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jtern, welche zu ihrer Zeit mit Red)t als Schönheiten galten und sehr rechtschaffene Männer geheiratet hatten. Ihre Mut­ter, die Witwe eines Zinngießers, der einen Laden in der Königsstraße gehabt hatte, wohnte bei meinem Gheim, ihrem Schwiegersöhne, und hatte sich von ihm ein Zimmer gemietet. Sic mochte in ihrer Jugend hübsch gewesen sein, das ver­rieten wenigstens ihre feinen Züge,- jetzt war sie eine dürre, brustkranke Frau mit schwachen, entzündeten Rügen, welche durch einen grünen Schirm um den Kopf geschützt wurden. Da sie viele Langeweile hatte, saß sie meist im Zimmer meines Oheims bei uns, wie eine Spinne in ihrem Netze, und fing darin alles auf, was durch das Zimmer flog, um es laut zu bemäkeln und zu bekritteln. Niemand machte ihr etwas recht und alles wußte sie besser. Meist ging sie abwechselnd zu einer ihrer verheirateten Töchter zu Tische und ließ sich abends wieder abholen. Sic war pfiffiger wie meine Tante, aber nicht minder eingebildet, da sie ehedem in besseren Ver­hältnissen und größerem Wohlstand gelebt hatte, Jetzt besaß sie wenig, saß aber auf dem hohen Pferde und steckte bis über die Ohren in Vorurteilen. Vas Ideal der beiden Frauen waren die Franzosen, nämlich die Leute der französischen Ko- lonie in Berlin,' denn andere Franzosen hatten sie nicht ge­sehen. wer aber zurKolonie" gehörte, hatte bei ihnen ohne weiteres den Rdelsbrief in der Tasche. Dies waren manier­liche, höfliche Leute, die sich fein zu benehmen wußten, klug, gescheut, voll verstand und Einsicht, während die Deutschen plump, dumm, albern, ungeschickt und unwissend waren. Rus- nahmen ließen beide höchstens da gelten, wo die Deutschen durch vielen Umgang mit den Franzosen poliert worden waren. Die'deutsche Sprache - obgleich sie keine andere kannten war in ihren Rügen eine plumpe, bäurische und ganz ungebildete, die man nur dadurch verbessern konnte, wenn man möglichst viele französische Rusdrücke gebrauchte, weshalb ihnen denn auch die Wörter: Gheim, Vase, Muhme, Nichte usw. ein wahrer Greuel waren, die ich nicht hören lassen durfte, wie edel dagegen: Oncle, Tante, Cousine, Niece! - Selbst schöne und angenehme Männer fand man nur unter den Franzosen. Die flachste Lebensansicht herrschte bei diesen Frauen vor. wer den Tag auf die angenehmste weise genießen konnte, war ein beglückter Mensch, mochte er übrigens sein, wer er wollte. Es gab kaum einen anderen wert, als den Geldwert, und wer reich war, verdiente hohe Rchtung, und zwar mit vollem Rechte. Nächstdem aber kam der gut gekleidete, parfümierteschöne Mann", der Schmei­cheleien und Komplimente fein anzubringen wußte, wenn auch sonst nichts dahinter war er besaß die Kunst, zu ge­fallen, und diese war vor allen die beneidenswerteste. Selt­sam, daß beide Frauen in dieser vergötterten Kunst selbst so wenig geleistet hatten!

(Fortsetzung folgt .)

Kleine Mitteilungen.

Der Taubstummengottesdienst, der für nächsten Sonntag um 2 Uhr angesetzt war, findet schon um 1 Uhr, und zwar im Konfirmandensaale in der Liebigstraße, statt. Nach dem Gottesdienste soll ein gemeinsamer Spaziergang nach dem

Schiffenberge gemacht werden.

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Das Jahresfest der hessischen Missionskonferenz, die sich mit der Heidenmission beschäftigt, wird in diesem Jahre, und zwar Sonntag, den 11. utzd Montag, den 12. November, in Gießen stattfinden. Rm ersten Tage ist nachmittags um 3 Uhr Festgottesdienst in der Stadtkirche und abends 8 Uhr eine öffentliche Versammlung in der Stadtkirche. Rm zweiten Tage ist vormittags im Johannessaale eine akademische Feier, nachmittags sollen für die Schüler der hiesigen Lehranstalten besondere Missionsgottesdienste veranstaltet werden.

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Ueber die Feier des Jubelfestes der Reformation werden wir Näheres mitteilen, sobald die obere Kirchenbehörde das Nötige hierüber angeordnet hat.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 10. Juni. 1. nach Trinitatis. Gottesdienst.

In der Stadtkirche. vormittags 8 Uhr, zugleich Ehristen- lehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr, vormittags 97s Uhr: pfarrassistent Liz. Reuning. vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfar­rer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe.

In der Johanneskirche, vormittags 8 Uhr, zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasge­meinde. Pfarrer Bechtolsheims r. vormittags 972 Uhr : Pfarrer R u s f e l d. vormittags 11 Uhr : Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Rusfeld. - Mittwoch, den 13. Juni, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Rus­feld.

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Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Verein,

Diezstr. 15. Sonntag, den 10. Juni, abends 8 Uhr: Vortrag. Mittwoch, den 13. Juni, abends 87r Uhr: Leseabend. Gäste stets willkommen.

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Bibeltränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Je­den Mittwoch von 67 Uhr für die jüngere Rbteilung. Jeden Samstag von 67 Uhr für die ältere Rbteilung im Johannessaal.

Bibelkränzchen für Mädchen aus der Johannesgemeinde.

Jeden Dienstag von 6 7 Uhr im Johannessaal.

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verantwortlich: für den Textteil Pfarrer Bechtolsheimer, für den Anzeigenteil k). Bech; Druck und Verlag der Brühl'jchen Universltäts-

Bnd)« und Steindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.