Ausgabe 
3.6.1917
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heißen, dieselbe Gunst forderte, wurde auf das Herkommen verwiesen. - Einstens, als Fritz Magnus von Solms mit Philipp von der Fuldabrücke her auf die Jagd zog, unter vielem Volk, welche den Landgrafen sehen wollten, über­reichte ein Opfermann (Kirchendiener) knieend eine Vitt­schrift, um seines Sohnes willen, der im Krieg gegen Hein­rich von Braunschweig unwissend wider sein Vaterland ge­dient hatte mb deswegen von den Beamten nicht wieder eingelassen wurde. Der Landgraf sagte: ,,Herrgott soll dir Bescheid geben." So hieß der damalige Sekretarius. Der Gpfermann:G gnädiger Herr, das ist mir ein ungnädiger Herr Gott." Der Landgraf: ,,Folge mir !" Als die Jagd bei Kauffungen vorüber war, rief Landgraf Philipp den Gpfer­mann und den Herrgott, sprach zu diesem:Hab ich dir nicht vor einem halben Jahre befohlen, diesem armen Mann einen Befehl an die Beamten zu erteilen, seinen Sohn in Frieden zu lassen," fiel ihm in den Bart, raufte und schlug ihn und sagte zum Gpfermann:Nimm deinen Sohn wieder heim und jage nach, was du gesehen und gehört hast!"

3.

wenn die religiöse Ueberzeugung in einem Volke sich wendet, eine alte Weltanschauung in das Grab sinkt und eine neue Weltanschauung heraufsteigt, so gehen neben den ernst­haften Erörterungen auch Witz, Satire und Spott einher. Im Beformationszeitalter hat es an Spottgedichten nicht gefehlt, ebenso wenig an Spottbildern. Die Katholiken spotte­ten über die Evangelischen und umgekehrt,- sowohl der Papst als auch Luther sind auf Spottbildern häufig zu finden. Als man im Hessenlande sich mehr und mehr von der alten Lehre abwandte, wurde diese auch zum Gegenstände des Spottes. Dafür zeugen die beiden nachfolgenden Anekdoten, die wir in der Sprache deir alten Zeit wiedergeben.

Unweit Germerode (bei Eschwege) war damals eine Kapelle des heiligen Lukas. Ein Bauer, der ein krankes Schwein hatte, brachte demselben einen halben Scheffel Korn mit der Bitte, das Schwein zu kurieren. Als er nach Hause kam und das Schwein tot fand, rief er aus: Lätzchen (Lukaschen), Lätzchen, du darfst mir wul ein Gesellchen sein, du nimmst den Scheffel wapß von mir und läßt mir naut de winger (nichtsdestoweniger) mein Sau sterben. Eine Bäuerin, die eine kranke Kuh hatte, gab ihrer Tochter zwei junge Hühner für die Nonnen auf dem Gehülfenberg ohnweit Wahnfried (im Kreise Eschwege). Das Mädchen begegnete einem schon von der neuen Lehre angesteckten, lebenslustigen Nachbar, der ihr riet, für diese Hühner Limbecker Bier zu kaufen und mit ihr zu trinken. Denn das Gpfer an die Nonnen wäre doch umsonst. Dieser Kat wurde befolgt. 5lls das Mädchen des Abends zu ihrer Mutter kam, fragte diese, um welche Zeit sie den Nonnen die Hühner gegeben.Um eilf Uhr."hem," sagte die Mutter,um dieselbe Zeit ward meine Kuh besser, hüte dich also, den alten Glauben zu verlassen! Mich soll niemand, so lange ich lebe, davon abbringen."

4.

