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Beraubung dem Kachelofen mitgeteilt. Auch jene herumreisen­den Landsknechte, welche durch lange Hosen, weite Aermel und hohe spitzige Zederhüte sich auszeichneten, ließen Hessen nicht unberührt. Einem derselben, der vom Hof zu Haustein ohngeachtet des erhaltenen Reisegeldes mehr als ein Huhn mitnahm, zog Martin von Haustein selbst so viele Zähne mit einer Zange aus, als er Hühner überhin mitgenommen, und ließ ihn noch durchprügeln. Lin anderer, der 1565 in Nieder­hessen allenthalben Gevattergeschenke für seines vermeynt- lichen Kindes Taufe auspreßte und auch einen Besuch in Waldkappel bey dem Gbristen Neimann abstattete, wurde auf die Anzeige desselben in Cassel auf dem Markte mit Stricken hinterrücks gebunden, neunmal in die Luft und wie­der heruntergezogen und hierauf des rechten Ohrs beraubt. Bey jedem Zug rief der Henker: ich allein habe die Ehre, dich als Gevatter zu haben. Diese von Landgraf Philipp, wie es scheint, aus den Niederlanden gebrachte Strafe (strape 61 ekor6a) wurde auch dem Gesellen eines Wilddiebs aus Münden zuerkannt, der die häute dreyer bei Helsa geschos­sener Hirsche abgezogen und zum verkauf gebracht hatte, während der Wilddieb selbst ohne weiteres an einem Lich- baum gehängt wurde.

Sehr strenge Maßnahmen führte der Landgraf auch gegen die Marburger Studenten durch, die um das Jahr 1550 sehr ungebärdig geworden waren. Professor Dr. Wilhelm Martin Becker in Darmstadt gibt hierüber in einer Skizze ,,Die Marburger Studentenschaft unter der Negierung des Landgrafen Philipp" (enthalten in der Festschrift des histori­schen Vereins für das Großherzogtum Hessen zum 400. Ge­burtstage des Landgrafen) interessante Mitteilungen. Um das genannte Jahr gab es in unserer Nachbarstadt wüste Streitigkeiten zwischen Bürgern und Studenten. 3m Dezember 1551 wurde ein Student von dem Marburger Goldschmied Spieß erschossen, fünf Jahre später wurde abermals ein Student von Handwerkern erschlagen. Daraufhin kündigte der Landgraf an, daßFeuerbüchsen bei Nacht in den Klei­dern verborgen tragen mit verlierung des Kopfes" gesühnt werden solle. Als 1566 wieder ein Student diesmal von Hofleuten erschossen wurde, wurde den Studenten in ein­seitiger, parteiischer Weise angedroht, daß an jedem, der mit Schußwaffen Unfug treibe, die Strafestrapo 61 chor6a" vollzogen werden solle. Glücklicherweise kam es nie zum Voll­zug dieser Strafe, die Studenten und auch die Bürger scheinen von da an aufgehört zu haben, nachts mit Feuerwaffen durch die Gassen auff und ab zu gruntzen".

6 .

Als Landgraf Philipp im Jahre 1521 am Neichstage zu Worms teilnahm, war er erst 16 Jahre alt. von diesem denk­würdigen Neichstage berichtet ein alter Hesse folgendes:Gf- termals hat mein vatter seliger erzelt, wie er Landgraf phi- lipsen Diener und mit Seiner Fürstlichen Gnaden zu Worms auf dem ersten und großen Reichstag, den Kaiser Carolus der Fünft daselbst gehalten hat, gewesen, und er, mein vatter, vor einem Kramladen gestanden, seyen indem die Fürsten nacheinander und auch der Landgraf zu Rath geritten, hat die Krämerin zu ihrem Hauswirt gesagt: was meinst du, das diesen Fürsten ziert und herrlich macht? Der Mann sprach: Er ist ein seiner junger Fürst und von Person und hohem Stamm geboren, auch reich, an Land und Leuten, wahr ist dieses, sagte das Weib, aber das ist sein bester Sichmuck, daß er so viel grauer Bärt, das ist, so viel feiner alter und wohl stehender Männer umb sich hat. hierauf

führte der alte Hesse einige Sprüche aus dem Buche Sirach an, wie wohl man tue, dem Rat der Nlten und nicht jungen Ginlöffeln" zu folgen.

