Einzelbild herunterladen

- 11

sich mit iX'rrStrapas", einem Gemisch aus Maisgrütze mit Schmalz und Wasser, im Aussehen Eiern gleichend. Die ganze Masse ist höchst säuerlich, klebig und schwer verdau^ lich, da in den meisten Fällen die Wärme, durch die es gebacken werden soll, nicht bis ins Innerste reicht.

Da stehen wir mit unserm deutschen Kriegsbrot" weitaus obenan!

Giehen vor 40 Zähren.

(Fortsetzung.)

2. Behörden und Unterrichtsan- st a l t e u.

Die Berwaltungsorganisation hat in den letzten 40 Jahren in Hessen keine Aenderung erfahren. Schon 1876 gab es eine Provin­zialdirektion der Provinz Oberhessen und ein Kteisamt Gießen. An der Spitze der Ver­waltung stand der Provinzialdirektor Ludwig Freiherr von Diersburg, Rat bei der Pro­vinzialdirektion war der im Jahre 1908 aus dem Leben geschiedene Regierungsrat Dr. Friedrich Hoffmann. Dem Provinzialaus­schuß gehörten von Mitgliedern, die in Gie­ßen oder in der Nachbarschaft unserer Stadt wohnten, an die Herren Bürgermeister August Bramm, Rechnungsrat Reuning. beide von Gießen, und Gutsbesitzer Adalbert Freiherr von Nordeck zur Rabenau zu Frie­delhausen. Dem Kreisansschuß gehörten an die Herren Beigeordneter Wilhelm Keller, Hosgerichtsadvokat Rudolf Hirschhorn, Gas­fabrikant und Beigeordneter Heß, alle drei aus Gießen.

Im Unterschiede von der Verwaltungs­organisation war die Geri chtsorganisatiow eine andere als heute. Bekanntlich hat aüf dem Gebiete des Gerichtswesens erst das Iah, 1879 für Deutschland durchgreifende Aenderungen gebracht. Vor diesem Jahre war sogar in Hessen die Gerichtsverfassung nicht einheitlich. Rheinhessen unterschied sich von den beiden rechtsrheinischen Provinzen. Aus der linken Rheinseite gab es noch die aus der Zeit der französischen Herrschaft stam­menden Friedensgerichte, die den Mutigen Amtsgerichten entsprachen. Gerichte höherer Instanz waren die Bezirksgerichte zu Mainz und Alzey, oberste Appellationsiustanz war das Obergericht in Mainz. In den beiden rechtsrheinischen Provinzen waren die Ge­richte unterster Instanz die Stadt- und Land­gerichte. In Gießen gab es ein Stadtgericht und ein Landgericht, jenes für den Stadt­bezirk, dieses für die umliegenden Dörfer. Es darf also das Landgericht der älteren Zeit nicht mit dem heutigen Landgericht verwech­selt werden. Stadtrichter war Friedrich Böt­ticher, Landrichter Gustav Adolf Erdmann. Diese beiden Richter hatten die Funktionen zu vollziehen, die heute den Oberamtsrichtern zustehen. Die Stellen, die heute von Amts­richtern versehen werden, wurden damals von Assessoren das waren fest angestellte Rich-

4 -

ter versehen. Während heute die Amts­gerichte sowohl Strafgerichte wie auch Zivil­gerichte sind, bestand damals neben dem Stadtgericht und dem Landgericht noch ein besonderes Bezirksstrafgericht, dessen Direk­tor Hofgerichtsrat Tr. Ludwig Elwistian von SchMalkalder war', diese alte Gießener Fa­milie existiert l-eute nicht mehr hier. Das Hofgericht Gießen, dem heutigen Land­gerichte entsprechend, hatte zum Präsidenten Dr. Wolf Georg Martin Buff (es war die Sitte der älteren Zeit, daß man auch im öffentlichen Leben Gebrauch von so vielen Vornamen machte), Direktor des Hofgerichtes war Tr. August Friedrich Völker. Von den damaligen Mitgliedern des Hofgerichtes lebt, soweit unsere Kenntnis reicht, heute nur noch der 89 Jahre alte Herr Landgerichtsdirektor Wiener in unserer Mitte. Die Rechtsanwälte trugen damals den TitelHofgerichtsadoo taten", ihre Zahl war genau so groß wie heute, nämlich 24. Zu ihnen gehörte Dr. Franz Eckstein, der Vater des bekannten Schriftstellers und Dichters Ernst Eckstein. Die Verschiedenheit der Gerichtsverfassung rechts und links des Rheines hatte zur Folge, daß rheinbessische Richter nicht nach den bei' den anderen Provinzen versetzt wurden, auch der umgekehrte Fall trat nicht ein.

An der Spitze der städtischen Verwaltung stand bis zu seinem im Jahre 1889 erfolgten Tode Bürgermeister August Bramm, die bei­den Beigeordneten habe ich schon oben ge­nannt. Mitglieder der Stadtverordnetenver­sammlung waren die Herren: Hofgerichts- advokat Theophil Baist, HofgerichtsadvokaL Karl Diery, Buchhändler Wilhelm Ferber, Fabrikant Ferdinand Gail, Fabrikant Jdan . Haustein, Bauunternehmer Julius Hoch, Fa­brikant M. Hornberger, Bauunternehmer Louis Kauf, Rentner Benjamin Körber, Ortsgerichtsvorsteher Philipp Lüdeking, Schmiedemeister Emil May, Fabrikant Adolf Noll, Bäckermeister August Noll, Kaufmann Richard Scheel, Kaufmann Wilhelm Schwall, Schreinermeister Christian Schop- bach, Kaufmann Karl Wenzel. Stadtrechner war der Städtrentmeister Johann Enders, ilstni war der vor wenigen Jahren verstorbene Direktor der Bezirkssparkasse .Hermann Toe- ring beigegeben: StadtbauMeister war Jo­hannes Stief: Vorsteher der Polizeiverwal­tung PolizeikomMissar Wilhelm Fresenius.

Schon damals (seit 1868 überhaupt) lag das 2. Großherzoglich Hessische Jüsanterie- RegiMent Nr 116 lster in Garnison, aber es hatte nur zwei Bataillone, das 3. Bataillon kam im Jahre 1881 hinzu. Die Kasernen an der Licher Straße sind eirft ein Jahr­zehnt später gebaut worden. Die Universi­tät war genau nach demselben Muster orga­nisiert wie heute. Das Vorlesungsgebäudei in der Ludwigstraße wurde erst Ende der 70 er Jahre errichtet. Damals wurden die ' Vorlesungen in dem Gebäude am Landgrai- I Philipp-Platz gehalten, das später die Uni-