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versitätsbibtrotl^k tu sich barg, heute ver-t! schiedenen akademischen JUstituten dieut. Die Zahl der Studenten war, mit der heutigen Zahl verglichen, sehr gering. Im Wilntlei'-, semester 1874 75 studierten liier 9 Theologen, 74 Juristen, 66 Mediziner, 7 jmrge Leute widmeten sich der Tierl-eilkunde, die Zahl der Angehörigen der philosophischen Fakultät ist mir im Augenblicke nicht gegeu- loärtig. Im Wintersemester 1876 77 betrug die Zahl der Studenten im ganzen 355. Sehr aussallend ist in den 70 er Fahren die geringe Zahl der Studierenden der Theologie. Es gab damals ein Semester, in dein das Predigerseminar zu Friedberg drei Professoren und verschiedene Hilfslehrer, aber nur einen Kandidaten hatte. Der Aernrste wird als ein einziges Objekt der Belehrung keine leichten Tage gehabt haben. 50 Jahre vorfa'r hatte Gießen bedeutend mehr Theologen, 1824 waren es 114, 1830 120. Das Sinken dieser Zahl in den 70 er Jahren erklärt sich aus verschiedenen Umständen. Das kirchliche und religöse Leben stand damals auf seinem Tiefpunkte, der Materialismus, die Weltanschauung, die das Dasein einer unsterblichen Seele leugnet, und die Religion als eine Erfindung de-) Menschengeistes hin stellt, lwrrschtc allenthalben, die evangelische Kirche war, wie mir später noch darlegeü werden, in ihrer Wirksamkeit durch Verfassungsstreitigkeiten gehemmt. Ter rasche und entscheidende Sieg der Jahre 1870 und 1871 hatte die Menschen nicht besser gemacht, vielen waren Geldgewinn und schrankenloser Lebensgenuß die höchsten Ziele, so daß sie nach Gott nicht fragten. Die kirchlichen Verhältnisse, wie sie in den 60 er und im Anfang der 70 er Jahre bestanden, hatten auch für einen jungen, strebsamen Mann nichts Verlockendes. Man hatte noch die Einrichtung des Vikariates. Pfarrer, auch wenn sie altersschwach und zur Ausübung ihres Berufes unfähig waren, blieben im Besitz icher Stelle, während Vikare, die einlä unselbständige Stellung lmtten, zudem oft versetzt wurden, das Amt ausübten. Es war sehr nicderdrückend, wenn ein Miml bis etwa zu seinem 35. Lebensjahre Vikar bleiben müßte, ohne in einem selbständigen Amte die erste junge Manneskraft betätigen zu können. Wie lange damals Pfarrer in ihrem Amte blieben, geht ans Jahrgang 1879 des von dem früheren Prälaten Habicht heransgegebenen „Handbuches für die evangelische Kirche im Groß Herzogtum Hessen" hervor, wonach es in dem genannten. Jalwe einen Pfarrer in Hessen gab. der 1799, und einen zweiten, der sogar 1791 geboren war. Diese überalten Männer, die zur Erfüllung ihrer Pflichten unfähig waren, versperrten den inngen den Platz. Es lag nicht an der kirchlichen Oberbehörde, daß die Zustände so inaren. die .Kirchengesetze konnten erst allmählich geändert werden. Erst nachdem im Jalwe 1874 die hessische Kirchen -
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Verfassung zustande gekommen war, konnte man schrittweise Verbesserungen einfühi'en.
Mitte der 70 er Jahre besaß Gießen drei höhere Schulen, das Gymnasium, die Realschule und die höl)ere Mädchenschule. Aus Direktor Tr. Geist war in der Leitung des Gymnasiums Tr. Weidner gefolgt, den im Jahre 1876 der von Konstanz hierher berufene Direktor Tr. Hermiann Schiller ablöste, ein Adann, dessen Name in den darauffolgenden Ja ln zehnten oft genannt wurde. Leider fall in dieser Zeit Ernst Eckstein durch seine Schulhumoresken das Gießener Gymnasialwesen in ganz Deutschland lächerlich gemacht. Es ist nicht in Abrede zn stellen, daß seine Humoreske „Der Besuch im Karzer" ein glücklickwr Wurf war, Ecksteins übrige Schul Humoresken entbelnen jedoch der Eigenart. Rach dem großen äußeren Erfolge der genannten kleinen Erzählung ließ sich der Verfasser dazu verleiten, das Thema „Gymnasium" bis zur Ermüdung so lange zu behandeln, bis er nichts Originelles mehr zu sagen wußte. Ecksteins eigene Schulzeit soll nickt arm an Konflikten mit der Lehrerschaft gewesen sein, so daß man ihn zeitweise dem Pfarrer Wolf zu Wendelsheim in Rheinhessen (später in Ostl>eiml übergab, der eine Unterricl'tsanstalt leitete und im Rufe stand, durch seine energievolle Strenge auch den wildesten Schlingel und schlitzöfaigsten jugendlichen Bösewicht und Tunichtgut zu bändigen. Im Jalvre 1876 erschien im „Gie- ßener Anzeiger" eine Erklärung zu „Ernst Ecksteins Schul-Pasgnillen", die sich in energischem Tone dagegen wandte, daß der da- nials noch junge Schriftsteller einen Lehrer des Gymnasiums verspottet lind die Schuldisziplin an der genannten Anstalt als gelockert und schlecht hingestellt hatte.
(Fortsetzung folgt.
Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.
Ich saß im Winter mit der Familie an demselben Tische: denn es wurde nur e i n Licht gebrannt. Unsere jetzigen Lampen mit hohlen Dochten waren noch unbekannt und auch Stearinkerzen gab es noch nicht, sondern nur Talglichte. Man sah dabei sehr wenig. Hatte ich einen Satz, den ich zu repetieren oder zu ergrübeln wünschte, so merkte ich mir die dazu gehörige Figur und zeichnete sie mir morgens auf das Holz des schwarzen Werktisches mit Bleistift neben meinen Platz. Diese Figur war durch den Lichtreflep nur von meinem Platze und sonst nirgends zn sehen. Bei den vielen gedankenlosen mechanischen Arbeiten, die häufig vorkamen, konnte ich dann, ohne mit Arbeiten aufzuhören, meinen Sah vornehmen und war auf den ganzen Tag glücklich, wenn ich ihn heraus gebracht batte. Ich habe auf diese Weile gelernt, mich vom Buchstaben los- zureißen und bloß mit der Sache selbst zu