7 .

Schweren Demütigungen war der Landgraf unterworfen, alz er im Schmalkaldischen Kriege von Kaiser Karl V. ge­fangengenommen war. Oft ließ ihn der Kaiser in der ersten Zeit der Gefangenschaft durch die deutschen Städte führen. Linen solchen Vorgang beschreibt ein Augenzeuge mit den Worten:Als man von Speyer hinab auf Worms zog, sah ich, daß der Landgraf umb achten vor Mittag, zwischen den spanischen Vorhütern mit ihren langen Röhren vorne, hinten und auf beiden Seiten wohl gerüstet, er aber auf einem Klep­per nicht gar groß, bloße und ledige Büchsenhelfftern am Sattel, das Kreutze vom Rappier an die Scheide, daß er die wehre daraus nicht ziehen konnte, fest gemacht, in einer großen Menge Volkes, nicht allein von Fremden sondern auch von Speyerschen Linwohnern, ihren Weibern, Gesinde, Jung und Alt, so nahe an ihm als sie kommen konnten es ließ sich erfahren, daß sie dazu abgerichtet waren rufend: Allhie reit der aufrührerische, teutsche Schelm und Bösewicht und noch wohl andere härtere, fast beschemliche Worte, die ich genau hierher zu setzen Bedenken Hab, durch' die Stadt zum Thor hinaus, nicht anders als ein verurteilter Misse­täter zur Lxekution erkannter Leibes- und Lebensstrafe ge­führt wird." _ (Schluß folgt.)

2lu$ der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Mein Gheim war ein guter, meist ruhiger, schweigsamer und finsterer Mann. Lr hatte sich von Jugend auf mit widri­gen Schicksalen umhergeschlagen, eine freudenleere Kindheit und schlechte Lehrjahre gehabt bei einem Manne, von dem wenig zu lernen gewesen. Stets von der Dürftigkeit und allen ihren Folgen geplagt, war er sehr engherzig geworden, hatte sich nur mit Mühe selbständig gemacht und beschäftigte sich lediglich mit Arbeiten, die einen sehr geringen Lohn gewähr­ten. Solche Verhältnisse drücken Geist und Charakter nieder und nehmen ihnen alle Spannkraft, wie alle Freudigkeit des Gemütes. Uebrigens hatte der Gheim einen gesunden ver­stand, aber nicht viel Beobachtungsgeist, wodurch sein Urteil unsicher wurde,' er las gern und war nicht ohne Sinn für das Bessere im Leben,' der Mut, es zu ergreifen, fehlte ihm jedoch. Dabei war er ein redlicher Mann, aus dem in anderer Umgebung Besseres hätte werden können.

Seine Frau, meine Tante, hatte weniger lobenswerte Eigenschaften. Sie war nicht hübsch,' das ganze Gesicht von Blattern zerrissen, die Finger gut und ziemlich beweglich. Gar gern wäre sie eine vornehme Person, eine Modedame, gewesen, und ehe man es sich versah, gefiel sie sich darin, sich einzubilden, sie sei es. Gern sprach sie von Lustpartien, Bällen und Maskeraden und sehnte sich, daran teilzunehmen,' sie hatte eine hohe Meinung von sich und saß oft müßig in Phantasien versunken. Ihre Bildung war höchst oberflächlich' sie kannte einige französische Phrasen, eine Anzahl Canz- touren, hatte einige Romane gelesen und vergessen, sprach kein besonderes Deutsch, steckte voller Vorurteile und war beschränkten Verstandes und flachen Gefühles. Die Frau hatte drei Kinder, Jettchen zehn, Karl acht, Minchen sechs Jahre alt, deren Erziehung ihr wenig Sorge machte, weil ihr mit ein wenig französischem Radebrechen und etwas putz­machen das meiste abgetan schien. Sie besaß noch drei Schwe-