Ausgabe 
3.6.1917
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lanchthon,ich habe die Schlüssel zu allen Gemächern. So bleibt mir an Einsamkeit nichts zu wünschen übrig." Flugs warf er sich denn auch wieder aufs Arbeiten, und zwar ganz im Sinne der Wartburg:Da bin ich nun " heißt es weiter, auf meinem Sinai angekommen, liebster Philippus,' aber ich will aus diesem Sinai ein Zion machen und hier drei Hütten bauen, dem Psalter eine, den Propheten eine und dem Kesop eine." Tatsächlich verdanken wir denn auch der Uo- burger Zeit insonderheit die herrliche Uebersetzung der Psal­men, ohne zu ahnen, daß Luther oft so elend sich fühlte, daß er von schwersten eigenen Todesgedanken geplagt war. hier oben traf ihn statt dessen bald darnach - am Pfingstsonntag, den 5. Juni die Nachricht vom Tode seines greisen Vaters, die ihn tief erschütterte. Nber immer wieder riß er sich empor, vor allem waren seine Gedanken nach Nugsburg gerichtet, und die Voten und Briefe wechselten oft Tag um Tag. Immer wieder wußte er Nat und Mahnung, Nnfeuerung und War­nung, und mit Nechl heißt es von jener Zeit:Luther hat mit seiner geistigen Gegenwart in Augsburg mehr geschafft, als mancher, der leibhaftig zugegen war."

Aber alles überwog doch auch hier, wie überall, sein schier himmelstürmender Glaubensmut. wir haben dafür aus der Noburger Zeit ein kostbares Zeugnis, das seines Genossen Veit Dietrich. Luther hatte die Gewohnheit, laut zu beten, oft am offenen Fenster. Und darüber schreibt jener einmal an Melanchthon:Ich kann nicht genug bewundern die aus­nehmende Standhaftigkeit, die Heiterkeit, den Glauben dieses Mannes in so herber Zeit. Tr nährt sich ohn Unterlaß durch fleißiges Treiben des göttlichen Wortes. Nein Tag vergeht, wo er nicht zum mindesten drei Stunden, und zwar die zum Studieren gelegensten Stunden, aufs Gebet verwendet. Ein­mal glückte mir's, daß ich ihn beten hörte. Guter Gott, welch ein Glauben lag in seinen Worten! Mit so großer Ehr­furcht bittet er Gott und mit solchem Glauben und solcher Hoffnung, daß man meint, er redet mit einem Vater und mit einem Freunde:Ich weiß," sagte er,baß du unser Gott und Vater bist, also bin ich gewiß, daß du di. Verfolger deiner Ninder wirst zuschanden machen. Tust du's nicht, so ist die Gefahr dein und unser zumal. Dein ist dieser ganze Handel, wir sind daran gegangen, weil wir mußten, darum wollest du ihn verteidigen."

Deutsches Volk, du stehst jetzt als Ganzes in nicht minder schwerer Zeit und Gefahr, wie einst Luther zur Zeit des Augs­burger Reichstags. Es gilt, wie damals, das höchste und heiligste! Lerne beten wie Martin Luther, der deutscheste Mann. Aber lerne dich auch so halten in deinem Tun und Denken, daß du derart reinen Gewissens und jo fest im Glau­ben vor deinen Gott hintreten kannst, wie er! Das walte Gott in dieser deiner größten Schicksalszeit!

Opfer.

präge mir's mit deinem Finger Brennend in die Seele ein.

Daß nur solche deine Jünger, Deine Erben können sein, welche allem abzusagen, was sie haben, sich nicht scheuen, Und ihr Ureuz dir folgend tragen Und sich deiner Leiden freu'n.

Wir leben in einer Zeit der Gpfer. Nicht die Zeit allein, auch Gott verlangt Gpfer von uns. Und es sind schwere Gpfer, die wir bringen müssen, Gpfer der Liebe, des Lebens und des eigenen Ichs. würde man uns fragen, wir würden nicht sagen können, welches das schwerste von ihnen ist,' alle treffen sie uns tief, sehr tief.

Und dennoch, wenn wir uns in die Größe der Leiden versenken, welche uns durch sie auferlegt werden, so müssen wir uns sagen, daß sie uns auch einen verborgenen Segen bringen, etwas, was uns von uns selbst und unsern Nei­gungen und wünschen trennt und uns näher zu Gott bringt, wir erstarken in dem vertrauen zu dem, der gerade in den schwersten Tagen unseres Lebens uns am nächsten ist. wir lernen die Sorgen unserer Nebenmenschen besser verstehen, indem wir versuchen, ihre Lasten tragen zu helfen, getreu dem erhabenen Worte: Einer trage des andern Last!

haben wir uns dies recht zu eigen gemacht, so wird unsere Eigenliebe in den Hintergrund treten, und wir sind dann freier von Selbstsucht,' wir werden uns bemühen, die Gaben, die uns gegeben sind, im Dienste Gottes und der Menschen zu verwenden. Mehr und mehr wird der Ewigkeits­gedanke in uns erstarken, die Ewigkeitssehnsucht in uns er­wachen, wir werden streben, Ewigkeitsmenschen zu werden.

Und dies wäre für die Seele eines jeden unter uns der größte Gewinn in allen Leiden dieser Welt, wir würden er­fahren den geheimen Segen, den diese schwere, große Zeit mit ihren unermeßlich großen Opfern für uns in ihrem Schoße birgt, wir wollen nicht Klagen, wir wollen mutig aus­harren, bis auch uns das Licht der Ewigkeit scheint, und wir wollen mit jenem frommen Manne sagen:Herr Jesu, ich lege mein Leben, mein Sein, meine Lieben, mein alles auf deinen Altar! Laß dir dies Gpfer Wohlgefallen!"

Baronin Nabenau.

Gib!

Gib nur, so wird dir gegeben!

Ziehe, wie der Ackersmann In die Furche streut den Samen,

Daß er reichlich ernten kann.

Gib nur, so wird dir gegeben!

Deine Gaben, deine Zeit Gib von Herzen, ohne Fragen Und du erntest Ewigkeit!

Gib nur, so wird dir gegeben!

Ohne Maß gibt Gott zurück.

Für den Becher kalten Wassers Ueberströmt er dich mit Glück.

Gräfin Helene waldersee.

Geschichten und Anekdoten öu$ dem Leben Philipp; de; Grotzmütigen.

2 .

Im Iahre 1558 sah Landgraf Philipp bei einer Iagd ohnweit Homberg (nicht das oberhessische Homberg a. d. Dhm, sondern Homberg im Bezirke Nassel), unter denen, die die Hunde leiteten, einen von Angesicht, Länge und Gebärden feinen Bauersmann, der, um seinen Namen gefragt, erschreckt antwortete:Hans Landgraf."was," sagte Philipp, heißest du Landgraf, wie bist du zu dem Namen gekommen?" Antwort:Gnädigster Fürst und Herr, ich bin von armen, doch redlichen und frommen Eltern auf einem Dorfe geboren und ist meiner Voreltern Zuname, dabei man uns kennt, Landgraf." hierauf tat Philipp seinen Beutel auf, gab ihm etliche Thaler und sprach :Dieweil du ein Landgraf bist, sollst du nimmermehr die Hunde leiten," und gab den Land­knechten, die diesen Dienst zu fordern haben, den Befreyuns- befehl. Ein anderer armer Mann, der ohne Landgraf zu.