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inneren Feind des deutschen Volkes, und können darum auch unseren äußeren Gegnern gerüstet entgegentreten. Das ist der Geist, den unser Volk in dieser doppelten Reziehung braucht im Jahre 1917, der Geist des echten Soldatenliedes: verzage nicht, du Häuflein klein, dieses kurzen, mutigen Schlachtgesanges. Gott schenke und erhalte uns diesen Geist, diese feste Zuversicht! £ic. Reuning.

A- Aus einem alten Gießener ttirchenbuche.

«Schluß.,

Mancherlei, das zeitgeschichtlich und kulturgeschichtlich interessant ist, ist in unserem Kirchenbuche zu lesen. Rm 17. Oktober 1693 wurde zu Grabe getragen ,,Katharina, hanß Melchiors Dappers, Rürgers und Schneiders zu Rraun- felß Tochter (die sich bep dem Scharfrichter allhier wollte kurieren lassen), alt 16 Jahr." Rach dieser Notiz hat sich der Scharfrichter im Rebenamte, da er im Hauptamte glücklicher­weise nur selten etwas zu tun hatte, mit Kurpfuscherei ab­gegeben. hat doch das Volk in alter Zeit den Scharfrichtern geheimnisvolle Kräfte und allerhand Zauberwirkungen zu­getraut. Mit welchem Erfolge in diesem Falle der Scharf- richter kuriert hat, geht aus unserer Notiz hervor.

Mitunter wird auch die Krankheit mitgeteilt, der die verstorbenen erlegen sind. 3n dem nämlichen Jahre, da dem Gießener Scharfrichter die Heilung des Rraunfelser Mädchens mißglückte, starb ,,des Soldatens Stolhenhagens Frau, welcher das Krebs das Gesicht verzehrt", viele Jahre später, nämlich 1755, starb die 50jährige Tochter eines Musketiers,

,-welche in die elf Jahre die fallende Zucht gehabt, und da sie schon einmal unter einem paroxpsmo (Rnfall, in den Mall­graben gefallen, aber glücklich wieder daraus gerettet wor­den, so ist sie am achten Tag dieses Monats (Rpril,, da sie Violen brechen wollte, abermal hineingesunken und also elendiglich ertrunken."

von einigen sehr alt gewordenen Leuten berichtet das Kirchenbuch. Rm 28. Februar 1752 wurde ,,Jungfrau Maria Margarethe Guthin, Tochter des weiland Kriegskommissars Guth" beerdigt, hinter der Rngabe ihrer Personalien findet sich die Remerkung: ,,Da die Kirchen-Rücher ihres Geburts­ortes den entstandenem Rrand umkamen, so kann man um deswillen und in Ermangelung naher Rnverwandten von ihrem genauen determinierten Rlter nichts Zuverlässiges mel­den. So viel aber weiß man, daß sie nach der Russage ihrer längst verstorbenen Geschwister anno 1600 und etlicher 40 gebohren worden, mithin ihr Rlter gebracht hat auf ohngefähr 105 Jahr." Fünf Jahr später wird der Kriegskassediener Johann Peter Nonberger aus Kurbapern im Rlter von 94 Jahren und 4 Machen zu Grabe getragen, von ihm heißt es: ,,Dieser verstorbene Mitchrist war zwar in der römisch- katholischen Religion gebohren und erzogen, aber nach seinem Rekenntniß auf seinem Sterbebette hat er sich zu den Grund­sätzen unseres lutherischen Glaubens gekehret, das Verdienst guter Merke und die Vorbitte (Fürbitte, der heiligen und dergleichen mehr widerrufen." von diesem im hohen Greisen- alter in das Grab gesunkenen Manne heißt es, daß er schon im Jahre 1685 unter einem kurbaperischen General bei der Entietzung von Mien und der Relagerung von Relgrad zu­gegen gerne,en sei.