Iagdgeschichten sind die folgenden Berichte:

1537, als Landgraf Philipp in einer Sommerjagd etliche Hirsche gefangen und diese in der Karthause Eppenberg (ohn­weit Felsberg an der Ldder) in Gegenwart vieler Edlen und Bauern, darunter ein besonders gutes und fettes Stück, vorgelegt wurden, wollte der Landgraf dies selbst zerlegen und verlangte nach einem Messer. Da sprach ein armer Bauer aus Teute verwunderungsvoll:Lp, sepd ihr ein reicher Fürst

und habt kein Messer,- ich bin ein armer Schäfer, und habe ihrer wohl drep," zeigte ihm damit seine Scheide und lieh ihm doch keines. Indes ward ihm ein Messer gereicht, er schnitt den Hirsch hinten über den Ziemer und sagte:Der hat viel weiß, ist Jagens werth gewesen." Da sprach ein alter, reicher, geiziger Filz (Hein Finck aus Hilgershausen): Ja, gnädiger Herr, der kostet uns unser gutes Körnchen, das sie uns im Felde abfressen." Der Fürst antwortete: Ls ist zu erbarmen, daß ihr euch weigert, meine Kühe in euer Feld gehen zu lassen, da ich doch eure Kühe in meinen Wald lasse. Da schlug dieser grobe Filz dem Landgrafen einen Knipp für die Nase und sagte: Dafür geben wir auch gute Korngüldchen. Alsbald rief der Landgraf den Kentmeister von Feldberg und befahl ihm, er sollte diesem Bauer dies Jahr zwep Vierthel Korn an seiner Zinse Nachlassen. Der Thronist fügt hinzu: es geriet diesem gottlosen Geizhals, wäre besser an einem Armen angelegt gewesen.

Als der Landgraf von der Karthause nach Lasset ritt, begegnete ihm eine Bäuerin mit einem Gebund Garn auf dem Kopf, dies zu verkaufen, um die Satzung zu zahlen. Als sie auf Befragen ihm dies erzählte, gab er ihr, so viel es ihrem Antheil betrug, einen Grtsgulden und sagte, sie solle das Garn behalten. Da sprach das Weib: Lohne euch Gott, lieber Junker, ich wollt der Landgraf hätte solch Geld auch jetzt, doch daß es glühend wäre. Lachend sagte Philipp zu den Seinen: ist das nicht ein wunderlicher Handel, solchen Unheilswunsch habe ich um mein eigen Geld gekauft, und ließ sie friedlich ziehen.

(Fortsetzung folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Des andern Morgens ging ich! zeitig nach Frankfurt, um mich abermals nach einer Gelegenheit umzusehen. Ich war nod]' nicht weit in die Stadt hinein, als mich jemand auf die Schulter schlug:Schlag un Düwel, wo kommen 5e denn her?" Es war ein Bauer aus der Uähe von Friedland, der einen Juden zur Messe gefahren hatte. Mir ging das Herz auf, als ich ein bekanntes Gesicht sah. Ich erzählte ihm von meiner Lage. Lr kratzte sich hinter den Ohren und sagte: es sei da in seinem Gajthofe so einKrümmeleirat" oder so was vornehmes, der wolle gern einen Begleiter nach Berlin haben. Ich möchte mit ihm kommen, er wolle mich hin­führen. wir kamen nach dem Gasthofe. Ls war ein Kriminal­rat, der da erklärte, er wolle mich wohl mitnehmen, aber Sachen und Betten nicht,- denn er habe dazu keinen Platz im Wagen. Ich hätte nun wohl die Sachen Nachkommen lassen können, aber dazu hatte ich nicht Erfahrung genug; es fiel mir nicht einmal ein. Ich glaubte mich von den Betten nicht trennen zu dürfen und mußte daher auf diese gute Gelegen­heit verzichten. Mein redlicher Bauer tröstete mich und meinte: Ich solle mir das nicht leid sein lassen,- mit so vornehmen Leuten sei schwer auszukommen und mit ihnen nicht gut Kirschen essen; der Krümmeleirat habe ihm gar nicht gefallen und er möchte nicht mit ihm fahren. Lr führte mich nach einem andern Gasthofe, hier ergab sich, daß am nächsten Morgen zwei Frachtwagen nach Berlin gehen würden, die am zweiten Tage ankämen. Die Fuhrleute waren willig, meine Sachen gegen angemessene Entschädigung mitzunehmen, aber ich selbst müsse gehen, auch für meine Beköstigung sorgen. Ich war froh, eine Aussicht zum Fortkommen zu Haben, und die Sache wurde in Kichtigkeit gebracht. Da die