Herr „Professor", angetan mit Frack und weißer We,te, ein Schwert in der Hand tragend. Hinter ihm stand ein Teufel, der die Flöte blies, Und ein Gespenst, das warnend, wie die „Ahnfrau" in Grillparzers gleichnamigem Schauspiel, die Hand erhob. Im Klrcbsaal trat der Bauchredner und Mimiker „Profe,- sor" Tuschnee auf. Am zweiten Ostertage 1876 war auf Otzwalds Garten Prinzesnn Olga, die kleinste Dame der lebenden Menschheit, zu sehen. Sie war 20 Jahre alt und nur 29 Zoll grotz. Gleichzeitig Mit ihr trat auf die junge „Dänin", Fräulein Dagmar, die 22 Jabre alt war und sich der an;ehn- lichen Körperlänge von 2 Meter erfreute. Im Zeitungsinserate hietz es am Schlüsse: „Zahlreichem Besuche sehen hochachtungsvoll und vertrauensvoll entgegen Dagmar und Prinzessin Olga". Es war nicht schön von Dagmar, das; sie ihren Namen hier an die erste Stelle setzte, einer Prinzessin lätzt man doch den Vortritt.
Die Luftschiffahrt wurde damals noch nicht als eine sehr ernste Sache, sondern^als freie Kunst betrieben. Sonntag, den 10. September 1876, nachmittags 3 Uhr, stieg in Wenzels Garten der „berühmte Aeronaut" Henri Boudet „ohne Nachen, ohne Korb, einfach am Trapez turnend", aus.
Die Menschen lebten damals harmlos und stillvergnügt, es bestanden noch nicht die gro
ßen politischen und sozialen Gegensätze, die vor dem Weltkrieg unser Volk zerklüfteten. Die Welt war, wie Uran an den damals dar gebotenen Schaustellungen merkt, noch naiver als heute, es fühlte sich! auch noch nicht jeder zum Mitregieren berufen. Das; Gießen Mitte der 70 er Jahre noch keine Großstadt war, sondern eine Stadt, in der einer den anderen kannte, geht aus den humoristisch gehaltenen Gratulationen hervor, mit denen Freunde im Anzeigenteil der Zeitung einander bedachten. So konnte Man damals lesen: „Unserem lieben Freunde Georg E. zu seinem heutigen 19. Wiegenfeste dle herzlichsten Glückwünsche und ein dreifach donnerndes Hoch, datz das ganze Billardzimmer beim Vater Nassauer wackelt." Ein andermal hietz es: „Unserem lieben Freund und Braumeister K. K. jenseits der Wieseck dle herzlichsten Glückwünsche zum heutigen Na- Menfeste. Tie diesseitigen Ledigen." Datz man damals im Unterschied von heute noch von Nahrhafter Fülle umgeben war, geht aus der Ankündigung eines in einer Wirtschaft abgehaltenen „Gänse-Kegelns" hervor. —- Auch die Feste und Vergnügungen der Zeit vor 40 Jahren beweisen uns, datz die Zeit nun eine andere geworden ist. Ob sw besser geworden ist, wollen wir nicht untersuchen. (Schluß folgt.)
AU5 der Jugendzeit einer deutschen Männer.
(Fortsetzung.)
Nun wußte ich, das; ich des Morgens gern schlief und nur schwer früh aufstehen konnte, weil ich von selbst nie vor 6 Uhr erwachte. Ta drängte sich mir der Gedanke auf, zwei Fliegen mit einem Schlage zu treffen. Wenn ich Italien, Seume gleich, zu Futz durchwandern wollte, so hatte ich, wie mir wohl bekannt war, auf keine Be- auemlichkeit zu rechnen. Ich würde manche Nacht auf hartem Lager zubringcm müssen. Es war gut, wenn ich mich in Zeiten daran gewöhnte, und das fing ich folgendermaßen an. Ich breitete über die staubigen Dielen des Bodens mein Bettlaken und streckte mich angekleidet darauf nieder. Es war SomMer. In der ersten Nacht schlief ich so gut als gar nicht: ich drückte mich zu sehr und mutzte mich zu oft umwenden: aber mit Tagesan- bruch stand ich auf und studierte meine Grammatik, die am Tage im Kopfe, sobald es möglich war, repitiert wurde. Die zweite Nacht war nicht besser, als die erste: ich fand, datz ich zu niedrig mit dem Kopfe lag, und er war mir am Tage schwer. Daher legte ich in der dritten Nacht wein dünnes Kopfkissen unter, und da ich zwei Nächte fast gar nicht geschlafen hatte, schlief ich nun in der dritten ziemlich gut, obgleich die Glieder nachher schmerzten. Vor 6 Uhr mußte auch das Schuhwerk der Familie gereinigt werden; dies verrichtete ich ebenfalls auf dem