Mie in diesem Falle, so wird noch öfters von verstor­benen erwähnt, baß sie sich noch auf dem Sterbebett dem lutherischen Glauben zugewandt haben. Rus dem Jahre 1727 wird gemeldet, daß ein Soldat aus Okriftel sich noch vor seinem Endeaus eigener Rewegnuß von der papistischen

zur evangelischen Religion bekannt" habe. Rn diesen Re- kehrungen auf dem Sterbebette, in denen sich das damalige Luthertum gefallen zu haben scheint, wird niemand Gefallen finden. Man hatte es, wie es scheint, im 17. und im 18. Jahrhundert von der katholischen Kirche gelernt, Men­schen, die nicht mehr ihre volle Entschließungsfreiheit hatten, für die lutherische Kirche zuretten". Daß der 94jährige Greis das Verdienst der guten Merke und die Fürbitte der heiligen widerrufen habe, ist mehr als merkwürdig, ver­mutlich hat er zu dem, was ihm vorgesprochen wurde, nur ja gesagt. Rn der Rrt dieser Remerkungen über den Glau­benswechsel sterbender Menschen erkennt man leider eine große Intoleranz. Diese Intoleranz erreicht ihren Gipfel in einem Einträge des Sterberegisters der Stadtkirche aus dem Jahre 1665. Da wird am 4. Rpril als beerdigt angeführt Felix Schmidt, Ruchdruckers Gesell, bürtig aus Zürich im Schweitzer Land, war der reformirten Religion zugetan, hat sich aber vor seinem Ende bekehret und sich zu unserer allein Seeligmachenden Religion begeben." In dieser Remerkung ist noch eine Nachwirkung des Trotzes zu spüren, den Luther 1529 auf dem Religionsgespräche zu Marburg dem Züricher Reformator Zwingli entgegensetzte, als er ihm sagte: Ihr habt einen anderen Geist! Sind doch in vielen deutschen Lan­desteilen, namentlich auch in der Pfalz, die Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Reformierten viel heftiger gewesen als die Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Katholiken. Es war keine Ruhmestat der Gießener Geistlichkeit, den kranken Ruchdrucker aus der Schweiz noch auf seinem Sterbe­bettebekehrt" zu haben.

Zweimal hatte Gießen im 18. Jahrhundert unter der Einwirkung kriegerischer Ereignisse zu leiden. Das geschah erstmalig während des Siebenjährigen Krieges, vom 11. bis 27. Dezember 1759 wurde die Stadt durch englische und deutsche Truppen blockiert, vorher hatten die Franzosen 15 Wochen lang in Gießen gelegen, sie zogen sich nun nach Rutzbach zurück. Rm 28. Dezember kamen sie wieder, und die Rlliierten rückten nach Marburg ab. Die Stadt Gießen wurde bis Ende Januar 1760 eingeschlossen. Da heißt es nun im Sterberegister:In währender Rloquade wurden die mit einem roten Sternlein in diesem Ruche bezeichneten verstor­benen in der Stadt beerdigt, und zwar hinter der Rurgkirche in einem engen Raum, der nicht wol dazu gelegen war. Dieses habe in memoriam posteritatis (zur Erinnerung für die Nach­welt) aufzeichnen wollen." Diese Remerkung trägt die Unter­schrift:Joh. Ehristian Dietz, Pfarrer an der Rurgkirche." Es waren im ganzen 11 Personen, die damals niemand nach dem jetzigen Rlten Friedhöfe zu bringen wagte. Im Jahre 1759 wurde in Gießen der Soldat eines französischen Regi­ments beerdigt,welches dermalen wegen des im Teutschen Reich entstandenen Krieges in unserer vestung einquartiert lag." Dieser französische Soldat war eigentümlicherweise aus Danzig gebürtig. Im September 1796 lagen die Franzosen wieder vor der Stadt, und Sibylla Rreidenstein, die Witwe eines Professors, fand ihre Ruhestätte in (das soll wohl heißen neben, der Rurgkirche.

von einem bedauerlichen Unfall berichtet ein Eintrag aus dem Jahre 1786. Es starben die beiden Soldaten, der Musketier Johann Ferdinand Stöhr und der Konstabler Johann Henrich pimber. Es heißt da:Reibe wurden den 2. Januar bei der Durchreise der Landgräfin von Hessen- Darmstadt von einer Kanone zerschmettert. Sie hatten eine Ladung Pulver hineingebracht, als sich dieses entzündete und sie vermittelst der in Händen habenden Schaufel an Rrmen,