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wagen durch Kliestow fuhren, wollten sie meine Zachen bei der Durchfahrt vor dem Kruge in Empfang nehmen. Ich dankte meinem gefälligen Dauer herzlich und wanderte wie­der nach Kliestow. Um das Mittagsbrot zu ersparen, sam­melte ich Maulbeeren auf und hielt damit meine Mahlzeit.

Der Nachmittag wurde mir sehr lang; ich konnte nichts vornehmen und hatte auch keine Lust dazu; er mußte ver­lebt werden und wurde es. Lin Tabulettkrämer mit seinem Kasten auf dem Kücken trat in das Gastzimmer. Ls war ein junger Mann von etwas zigeunerhaftem Uns ehe n; ihn be­gleitete seine Frau, ein altes häßliches Weib, die allenfalls seine Großmutter hätte sein können. Leide setzten sich mir gegenüber, nachdem sie ihren Kram seitwärts gestellt hatten, und forderten ein Glas Vier. Der Krämer beäugelte mich von oben bis unten sehr aufmerksam, schüttelte den Kopf, sah seine sogenannte Frau an und begann, indem er eine Pfeife stopfte: Man ist wohl Studiosus? (damals war Frankfurt noch Universität). Ich: Kein! Tr: Oder vielleicht Gpm- nasiast? Ich: Nein! Tr: will man nach Frankfurt?

Ich : Nein! Er: Dann ist man wohl nicht Kaufmann?

Ich: Nein! Cr: Ich habe schone pfeifen. Kaucht man?

Ich: Nein! Cr sah wieder seine Frau an, schüttelte abermals den Kopf und ließ mich in Kühe, was mir sehr lieb war, denn ich sehnte mich nicht nach seiner Unterhaltung, so lang mir auch die Zeit wurde.

Km andern Morgen kamen die Frachtwagen, nahmen meine Zachen auf, und ich wanderte nebenher. Ich fand einen Keisegefährten, einen Gymnasiasten aus Brandenburg, 14 Jahre alt, aber älter aussehend, der einen verwandten in der Ueumark, einen Müller, während der Ferien besucht hatte und jetzt mit dieser Gelegenheit in die Vaterstadt zu­rückkehrte.

Endlich erblickten wir in ziemlicher Entfernung die Türme von Berlin; ich erkannte die des Gendarmen-Mark- tes. F)ier also sollte sich meine Zukunft entfalten; dies war jedenfalls der Schauplatz vieler guten und schlimmen Tage. Ich begrüßte ihn nicht freudig, sondern mit Bangen. Die letzte Meile von Friedrichsfelde nach Berlin wurde mir sauer. Die zweitägige langsame Zußreise hatte mich ermüdet, und ich war durch und durch naß. Kbends um 6 Uhr langten wir in Berlin an. Die wagen fuhren vor einen Gasthof; meine Zachen wurden auf eine Karre geladen, und der Hausknecht, der sie fiuhr, diente mir als Wegweiser. Mir kamen die Türme, die Häuser viel kleiner vor, als sie vor meiner Erinnerung gestanden. Kls wir beim königlichen Schloß vorbeikamen, erkannte ich es nicht wieder; denn es erschien mir viel zu klein Ich habe diese Erfahrung auch später an anderen ge­macht und ich möchte fast vermuten, daß wir unbewußt nach unserer eigenen Leibeslänge messen, wenn ein Knabe nur zwei Drittel so groß ist, als ein Erwachsener, so wird ein

Gebäude, das 15mal so hoch ist als der Knabe, nur wmal so hoch sein als seine Länge, wenn er es als Erwachsener wiedersicht. Seiner Erinnerung nach verlangt er es 15mal so hoch als sich und findet es daher jetzt zu klein. Kuf Schätzung nach irgendeinem Maßstab-e beruhen solche Urteile immer, wenn auch keine Zahl dabei gedacht wird.

Cs war der 1Z. Juli 1801, als ich in Berlin anlangte. Mein Gheim, Karl willmanns, wohnte in dem lebhaftesten Teile der Stadt, drei Treppen hoch, höchst beschränkt, so daß ich in einem fensterlosen verschlage auf dem Hausflur schlafen mußte. Meinen Empfang hatte ich mir wärmer gedacht; es war nicht anders, als ob ein Fremder käme. Ich hatte mir den Bruder meiner Mutter, nach ihren Schilderungen, als einen Mann gedacht, der mich mit der Liebe eines nahen verwandten empfangen würde. Statt dessen fand ich einen stillen einsilbigen Mann, der nach der ersten Begrüßung und einigen Erkundigungen nichts zu sagen hatte. Seine Frau starrte mich an und zeigte sich noch teilnahmsloser; ihre Worte waren so unbedeutend als möglich. Mir war das Herz so voll, so warm, und hier war alles so leer und kalt, hätte ich dem ersten Eindruck folgen können, so wäre ich am liebsten wieder dahin gegangen, wo ich herkam. Km meisten, verletzte es mich, daß meine Tante von einer Verwandtschaft nichts zu wissen schien, sondern mich ihren Kindern mit den Worten vorstellte: ,,Das ist der neue Borsche." So sprach sie nämlich das WortBursche" aus. Die Kinder sahen mich von der Seite an und wußten nicht, was sie sagen sollten.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Seachtung

Der Schluß des KrtikelsEtwas von den Glocken" er­scheint in der nächsten Nummer.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den Z. Juni. Trinitatis-Fest.

Gottesdienst.

In der Stadttirche. vormittags 8 Uhr: Siehe Johannes­kirche. vormittags 9*/,> Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Mittwoch, den 6. Juni, abends 8 Uhr: Kriegs­betstunde. pfarrassistent Lic. Keuning.

In der Johannesiirche. vormittags 8 Uhr: Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannes­gemeinde. Pfarrer Kusfeld. vormittags 97_> Uhr: Pfarr­assistent Lic. Keuning. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Kbends 8 Uhr: Bibelbesprechstunde im Johannessaal.

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