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so die Frankfurter Straße, die heutige Lie- bigstraße, die Alicestraße, also Straßen, die heute zum Bezirk der Lukasgemeinde gehö- 'ren. Die Hausnummern liefen durch den ganzen Stadtbezirk hindurch, so daß A 259, B 204, C 234, D 225, E 105 Nummern hatte. Für einen Fremden, der das Adreßbuch zur Hand nahm, muß das Zurechtsinden sehr schwer gewesen sein. So bezeich- nete B 109 die Apotheke von Dr. Adolf Mettenheimer (jetzt Kreuzplatz 2), B 173 dagegen die Synagoge in der Süd-Anlage. Mit vollem Recht trug das Rathaus, das ja überall der Mittelpunkt einer Stadt ist, die Bezeichnung A 1.
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.
Des Abends nach der Arbeit trieb ich Mathematik. Ich hatte mir von einem Antiquar ein mathematisches Lehrbuch für Offiziere gekauft, das ich nun durchstudierte und dadurch den ersten Grund zur Algebra legte; weshalb, wußte ich nicht; denn es trieb mich unbewußt dazu, und ich hatte keinen Zweck, als mir selber zu genügen. Mein Oheim las inzwischen in demselben Zimmer Romane vor, und ich mußte mich gewöhnen, mich dadurch nicht stören zu lassen und nicht darauf zu hören. Oft habe ich Stunden im Grübeln verloren, die mir durch ein einziges Wort zu ersparen gewesen wären; aber wo war der, der es aussprach? Nicht selten sann ich so lange, bis mir buchstäblich alle Gedanken vergingen und ich mein Buch M- machen mußte.
(Fortsetzung folgt.)
Ich lebte noch immer sehr einsam und hatte niemanden gefunden, an den ich mich anschließen mochte. Es waren nur die Kinder meines Oheims, mit denen ich mich beschäftigen konnte, wenn ich nicht allein bleiben wollte, und ich spielte gern mit ihnen. Ich machte ihnen Kunststückchen vor; denn ich hatte einige Bände von Wieglebs natürlicher Magie gelesen; ich stellte ihnen ein Theater her, malte dazu die Dekorationen und Kulissen, wie die Figuren, ersann mir während der Arbeit kleine Stücke, die ich damit ausführte usw. Des Sonntags aber saß ich am liebsten einsam auf dem Hausboden, durch dessen Luken die Sonne schien; dann wirbelten in dem Lichtstreifen Sonnenstäubchen umher, während die Spinnweben in den Farben des Regenbogens die Fäden schimmern ließen und die heilige Sonntagsstille mein Herz mit süßem Frieden erfüllte. — Ich fühlte, daß ich für meine historischen Kenntnisse mehr tun müßte. Zu dem Ende begann ich Briefe an meine Schwester, in welchen ich ihr die deutsche Geschichte nach meiner Weise erzählte. Als Materialien benutzte ich Schröckhs Weltgeschichte für Kinder, Rüssels Geschichte von Europa, einige Taschenkalender und ein paar Bücher, die mir nicht mehr erinnerlich sind. Ich schrieb auf diese Weise im Lause einiger Jahre in mir sehr angenehmen und lehrreichen Stunden 52 enggeschriebene Bogen zusammen, ohne zu Ende zu kommen, weil die Verhältnisse mich aufzuhören nötigten, und schickte sie unvollendet meiner Schwester, die wohl einen Schreck über das dicke Manuskript bekommen haben mag. W'o es geblieben itf, weiß ich nicht. Die Arbeit war mir jedoch sehr nützlich, obgleich ich es nicht dahin bringen konnte, die Jahreszahlen zu behalten; denn so vorzüglich auch mein Namensgedächtnis war, so unsicher blieb das Zahlengedächtnis.
kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 15. Juli. 6. nach Trinitatis.
Gottesdie nst.
In der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgenteinde Pfarrer Schwabe. — Vormittags 9 1 _- Uhr: Pfarrer Mahr. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthüusgemeinde. Pfarrer Mahr. — Mittwoch, den 18. Julr, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe.
In der Iohannerkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 9 Vs Uhr: Professor O. Schian. — Vormittags 11 Uhr: Kinder- kirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bech- tolsheimer. — Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal.
wartbnrg, evangel. Iünglings- und Män- ner-verein, Diezstr. 15. Sonntag, den 15. Juli, nachmittags 3Vs Uhr: Ausflug, abends 8 Uhr: Vortrag. Mittwoch, den 18. Juli, abends 8Vi Uhr: Leseabend, Gäste stets willkommen.
Vibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Jeden Mittwoch von 6—7 Uhr für die jüngere Abteilung. Jeden Samstag von 6—7 Uhr für die ältere Mteilung im Johannessaal.
vibelkränzchen für Mädchen aus der Is- hannesgemeinde. Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal.
Verantwortlich Pfarrer Bechtol sheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei
R. Lange, Gießen.
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