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und wie zufrieden! Ich freue mich der Sonne und des Grüns, der warmen Lüfte und vor allem der Liebe meines Schöpfers, ich geringer Spatz."
List du gar nicht, mochte ich ihm am liebsten zurufen. Du besitzt ein ganzes Teil Innerlichkeit und Poesie, gerade wie ein Mensch, der äußerlich unansehnlich ist und vielleicht auch des öfteren abstößt durch sein Wesen in Gesellschaft. Triffst du ihn allein und beobachtest ihn unbemerkt in seinem Schulten und Walten, bist du, glaube es mir, nicht selten wunderbar überrascht: ,,Welch ein köstliches Menschenkind, ich ahnte das nicht, und es selbst ahnte es nicht in seinem reizend anspruchlosen und — das ist es — in der Einsamkeit allein glücklichen und sich natürlich erschließenden Sein." So spricht es lebhaft auf dich ein. Ich aber schweige, reden heißt hier erschrecken, stören. Ich bewahre mir den prächtigen Eindruck wie einen Schatz, still-verschwiegen, verständnisvoll.
„Zitt, zitt" jubelt mein kleiner Freund. Vas ist Frühlingsmusik, Sänger Spatz. Kennst du Mendelssohns Lieder ohne Worte? Deines ist fast eins, nur mit dem Unterschied, daß es nur zwei Noten hat, zwei famose Noten: Froh, froh! Ja, das bist du, kleiner Kerl! Treffe ich dich lärmend und tollend mit deiner ganzen Sippe am Rlltag an, dann erinnere ich mich gern an dein „Zitt, zitt", froh - froh, im Rhorn- baum am pfingstmorgen.
Pfingsten 1916. ^anna Krüger f.
Geschichten und Anekdoten aus dem Leben Philipps des Grohmütigen.
Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen (1504 bis 1567), der 1526 in seinem ganzen Lande, somit auch in Gießen, die Reformation eingeführt hat, war ein sehr populärer Fürst. Nicht Klein ist deshalb auch die Zahl der Geschichten Und RneKdoten, die man sich über ihn in seinem Lande erzählte. Einige davon, wie sie sich in alten Urkunden und Büchern finden, seien hier wiedergegeben. Der Leser wird bald merken, daß man im 16. Jahrhundert in Deutschland wesentlich derber war als heutzutage. Diese Derbheit darf aber nicht als Roheit angesehen werden. Rohe Gesinnung kann sich unter sehr gefälligen Manieren -verbergen, während mit der Derbheit in Worten und Manieren, wie man sie in alter Zeit findet, sich oft wahrhaft fromme Gesinnung und sittlicher Ernst zusammenfanden.
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Der Landgraf war, wie die weitaus meisten seiner Ztandesgenossen, ein eifriger Iäger. Einmal hat er einen großen Bären erlegt, wo dieses Untier hauste, wird uns nicht gesagt. Lin Marburger Gelehrter hat über dieses von dem Landesherrn erlebte Iagdabenteuer nicht weniger als vier lateinische Epigramme geschrieben. Um Marburger Schlosse fand sich die Inschrift:
Da noch regieret das Hessenland Landgraf Philipp mit seiner Hand, hat er einen Bären selbst gefällt,
Der edle Fürst und treue Held.
