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Straßen ist deshalb seit dieser Zeit entstanden. Folgerrde Straßen sind damals überhaupt noch nicht vorhanden gewesen: Am Rodberg, Am Steg, An den Bahnhöfen, Bergstraße, Bismarckstraße, Bruchstraße, Buchnerstraße, Buddestraße, Bük kingstraße, Crednerstraße, Diezstraße, Ebelstraße, Ederstraßc, Erdkauter Weg, Friedrichstraße, Gabelsberger Straße, Georg- Phiiipp-Gaitstraße, Glaubrechtstraße, Goethestraße, Grabenstraße, Großer Steinweg, Gutenbergstraße, 5)enselstraße, Hessenstraße, Hillebrandstraße, Hofmannstraße, Johannes- straße, 51eplerstraße, Krosdorfer Straße, Klinikstraße, Lahnstraße, Landmannstraße, Leihgesterner Weg, Licher Straße, oberst raße, Lonystraße, Mittelweg, Moltkestraße, Nahrungsberg, Blockstraße, Nvonstraße, Schottstraße, Schützensttaße, Senckenberg- ftraße, Steinstraße, Stephanstraße, Weserstraße, Wetzlarer Weg, Wiesecker Weg, Wiesenstraße, Wilsonstraße, Wolsstraße. lieber sieht man die lange Reihe dieser neu entstandenen Straßen, so kann man sagen, daß seit dieser Zeit eine völlig neue Stadt zu der alten Stadt Gießen, wie sie von der Zeit der Reformation an bestanden hat, hinzugekommen ist. Da Gießen früher eine Festung und mit breit' angelegten Werken umgeben war, so ist auf dem Plane der Stadt sehr deutlich zu sehen, wo sich das alte von dem modernen Gebiete scheidet. Die neuen, im vorstehenden angegebenen Straßen liegen allesamt außerhalb des alten Festungsbereiches.
Einige Straßen trugen damals einen anderen Namen als heute. Die heutige Bahnhofstraße setzte sich aus zwei Teilen zusammen; der dem Bahnhof zugekehrte Teil trug den heutigen Namen, der untere, an die Marktstraße angrenzende Teil hieß der Reichensand. Infolgedessen brauchte man für den ganzen Straßenzug die Bezeichnung „Bahnhofstraße-Reichensand". Kürz vordem Jahre 1876 muß der Durchbruch an der Stelle, wo am Gasthaus „Zum Schipka- paß" Bahnhofstraße und Reichensand zm 'ammenstießen, erfolgt sein. Im Jahre 1876 begann man dann die neue Straße herzustellen, man klagte iit den Kreisen der Bürger über die Langsamkeit, mit der die Arbeiten ausgeführt wurden. Die beiden nächsten Jahre gingen vorüber, ohne daß die Arbeit fertig wurde. Die heutige Liebigstraße trug den Namen „Universitäts- straße", die Dammstraße hieß „Flügelgasse". Daß der Landgraf-Philipp-Platz früher „Brand" hieß, dürfte allgemein bekannt sein. Es erhebt sich hier die Frage, warum man den historisch wohlbegründeten Namen „Brand" in Wegfall hat kommen lassen. Man hätte ja einen anderen, neu anlegten Platz nach Philipp dem Großmütigen benennen können. Wenn jede Generation von Menschen Straßen und Plätze nach ihrem Gutdünken mit Namen versehen wollte, wo
bliebe da die Verbindung mit der Vergangenheit? Daß die Kaiser-Allee bis vor wenigen Jahren „Grünberger Straße" hieß,, ist ebenfalls bekannt. Ein Teil der Ost-Anlage wurde „An der Schoor" genannt. Tie Süd - Anlage hieß „Neue Anlage", die meisten Häuser dieses Straßenzuges sind erst in den 70er Jahren entstanden. Die „Judengasse" wird wohl die heutige Rittergasse sein. Nicht genau konnte ich ermitteln, was heute unter der früheren Straßenbezeichnung! „Gartfeld" zu verstehen ist. Es handelt sich hier wohl um Häuser in der Nähe der Schwarzlach. Mühlstraße und Krosdorfer Straße hießen damals noch weniger anspruchsvoll „Mühlgasse" und „Ktofdorfer Weg". Die Rodheimer Straße trug die Be- nennung „lieber der Lahnbrücke". An dieser Stelle mag für den, der Sinn für das Malerische an der Landschaft und an Städtean- fichten hat, bemerkt werden, daß neben der Aussicht vom Wetzlarer Weg über das Lahu- tal hinüber nach den jenseitigen Bergen, wohl das Erfreulichste, was mau zumal im Frühling und Herbst in Gießen sehen kann, es auch einen eigentümlichen Reiz gewährt, wenn man abends beim Sonnenuntergang, auf dem dem Neustädter Tor zugekehrten Teile der Lahnbrücke steht und in der Richtung nach Heuchelheim nach dem jenseitigen Ufer schaut. Der an dieser Stelle breit dahinrinnende Fluß, die hohen Bäume am Ufer, der Abendschein am Himmel, das ist ein schönes Bild. Die heutige Schanzen- straße hieß damals kurz „die Schanze", unrein Haus stand in dieser Straße. Die Stelle, wo die Burk'sche Mühle liegt, wurde „Vordem Neustädter Tor" genannt. Außer dem Seltersweg gab es noch eine Straßeubezeich - nung „Selterstor", das waren anscheinend die Häuser in dem Teil der West-Anlage, der zwischen Frankfurter Straße und Bahnhos- straße liegt
Wenig übersichtlich war die damalige Numerierung der Straßen. Heute fangen die Hausnummern einer jeden Straße mit 1 an, das erleichtert das Auffinden. Damals war die Stadt in 5 Bezirke eingeteilt, die die Bezeichnung trugen: Stadtbezirk A, B, C, D, E. Der Stadtbezirk A umfaßte den nördlichen Teil, im wesentlichen den Bezirk der heutigen Matthäusgemeinde. DerStadt- bezrrr v mnfaßte einen großen Teil der heutigen Markusgemeinde, nämlich den Stadtteil, der sich im Zentrum der Stadt um das Rathaus gruppiert, außerdem noch den südöstlichen Teil mit Ludwigstraße, Nahrungsberg, Neuem Weg und Gartenstraße, also Gebiete, in die sich heute die Markus- uno Johannesgemeinde teilen. Zmn Stadtbezirk 0 gehörte der Seltersweg mit seinen Seitengassen, zum Stadtbezirk v der Teil, der sich vom Marktplatz nach der Lahn hinzieht. Der Stadtbezirk E war der modernste, zu ihm gehörten Straßen, die erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind.


