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Sonntagsgruß
( Gemcindeblarr für die evangelische Birchcngemeinde Gießen
Vlr. 34 Gießen, Sonntag, 12. nach Trinitatis, den 26.August 1917 6. Iahrg.
hephata!
Evangeliu.ni des Markus 7, 34. Und Jesus sah auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Hephata! das ist: tu dich auf.
Ein Taubstummer wird zu Jesus gebracht. Tie Leute lMben viel gehört von dem wundertätigen Rabbi, der heilend und tröstend durch die Lande zieht, und so setzen sie auch in diesent Fall ihre letzte Hoffnung auf Jesus. Der spricht zu ihm: „Hephata! das ist: tu dich* auf." Und er wird gesund zur selbigen Stunde. — Wenn wir dieses Heilungswund-er *aus das geistliche Gebiet übertragen, dann können wir auchl heute noch viel daraus lernen. Der natürliche Mensch ist taub und stumm gegenüber dem Walten Gottes: er vernimmt nichts, wie Paulus sehr richtt g sagt, von dem Geist Gottes. Ri an versuche doch einmlal, mit gänzlich unchristlichen Leuten über Heiliges und Hohes zu sprechen: blödes Lächeln oder Auflodern grimmen Zornes ist der Erfolg. Das wird aber mit -einem Schlage anders, wenn Jesus die Ohren öffnet uUd die Zunge löst, wenn sein göttliches Hephata einem .heilungsbedürftigen Menschen in die Seele fällt. Dann fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, seine Ohren hören gänzlich unbekannte Klänge, und der Mund wird voll vom Lobpreis Gottes. Die bis dahin Lästerer und Schmäher waren, werden begeisterte Anhänger des Heilands. Aber auch wer von Jugend an dies göttliche Hephata an sich erfahren, soll nicht Nachlassen, immer und immer wieder im Gebet und Lesen der heiligen Schrift von Jesus „sich die Finger in die Ohren legen" und „die Zunge berühren" zu lassen. Jeder große Musiker wird schwerlich die tägliche Hebung missen können. Nur so gewöhnt sich sein Ohr an die feinsten harmonischen Klänge, deren Schönheit den Unmusikalischen verborgen bleibt. Und «wer mit Jesus in täglicher, ununterbrochener Berührung bleibt, dem werden sich die Disharmonien des Lebens zu wohllautenden Akkorden auflösen, und so wird er selbst vor allen Dingen sich vor innerer Zerrüttung bewahren und immer mehr und mehr ein harmonischer Mensch werden. Und in der Ewigkeit witd es von ihm heißen:
„Ta sing ich dir im Hähern Chor- Viel tausend Halleluja vor!"
Gießen vor §0 Jahren.
(Fortsetzung.)
Nach dieser Abschweifung, die eine sehr- ernste Frage unseres deutschen Volkslebens in das Auge faßte, sei uns gestattet, das Jn- se raten wesen vor 40 Jahren nach seiner erheiternden Seite vorzusühren. Ein Schreinermeister machte folgendes bekannt: „Da Mein Sarglager von einem (weiblichen) Eon- currenten verachtet und meine geehrten Künden (zu ihrem Vortheil) weggeführt, so bitte ich*, das geehrte Publikum möge sich selbst überzeugen, indem ich inir nur durch reelle Bedienung und billige Behandlung das Zutrauen eines geehrten Publikums erwerben will." Ein andermal lesen wir: „Eine grau und weiße junge Katze mit weißem Hinterpfoten hat sich verlaufen. Wer Auskunft erteilt, erhält eine Belohnung. Zu erfragen! in der Expedition des Blattes." Das war jedenfalls eine seltsame Katze: denn Katzen pflegen wieder nach dem Hause, zu dem sie gehören, zurückzukehren. Es gibt Gegenden, in denen man zu den Leuten, die einen geliehenen Gegenstand freiwillig nicht zurückbringen, sagt: das nächste Mal leihen wir euch die Katze. Hoffentlich ist diese vermißte, graue und weiße Katze wieder zu ihrem Besitzer (vermutlich war es eine Besitzerin' zurückgekehrt. Großer Zorn und ehrliche Entrüstung sprechen aus folgender Anzeige, die ein Friseur, oder wie es daMals noch hieß, ein Barbier, dem Blatte übermittelte: „Fünf Mark Belohnung demsenigen, der inir den Dieb meines Barbierschildes derart angibt, daß derselbe zur Verantivortung gezogen werden kann." Leider scheint der Täter in diesem Falle nicht ermittelt worden zu sein: denn diese Anzeige erschien mehreremale. Ein Volksdichter wie Hans Sachs und Isaak Maus scheint Heinrich Rau von Kirchberg gewesen zu sein. Er veröffentlichte 1876 folgende gereimte Anzeige:
„Ein fettes Wutzchen hat geschlacht lind gute Musik aufgebracht,
Gesorget für gut Bier und Wien,
Auch einen Tanzsaal, luftig, fein,
Der Wirth von Kirchberg, Heinrich Rau, Wer das nicht glaubt, der komm und schau!"
Da ich einmal bei den Zeitungsinseraten bin, so soll auch das folgende erwähnt wer- dne, obwohl es.nicht unter die Rubrik „Geschäftsleben" gehört. Man hat damals in «unserer Gegend und auch anderwärts den Inseratenteil der Zeitungen auch benützt, um


