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wie, und jahrelang habe ich auf diese Weise das Mittag­essen besorgen müssen. Nur wenn es einmal Braten oder sonst etwas Besonderes gab, legte meine Tante die Hand an. Ich ahnte nicht, daß mir die Zache nachteilig werden konnte, und doch wurde sie's. Ich mußte natürlich die Speisen kosten, und da ich während meiner Lehrjahre einen sehr gesegneten Appetit hatte und nur schmale Bissen erhielt, so vermochte ich dem junger nicht zu widerstehen und gewöhnte mir un­vermerkt das Naschen an. Dies hat mich oft sehr betrübt ge­macht ; ich ärgerte mich über mich selbst und versuchte, fest zu bleiben,' aber das notwendige Kosten erneuerte täglich die Versuchung, und ich fand sie stärker, als meinen willen. Ts gehört wirklich ein satter Mensch zum Kosten der Speisen! Uber auch anderweitig äußerte sich dieser Hang zur Genäschig- keit. Ts gab jetzt nach kein Gbst, das ich sehr gern und das im herbst die Stelle aller Näschereien bei mir vertrat,' auf der Langen Brücke jedoch saß täglich eine alte Frau mit frischen Pfannkuchen, das Stück zu einem Dreier. Diese fand ich ungemein schmackhaft, machte es mir jedoch zum Gesetz, wöchentlich nur einen zu kaufen. Uber lebhaft erwachte der Wunsch, es so iweit zu bringen, daß ich täglich einen Pfann­kuchen essen könnte.

Ueberall gelang es mir, die Zufriedenheit der Personen zu. erringen, die mir vorgeordnet waren, nur nicht im Hause meines Oheims, hier wurde es immer schlimmer. Die Küchen- und Hausdienste nahmen gar kein Tnde. Die alte Großmama saß den größeren Teil des vormittags in ihrer Stube, wo Jettchen, wenn sie nicht in der Schule war, ihr Gesellschaft leisten mußte und gänzlich von ihr verzogen wurde. Ich konnte von der Küche aus bei der Arbeit beide gut beobachten, iumgekehrt war dies nur möglich, wenn das Feuer hell brannte. Die Ulte saß dann und horchte sehr aufmerksam, ob ich auch fleißig sei, polterte und mich rührte. Sie konnte dies um so leichter, da ich 'nie gesehen habe, daß sie das Ge­ringste tat, außer stetem Tadeln und Besserwissen. Ihre Bugen waren nicht so blöde, daß sie in der Nähe nicht ge­sehen hätte. Uber nie nahm sie ein Strickzeug oder irgendeine andere Arbeit in die Hand. Meine Tante hatte diesen Wider­willen gegen alle Arbeit offenbar von ihr geerbt. In welch einem Kontrast standen beide mit meiner Mutter,' und doch bildeten sich diese hochmütigen Weiber ein, sie ständen weit über ihr! - Ls sei natürlich, meinte die Großmutter eines

Tages^ daß meine Mutter viel arbeiten müsse,' denn in dem Stande, in welchem sie lebe, sei das nicht anders! welche Empfindungen sich bei solchen Ueußerungen in meiner Seele regten, wird man sich leichter denken, als ich es beschreiben kann. _«Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Der Gießener Evangelische Kirchengesangverein beab­sichtigt, das Ueformations-Jubiläum durch Ueformatians-

lieder und durch Darbietung einer größeren Bachschen Kantate auszuzeichnen, hierzu ist eine erhebliche Verstärkung des Ehores nötig. Stimmbegabte Frauen und Männer der evan­gelischen Gemeinde Gießen werden deshalb gebeten, zu diesem Zwecke dery Verein zu unterstützen. Die Proben werden Anfang September beginnen. Um aber jetzt schon einen Ueberblick über die Stärke des Thors zu bekommen, wird gebeten, die Anmeldungen bis zum 10. Juli an den Vor­sitzenden des Vereins, Herrn Professor Dr. Weimar, Ost- Unlage 40, gelangen zu lassen.

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Großherzogliches Oberkonsistorium hat bezüglich der Vierhundertjahrfeier des Ueformationsfestes bestimmt, daß am ZK Oktober dieser Tag ist ein Mittwoch in allen evangelischen Kirchen unseres Landes Festgottesdienst statt- finden soll Der Sonntag darnach, an dem sonst das Uefor- mationsfest gefeiert wurde, dient in diesem Jahre der Nach­feier und ist namentlich für die sonst am Neformationsfeste übliche Ubendmahlsfeier in Aussicht genommen. Großherzogl. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegen­heiten, hat angeordnet, daß am ZI. Oktober der Unterricht für die evangelischen Lehrer und Schüler ausfällt und daß da, wo die Naumverhältnisse eine Beteiligung der Schulen am Festgottesdienste nicht zulassen, am 1. November eine be­sondere Schulfeier stattfindet.

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Die Kinder Kirche der Lukasgemeinde macht nächsten Sonntag, den 8. Juli, ihren gewohnten Spaziergang. Zusam­menkunft um Z Uhr an der Johanneskirche.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 8. Juli, 5. nach Trinitatis.

Gottesdienst.

In der Stadttirche. vormittags 8 Uhr, zugleich Thristen- lehre für die Ueukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Vormittags 9y 2 Uhr: Pfarrassijtent Lic. Ueuning. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde, pfarrassistent Lic. Ueuning.

In der Johanneslirche. vormittags 8 Uhr, zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas­gemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 9 1> Uhr: Pfarrei Uusfeld. Beichte und heiliges Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde. Unmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. vormittags 11 Uhr. Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Uusfeld. Mittwoch, den 11. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Uusfeld.

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