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mehr durch andere Aufträge unterbrochen. Die Familie hatte nämlich kein Dienstmädchen, sondern nur eine Aufwärterin, die des Morgens kam, das Frühstück, die Zimmerreinigung und das Gfenheizen besorgte und dann ging, war die Frau nicht mehr da und es wurde irgend etwas gebraucht, so ward ich dazu beordert, war das Feuer ausgegangen, so hatte ich es wieder anzuzünden; wurde des Tages zweimal geheizt, so hatte ich es das zweitemal zu besorgen; wurde mehr Wasser als ein Eimer voll gebraucht, so muhte ich ihn drei Treppen hoch Hinaufschleppen,- ich hatte zu allen Zeiten alles Ttötige für die Tante und ihre Mutter einzuholen: Kaffee, 5irup, Bäckerwaren, Fleisch, Gemüse usw., ich mußte die Bestellungen außer dem Hause besorgen, die fertigen Arbeiten zu den Kaufleuten bringen und andere abholen, Kohlen, Pottasche, Borax, Schlagloch, Poliermittel und andere Erfordernisse der Arbeit einkaufen; ich hatte des Mittags Messer und Gabeln zu putzen sowie das Essen für die Mutter — gewöhnlich die Großmama genannt — in einem Menagenkorbe von einem Koch zu holen. Abends hatte ich die Großmama, wenn sie nicht bei uns aß, sondern bei einer ihrer Töchter, von dort abzuholen und nach Hause zu führen,- d-ann aber mußte ich mich noch hinstellen und das Schuhwerk für die ganze Familie putzen, die Kleider reinigen usw. Don Zeit zu Zeit hatte ich auch die Tante mit einem großen Korbe auf den Markt zu begleiten und das Lingekaufte nach Hause zu tragen, was mir oft blutsauer wurde. Dabei war es merkwürdig, wie wenig daran gedacht wurde, das beständige verschicken zu ersparen und meine Kräfte für das Geschäft zu benutzen. Täglich, mußte ich ein paarmal nach denselben Läden gehen, um von den Arbeitsmaterialien dies oder jenes zu holen, z. 13. $d]lag= loth; jedesmal wurde nur für einen Groschen gekauft, hätte der Gnkel für 5 Groschen auf einmal holen lassen, so wäre ich in der Woche nur einmal dahin geschickt worden, jetzt mußte ich fünfmal gehen, und ebenso war es in vielen anderen Fällen. Es fehlte an Geld, solche Auslagen zu machen, und deshalb kam es auf meine Zeitversäumnis nicht an.
(Fortsetzung folgt.)
Kleine Mitteilungen.
Die Abnahme der Glocken von den Türmen und ihre Ablieferung an die Metallsammelstellen hat ln einzelnen deutschen Landesteilen bereits begonnen. So meldete aus der deutschen Nordmark, aus Flensburg, die dort erscheinende ,,Flensburger Zeitung" am 9. Juni folgendes:
Die Glocken der 5t. Petrikirche werden morgen, am 10. Juni, zum letztenmal die Gottesdienste einläuten. Die Glocken sind aus Bronze und müssen, wie der Gemeinde bereits bekannt ist, herabgenommen und der Metallsammelstelle für Heereszwecke zur Verfügung gestellt werden. Sic sind im Jahre 1908 bei Schilling in Apolda gegossen worden und tragen die Inschriften: ,,Ehre sei Gott in der hohe" (die größte), „Friede auf Erden" (die mittlere), „Den Menschen ein Wohlgefallen" (die kleinste). Noch nicht neun Jahre haben sie der neuen 5t. Petrikirche gedient, sonderlich bei Gottesdiensten und Beerdigungen, Haben nun auch in den Kriegsjahren manchmal das Siegesgeläut über die Gemeinde hinausgetragen. Jetzt gehen sie einen weg, den damals bei der Kirchweihe niemand ahnen konnte. Sie sollen dem „Frieden auf Erden" in einer weise dienen, wie es von den Glocken unsers Landes noch nie verlangt worden ist. Das ist schmerzlich für die, die ihren Klang gern hatten und die ihrem Auf oftmals gefolgt sind. Und doch müssen wir sie um des „Friedens" willen gern fahren lassen. Aus Anlaß des Glockenabschiedes wird morgen über Lukas 14, 16 ff. gepredigt werden. Die kleinste der drei Glocken bleibt der Kirche erhalten und braucht nicht abgegeben zu werden. Sie hat leider nur einen recht schwachen Klang. Die Turmuhr wird künftig nicht mehr schlagen können, da die zwei abzaliefernden Glocken zugleich Schlagglocken waren. Die Abnahmearbeit beginnt voraussichtlich am kommenden Mittwoch. Am Abend vorher werden die Glocken um 7 Uhr eine Viertelstunde zum Abschied läuten. _
ttirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 24. J uni, 3. n ach Trinitatis.
Gottesdienst.
In der Stadttirche. vormittags 8 Uhr, zugleich Lhristenlehre für die Neukonfirmierten aus der.Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. — vormittags 9 '/s Uhr: pfarr- asjistent Lic. Neuning. — vormittags 11 Uhr Kinderkirche für die Markusgemeinde: pfarrassistent Lic. Neuning.
In der Johanneskirche, vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Be chtholsheimer. — vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Ausfeld. — vormittags 11 Uhr
Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. — Mittwoch, den 27. Juni, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde: Pfarrer Bechtolsheimer.
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CARL LUDWIG LEIB
KUNSTHANDLUNG • BILDER. EINRAHMUNGS ° GESCHÄFT
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verantwortlich: für den Textteil Pfarrer Bechtolsheimer, für den Anzeigenteil h. Beck; Druck und Verlag der Brühl'kcksn ' wersitäts-
Buch- und Steindruckerei N. Lange, sämtlich zu Dießen.