von des Fürsten Iagdleidenschaft in jungen Iahren erzählt ein Thronist folgende Begebenheiten: „Zuvor ehe er die Kirchen reformierte, trug er große Lust zum Iagen, wie er denn alle morgen, des Nachts umb ein Uhr mit seinen Iägern und Reutern, welche das gantze Iagen umbhero beneben dem Reuter haubtmann musten bewachen, uff wahr, daß er in der Kühlung jagen mochte, damit die Hunde desto freudiger undt auch die Unterthanen desto zeitlicher wieder zu Haus
kommen möchten, hatt er darnach, nach gehaltener kalten Küchen ein stundt oder etlich geruhet, oder sonsten Kurtzweil gehabt mit seinen Iunkern. Wann er denn also früh auf wahr, halt er zuvor den Pfaffen (dieses Wort wurde früher nicht irr verächtlichem Sinne gebraucht, es bedeutete so viel wie Pfarrer) eine Meß lassen lesen undt unterdessen sich anziehen lassen und zum Pfaffen je bisweilen gesagt: Botz Märter (potz Martin), scheer dich fort mit dem Grempelwerk, auch wohl davon geritten und den Pfaffen allein Meß halten lassen. Er führet auch bei sich etliche englische Hund: als Ball, Türk, Rnhalt und den jungen Weckuff, welcher ihm sehr beliebet, muste bei ihm im Gemach sein, war schloßweiß und hatte einen roten Flecken am Ghr, wahr ein untreuer Hund,' war es er fast (faßte), das hielt er."
Der Iagdleidenschaft ist Philipp bis in sein Rlter ergeben gewesen. Im Iahre 1599 schreibt er in einem Brief an einen Standesgenossen: „In dieser Schweinehetz haben wir mit unseren jungen Hunden, die hübsch und wie selbst gezogen, gute Lust gehabt und über 1120 Säue gefangen, wie denn Euer Liebden aus bepverwahrtem verzeichniß zu sehen finden. Ruch mögen wir Euer Liebden mit Wahrheit und wollen wenig sagen, daß wir noch 60 Jagden, so wir gewollt, zu thun gehabt hätten. Weil wir aber befunden, daß die Säue mager gewesen, haben wir nicht fleißiger jagen wollen. Doch sind die Säule dieses Iahr im Reinhardswald uni Spangenberg und um Melsungen her feist gewesen."
Ein Iahr zuvor hatte Philipp einen befreundeten Fürsten um ein gutes, zaumrichtiges Pferd zur Schweinehetz gebeten, weil er jetzt ein schwerer Reiter sei und sich in den Wäldern vor dem Fallen fürchte. 1560 schrieb er, er habe auf einer Iagd 154 Hirsche gefangen, ob er schon noch im Solingswald, in den Wildfuhren um Spangenberg, Lich- tenau, Melsungen, Reinhardswald, Habichtswald und um Kassel gar kein Jagen gehalten.
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Zugendzeit eines deuischen Mannes.
(Fortsetzung.)
Rls wir dies Dorf verließen, bemerkten wir, daß ein Gewitter aufstieg. Kaum waren wir eine halbe Meile gefahren, so ereilte es uns in seiner vollsten Heftigkeit mit einem furchtbaren Regen- und Schloßenwetter. Die Schloßen waren so groß wie Haselnüsse und schlugen, getrieben von einem heftigen Sturm, so schmerzhaft auf, daß sie blaue Flecken verursachten und wir in dem offenen Wagen nicht bleiben konnten. Wir stiegen ab und suchten uns unter und hinter dem Wagen zu schützen. Rber die Schloßen wurden vom Sturme fast horizontal getrieben, und die Pferde, schmerzhaft getroffen, waren nicht zum Stillstehen zu bringen. Schon nach wenigen Minuten hatten wir keinen trocknen Faden auf dem Leibe,' der Donner rollte unaufhörlich fort' die Blitze umzuckten uns, kurz, es war ein Wetter, als solle die Welt untergehen. Rlles nimmt indessen ein Ende, auch unser Gewitter. Wir gossen die Stiefeln aus und muhten das weitere Trocknen der Luft und dem Winde überlassen, wobei ein starkes Frösteln trotz der vorausgegangenen Hitze nicht zu vermeiden war,' in meiner ledernen Brieftasche waren die innersten pergamentblätter erweicht.
Wir kamen nach Tankow, einem netten Dorfe, und erst nach Sonnenuntergang (denn das Gewitter hatte uns aufgehalten und die Pferde angegriffen) — nach Zanzhausen, wo ein Eisenhammer ist. hier hatten die Rrbeiter Feierabend gemacht und standen, die Rbendluft genießend, mit den Wei-


